Im Kreise ihrer Lieben: Bürgermeisterin Conny Rück mit ihrem Partner Jürgen Hahn (links), Sohn Daniel und Tochter Sabrina Rück. Foto: Kalle

Schöneck

Zu Besuch bei Bürgermeisterin Conny Rück (SPD)

Schöneck. Wichtige Dinge werden am Familientisch besprochen. So war es auch um Ostern 2017 herum. Da rief Conny Rück die Familie in die Wohnung am Kirchberg in Kilianstädten zusammen, Sohn Daniel, die Tochter Sabrina, ihren Lebensgefährten Jürgen Hahn.

Von Yvonne Backhaus-Arnold und Mirjam Fritzsche

In den Wochen zuvor hatte sie bereits alleine überlegt. Erneute Kandidatur, ja oder nein? Am Ende des Nachmittags stand ein Ja.

Conny Rück ist emotional. Sie redet schnell, ist mit den Augen dabei und oft auch mit den Händen. Die zurückliegenden sechs Jahre als Bürgermeisterin seien vorbeigerauscht wie ein ICE, sagt Rück und schnippt mit dem Finger. Nicht immer sei alles eitel Sonnenschein gewesen. Da ist auch „viel Schatten“ wie Rück es nennt. „Es gibt Abende, da kommt man wie ein geprügelter Hund nach Hause“, sagt die Sozialdemokratin und schiebt hinterher, „man kann es in so einer Position einfach nicht jedem Recht machen.“

EmotionenDas hat die 61-Jährige in ihrer Amtszeit mehr als einmal erleben müssen. Vor allem die Diskussion um den Verkauf des Alten Schlosses in Büdesheim ist extrem emotional geführt worden. „Da bin ich auf einmal alleine für eine Beschlusslage des Parlaments verantwortlich gemacht worden“, sagt Rück. Das habe sie völlig überrascht.

Oder der Ärger der Oberdorfelder, die mittlerweile ohne Arzt, Apotheke, Schule und Einkaufsmöglichkeit dastehen. „Das macht mir die größte Sorge“, gesteht Rück.

Entlastung erhofft Sie habe die vergangenen sechs Jahre aber auch viel Spaß am Kontakt mit den Menschen gehabt und mit Herzblut für ihre Gemeinde geackert, betont Rück. Auch für die schwarze Null, die hauptsächlich durch die Erhöhung des Hebesatzes für die Grundsteuer B möglich wurde. „Die Anhebung auf 590 Punkte hat mich wirklich geschmerzt“, sagt Rück.

Eine große Entlastung erhofft sich die Bürgermeisterin von der neuen Hauptamtsleiterin, die kommende Woche ihre Arbeit aufnimmt. In Rücks bisheriger Amtszeit war die Stelle unbesetzt. „Ich habe mich gefreut, dass das Parlament dem Posten zugestimmt hat. Das war ja sogar ein Vorschlag der FPD“, sagt die Bürgermeisterin. Sie hoffe, dass die Gemeinde nun insgesamt in ein ruhigeres Fahrwasser kommt. „Ich fühle mich endlich richtig angekommen. Deshalb ist mir die zweite Amtszeit so wichtig.“

Eingeschworene GemeinschaftSchöneck ist längst die Heimat der gebürtigen Frankfurterin. Bis 1983 hat sie als Bankkauffrau gearbeitet und sich schließlich für die Familie entschieden. Sohn Daniel kam zur Welt, fünf Jahre später Tochter Sabrina – die heute beide nur einen Steinwurf von der Mutter entfernt leben. Rück musste sich schließlich als alleinerziehende Mutter durchkämpfen – keine einfache Zeit. Aber sie hat die heute 61-Jährige und ihre Kinder eng aneinander geschweißt. „Wir sind eine eingeschworene Gemeinschaft“, sagt Rück.

Von 1995 bis zur Bürgermeisterwahl 2012 arbeitete sie in der Oberdorfelder Kindertagesstätte Regenbogen, war Vorsitzende des SVO und fand 1995 auch den Weg in die Politik. Parteivorsitzende, stellvertretende Fraktionsvorsitzende, Vorsitzende der Gemeindevertretung – all diese Ämter hat Conny Rück mit Leben gefüllt und so war es zwangsläufig, dass die SPD sie 2012 ins Rennen um die Nachfolge von Bürgermeister Ludger Stüve schickte. Damals setzte sie sich gegen drei weitere Bewerber um das Amt an der Rathausspitze durch.

Gemeinsam Pläne für Schönecks Zukunft schmiedenNun muss sich Rück gegen Björn-Magnus Becker (parteilos) behaupten. „Ich nehme ihn als Konkurrenten ernst“, betont Rück, die in Sachen Bekanntheit einen meilenweiten Vorsprung hat. Schade habe sie es gefunden, dass die anderen Parteien keinen Kandidaten ins Rennen geschickt hätten. Sie unterstreicht aber auch: „Als Amtsinhaberin zu verlieren, wäre extrem bitter.“

Zu einem ihrer Hauptprojekte für eine neue Amtszeit hat Conny Rück eine bessere ärztliche Versorgung erklärt. „Oberdorfelden ist bereits ohne Hausarzt und mit einem sorgenvollen Auge blicke ich auf Kilianstädten, wo ebenfalls zwei Ärzte kurz vor der Rente stehen“, erläutert Rück.

RückhaltMit den Bürgern wolle sie gemeinsam Pläne für Schönecks Zukunft schmieden. „Bisher haben es unsere Finanzen nicht zugelassen, Wünsche zu äußern“, so die Bürgermeisterin. Wichtig bleibe ihr weiterhin: offen und ehrlich zu sagen, was nicht geht.

Rückhalt für die erneute Kandidatur hat Rück von der Familie. Tochter Sabrina ist für die SPD selbst in der Lokalpolitik aktiv und Lebensgefährte Jürgen Hahn nimmt es locker: „Ich bin es gewohnt, dass Conny viel unterwegs ist.“ Sohn Daniel lobt das Engagement seiner Mutter.

Wer mehr über Conny Rücks Ziele für die kommenden Jahre erfahren möchte, hat dazu auch bei der HA-Podiumsdiskussion am Mittwoch, 7. Februar, die Möglichkeit. Die Veranstaltung beginnt um 19.30 Uhr. Sie haben Fragen an die Kandidaten? Mailen Sie uns an schoeneck@hanauer.de.

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