Auf den ersten Blick macht das Alte Schloss in Büdesheim einen guten Eindruck: Doch ein Gutachten belegt, dass das historische Gebäude dringend saniert werden muss. Kostenpunkt: geschätzte 1,55 Millionen Euro. Archivfoto: Kalle Meyer

Schöneck

Büdesheimer Schloss: Sanierung kostet mindestens 1,5 Millionen

Schöneck. Ein Fass ohne Boden. Dieser Satz ist im Zusammenhang mit dem Alten Schloss in Büdesheim in den vergangenen Jahren oft gefallen. Die Sorge vor überbordenden Kosten führte dazu, dass die Immobilie im Eigentum der Gemeinde zum Verkauf angeboten wurde.

Von Mirjam Fritzsche

Nachdem im vergangenen Jahr die Verkaufsbemühungen gescheitert sind, einigten sich die Fraktionen im Juni 2018 darauf, ein umfassendes Gutachten über die Sanierungskosten in Auftrag zu geben. Dieses liegt nun vor.

Bisher gibt es nur Schätzungen

Im kommenden Jahr dürfte die Schloss-Debatte in eine neue Runde gehen. Denn nun liegen zum ersten Mal konkrete Zahlen auf dem Tisch. Das Architekturbüro Krieg und Warth aus Eichenzell hat im Laufe des Jahres eine Bestandsaufnahme vorgenommen und ein Gutachten erstellt. Das Fazit: 1,55 Millionen Euro würde eine Sanierung des Innen- und Außenbereichs kosten.

Dabei handele es sich allerdings um Schätzkosten, relativieren die Fachleute. Um die Gebäudeinstandsetzung konkret planen zu können, sei die Einbeziehung eines Nutzungskonzepts und der denkmalpflegerischen Belange notwendig, lauten ihre Empfehlungen zum weiteren Vorgehen. Heißt konkret: Mit den 1,55 Millionen Euro wäre das Schloss zwar renoviert, aber Umbauten sind darin nicht eingeschlossen.

Letzte Sanierung vor 30 Jahren

Die letzte Sanierung des historischen Gebäudes liegt bereits 30 Jahre zurück. Das Schloss weise daher einen erheblichen Sanierungsstau auf. „Die Wohnungen sind in einem schlechten Allgemeinzustand und müssen komplett saniert werden. Auch die restlichen Boden-, Wand- und Deckenflächen weisen umfangreiche Schäden und Verschmutzungen auf“, heißt es im Gutachten. Für die Innensanierung kalkulieren Krieg und Warth 702 000 Euro. Der Außenbereich wird mit 852 000 Euro beziffert.

Die große Frage bleibt: Kann und möchte sich die Gemeinde das Alte Schloss leisten? Seit Jahren ist an der sanierungsbedürftigen Immobilie nichts passiert. Die Substanz wird nicht besser. Ein tragfähiges Nutzungskonzept müsste erstellt werden, wenn die Gemeinde das Schloss behalten will. Die Wahlalternative Schöneck (WAS) hatte im März ihre Ideen dafür vorgestellt.

Wahlalternative will soziales und kulturelles Zentrum

„Basis unserer Nutzungsvorschläge bleibt für uns das im Januar 2016 von der Bürgerinitiative Pro Altes Schloss vorgelegte Konzept“, erläutert Zehner. Dieses beinhalte drei wesentliche Ziele. Zum einen müssten die jährlichen Betriebskosten des Alten Schlosses möglichst durch Vermietungen erwirtschaftet werden. Inhaltlich solle der Gebäudekomplex einschließlich der umgebenden Freiflächen zu einem sozialen und kulturellen Zentrum für den Ortsteil Büdesheim und die Gemeinde Schöneck entwickelt werden.

Die bei einem historischen Gebäude stets periodisch anfallenden Sanierungskosten müssten zukünftig durch eine systematische Rücklagenbildung, beispielsweise durch Event-Veranstaltungen oder einen Förderverein, und ein konsequentes Zuschuss-Management aufgefangen werden, so die WAS in einer Pressemitteilung. Die anderen Fraktionen haben sich dazu bisher nicht geäußert.

Grüne wollen Schloss weiterhin verkaufen

Spannend wird vor allem sein, wie sich SPD und CDU positionieren. Die beiden größten Fraktionen kooperieren und halten somit die Mehrheit im Parlament. In der Vergangenheit hatten sie für einen Verkauf plädiert. Nun nehmen sie sich Zeit für ihre Entscheidung. „Wir werden erst im neuen Jahr beraten“, teilten beide Fraktionschefs mit. Die Grünen – ebenfalls Befürworter eines Verkaufs – haben indes bereits bestätigt, dass sie bei ihrer Meinung bleiben. „Wir sehen uns in Anbetracht der Sanierungskosten von 1,55 Millionen Euro darin bestätigt“, so Fraktionschefin Dr. Barbara Neuer-Markmann.

Es ist davon auszugehen, dass in den anstehenden Haushaltsberatungen das Schloss eine Rolle spielen wird. Im Februar beschließen die Gemeindevertreter den Doppelhaushalt 2020/21. Im Etatentwurf sind bisher keine Mittel für die Schlosssanierung eingeplant. Anträge dazu wird es sicherlich geben.

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