Seit Mitte Januar fährt in Schöneck der Bürgerbus. Das Angebot muss noch bekannter werden. Foto: Axel Häsler

Schöneck

Bürgerbus in Schöneck: So wird das Projekt angenommen

Schöneck. Seit wenigen Wochen fährt in Schöneck ein Bürgerbus. 15 Ehrenamtliche engagieren sich für das Projekt. Die Idee: Bürger sollen damit zu Ärzten, Einkaufsmärkten oder Friedhöfen chauffiert werden. Neben Schöneck fährt solch ein Bus im Main-Kinzig-Kreis bisher nur in Birstein. Wie gut wird das Projekt angenommen?

Von Mirjam Fritzsche

Den Opel Vivaro hat das Land Hessen zur Verfügung gestellt. Werbeflächen finanzieren Sprit und Wartung. „Fahrer und Disponenten sind hoch motiviert“, erklärt Mathias Laufer, Leiter des Fachbereichs Bürgerservice und Ordnungswesen in der Gemeindeverwaltung. Der Bürgerbus fällt in seinen Zuständigkeitsbereich.

Organisatoren rechnen mit längerer Anlaufphase

Feste Touren finden zum Beispiel am Dienstagnachmittag abwechselnd zum Seniorentreff der AWO in Kilianstädten und zum Dienstagstreff im katholischen Pfarrzentrum Büdesheim statt. „Für die anderen Fahrten müssen wir wohl noch mehr Werbung machen“, sagt Laufer. Man habe sich aber auf eine längere Anlaufphase eingestellt und sei optimistisch.

Einer der ehrenamtlichen Fahrer ist Dieter Kischkewitz. Im Ordnungsamt hat er sich an diesem Dienstag den Schlüssel abgeholt und macht sich auf den Weg zur Garage am Rathaus Kilianstädten. Dort ist das Fahrzeug untergestellt. Aufmerksam studiert er den Plan für die heutige Tour. „Wir werden voll besetzt sein. Ich hole heute sechs Damen in Büdesheim ab“, sagt er. Im Kofferraum müssen zwei Rollatoren verstaut werden. Auch das steht im Plan.

Rentner engagiert sich für Mitmenschen

Kischkewitz erzählt, was ihn motiviert, das Projekt ehrenamtlich zu unterstützen. Nach 45 Berufsjahren sei er erst kürzlich in den Ruhestand gegangen. „Ich war selbstständig, hatte eine kleine Firma für Analysetechnik“, berichtet der Schönecker. „Ich bin immer aktiv gewesen und möchte mich auch in der Rente gerne für meine Mitmenschen engagieren“, sagt er. Auch für die mobile Essensbank sei er im Einsatz.

Dann geht es los. Der erste Halt in Büdesheim ist bei Hildegard Kretschmer. Die 85-Jährige freut sich, dass sie vor der Haustür abgeholt wird. „Ich fahre heute das zweite Mal mit. Das ist schon sehr praktisch“, sagt sie. Sie weiß, wen der Bürgerbus als nächstes einsammeln soll und lotst den Fahrer ein paar Straßen weiter. Die Rentnerinnen warten oftmals bereits vor der Tür, deshalb geht es zügig voran.

Studiert den Tourenplan für diesen Tag: der ehrenamtliche Fahrer Dieter Kischkewitz. Foto: Axel Häsler

Nach einer halben Stunde sind alle sechs Damen am heutigen Ziel angekommen: das katholische Pfarrzentrum in Büdesheim. Dieter Kischkewitz hilft beim Aussteigen. Dann ist seine Arbeit getan. „Die Rollatoren sind doch zu Hause geblieben. Sie werden ja bis zum Eingang gebracht, meinten die Damen“, erläutert Kischkewitz.

"Bürgerbus eine große Erleichterung"

Vor Ort werden die sechs von Irmgard Sipf und Rita Cook empfangen, die dort den Dienstagstreff organisieren. Um die 20 Personen zwischen 65 und 80 Jahren kommen dort alle zwei Wochen zusammen, um gemeinsam Kaffee zu trinken, Vorträgen zu lauschen, Sitzgymnastik zu machen und das Gedächtnis zu trainieren. „Für uns ist der Bürgerbus eine große Erleichterung. Bisher haben wir die Frauen mit dem Auto zu Hause abgeholt“, sagt Rita Cook.

Auch bei den Gästen des Dienstagstreffs kommt der Fahrdienst gut an. „Die Fahrt ist fest gebucht, ich muss nur sagen, wenn ich nicht kann“, erzählt Anna Günther (86). Der Fahrer sei sehr behilflich. Denn das Ein- und Aussteigen falle ihr nicht leicht.

Weniger Wartezeiten als bei Linienbussen

Linienbusse nutzt Margarethe Kniza (83) ungern, sagt sie im Gespräch mit dem HA. Zum einen müsse sie erst zur Haltestelle laufen und bei der Rückfahrt unter Umständen lange warten. Die Knie bereiteten ihr Probleme. „Zum Glück habe ich jemanden, der mit mir einkaufen fährt“, sagt sie. Und wenn nicht, könnte sie auch dafür den Bürgerbus benutzen. Die Touren führen auch zu den Einkaufsmärkten in Kilianstädten.

Bürgerbus-HotlineDer Bürgerbus fährt nur nach Bedarf. Unter 01 57/80 67 44 00 können sich Bürger montags von 14 bis 16 Uhr und freitags von 10 bis 12 Uhr für Fahrten anmelden. Das Angebot der Gemeinde Schöneck ist für die Nutzer kostenlos. Spenden sind willkommen.

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