Nach 25 Jahren hat sich das Frauenkabarett-Quarett Hickhack von seinen Fans verabschiedet. Foto: Seifert

Schöneck

Frauenkabarett Hickhack tritt nach 25 Jahren ab

Nach einem Vierteljahrhundert ist der letzte Vorhang gefallen: Das Frauenkabarett Hickhack hat zwei furiose Vorstellungen zum Abschied gegeben.

Von Thomas Seifert

Schöneck Die Letzte hat zwar nicht das Licht ausgemacht, so der Titel des finalen Programms. Dieser Akt war dem Hausmeister des Bürgertreffs Kilianstädten vorbehalten. Und doch war es ein Abschied für – voraussichtlich – immer: Mit der gewohnten Power haben sich die vier Frauen des Kabaretts Hickhack für 25 Jahre Treue bei ihrem Publikum mit zwei furiosen Vorstellungen bedankt.

Die Fans des Frauenkabaretts waren in Scharen gekommen, um sich die finalen Auftritte des Quartetts nicht entgehen zu lassen. Und sie wurden von Helga Schenk, Birgit Winterling, Ingrid Haertel und Johanna Voss nicht enttäuscht.Im Gegenteil, die Frauen agierten mit so viel Spielfreude auf der Bühne des Kilianstädter Bürgertreffs, wie in den Anfangstagen. Mancher Besucher mag sich gefragt haben, weshalb es eigentlich vorbei sein soll mit Hickhack-Kabarett.

"Mehr ums unsere Gatten kümmern"An diesem Abend gingen die Frauen auf diese Frage nicht gesondert ein, lediglich der Beginn der Vorstellung, als nur drei der Aktricen auf der Bühne standen und die Nummer vier „aus dem Publikum geholt“ wurde, deutete an, dass es andere Prioritäten gibt und Kabarett nur noch einen untergeordneten Stellenwert besitzt.Die Argumentation, die Männer seien älter geworden, man müsse sich mehr um die Gatten kümmern, kann da nur als „Schutzbehauptung“ durchgehen.Fast drei Stunden folgten an diesem Abend Sketche und Szenen Schlag auf Schlag, die Frauen streiften nahezu alle Themen, mit denen sie sich in 25 Jahren Hickhack einmal auseinandergesetzt hatten. Und seltsamerweise waren die Themen alle noch aktuell oder sind wieder aktuell geworden, nachdem man sie schon auf dem Müllhaufen der Geschichte wähnte.Das Frauenkabarett war immer dafür bekannt, keine Tabus zu kennen – dabei aber niemals verletzend zu sein. Die Balance zwischen knallharter Aussage, die aber mit einem Schmunzeln daherkommt, bestimmte den Tenor der Stücke, die größtenteils von Schenk und Haertel geschrieben worden sind. Auch die Rollen, in die die vier Frauen auf der Bühne schlüpfen, waren schon immer so verteilt, was eine gute Entscheidung war, denn sie passen zum jeweiligen Charakter und Typ. Auch diese Einmaligkeit der Hickhack-Truppe kam bei den Abschiedsvorstellungen voll zur Geltung.Mit der Behauptung, dass in all den Jahren „alles nur gespielt“ war, alles ein „Fake“, sogar die „Musik vom Band“ kam, wollten die vier Frauen gleich zu Beginn all denen den Wind aus den Segeln nehmen, die den verständlichen Wunsch geäußert hatten, Hickhack möge doch den Rücktrittsbeschluss revidieren.Und da „alles nur geklaut“ war, wird dieser Entschluss wohl in Stein gemeißelt sein, was die Fans wenig trösten mag – auch wenn sie ein Vierteljahrhundert viel Spaß mit dem Quartett hatten, das ursprünglich sogar ein Septett war.

"Tiefgründig und locker"

Die Abschiedsvorstellung war dann ein Streifzug durch die vielen Programme und Haertel erklärte das Zustandekommen: „Jede durfte ihre Lieblingsnummern aufschreiben, dann haben wir Striche dahinter gemacht und so ist der Nummerncocktail entstanden“.Von der Geburt bis zur Bahre ließen Hickhack keine Lebenssituation unbeleuchtet, nahmen und Gott und die Welt auf die Schippe, bewiesen, wie tiefgründig und doch locker-luftig Kabarett sein kann, bei dem die Protagonistinnen sich selbst nicht so wichtig nehmen.Sollten die vier Damen dann einmal mannlos im selben Altersheim landen, haben sie vorausgreifend dafür auch schon eine Lösung gefunden: Das Quartett wird eine Telefonsex-Agentur gründen.Klar war, dass Hickhack sich nicht ohne Zugaben von der Bühne verabschieden durfte, das waren die vier Frauen ihren langjährigen weiblichen und männlichen – gut ein Drittel der Besucher waren Männer – Fans schuldig. Aber auch diese Kür bewältigte Hickhack mit Bravour. Chapeau!

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