Im Eine-Welt-Laden in Kilianstädten findet jeder etwas für seinen Geschmack. Pfarrer Kaarlo Friedrich aus Büdesheim trinkt nur noch Fair gehandelten Kaffee. Corinna Brusius-Biligmann zeigt eine liebevoll bemalte Tasse aus Afrika. Fotos: Gabriele Reinartz

Schöneck

Bei der Andreasgemeinde kann man guten Gewissens Kaffee trinken

Schöneck. Fairer Handel muss gelebt werden. Ein Beispiel dafür ist der Eine-Welt-Laden in Kilianstädten im Kranzbergring 14, der von Corinna und Jürgen Bilgmann mit Engagement betrieben wird.

Von Gabriele Reinartz

Seit Kurzem haben sie in Büdesheim „eine Zweigstelle“: das Gemeindehaus der Evangelischen Kirche. Dort steht ein Regal mit Waren aus dem Laden. „Wir haben schon vor über 30 Jahren, als wir noch Studenten waren, mit einem Eine-Welt-Laden angefangen“, erzählt Corinna Brusius-Bilgmann. Mit „wir“ meint sie sich und ihren Ehemann Jürgen. „Die Verteilung in der Welt empfinden wir als ungerecht, das ist es, was uns antreibt.“ Heute führt das Ehepaar mit rund fünf weiteren engagierten Personen ehrenamtlich den Eine-Welt-Laden im Kranzbergring 14 in Kilianstädten.

Eine gewisse Empörung sei schon da, gibt Brusius-Bilgmann zu, weil die Menschen in der Dritten Welt trotz vieler Arbeit nie den Lebensstandard erreichen könnten, den die Menschen zum Beispiel in Deutschland genießen dürfen. Mit den Gewinnen aus den fair gehandelten Waren wollen sie zu einer Besserung in den Ländern beitragen, denn die Gewinne werden dort in Infrastruktur und Bildungsmaßnahmen investiert.

Einkauf auch außerhalb der Öffnungszeiten möglich

Noch entspricht der Zulauf aber nicht ihren Erwartungen, „er könnte besser sein“, gibt Brusius-Bilgmann zu. Ein Grund ist sicherlich die etwas versteckte Lage am Hang jenseits der Ortsdurchfahrt Frankfurter Straße. Allerdings stellt ihnen der Vermieter die Räumlichkeiten mietfrei zur Verfügung, so dass sie nur für die Nebenkosten aufkommen müssen, was letztlich die Einnahmen erhöht, die reinvestiert werden in neue Ware.

Um mehr Kunden für den guten Zweck zu gewinnen, bietet das Ehepaar an, auch außerhalb der Öffnungszeiten, die derzeit auf samstags von 11 bis 14 Uhr beschränkt sind, einkaufen kommen zu können. „Ein Anruf genügt und wir machen das möglich“, verspricht sie.

Zum Kundenkreis des Eine-Welt-Ladens gehört die Büdesheimerin Susanne Cochet. Allerdings „shoppt“ sie bisher im Gemeindehaus der Evangelischen Kirche in Büdesheim. Denn dort hat der Eine-Welt-Laden ein Regal stehen, sozusagen einen kleinen „Selbstbedienungsladen“ mit (noch) eingeschränktem Angebot. „Wenn ich für jemanden eine kleine Aufmerksamkeit suche, kaufe ich gerne etwas aus dem Regal“, verrät sie. „Denn man kann mit so einem Geschenk gleichzeitig noch anderen Menschen etwas Gutes tun.“

Büdesheimer Regal wird sehr gut angenommen

Außerdem sei es für sie ganz bequem, weil sie für ein Präsent nicht extra bis Kilianstädten fahren müsse. „Aber ich habe fest vor, nach den Sommerferien in den Kranzbergring zu fahren, um mir mal das komplette Sortiment des Ladens anzusehen.“ Von einer Bekannten wisse sie, dass es dort neben Lebensmitteln auch andere Dinge für den täglichen Bedarf gebe, sogar Schmuck. Daher sei der Eine-Welt-Laden für sie garantiert eine wunderbare Einkaufsmöglichkeit mit großem sozialen Aspekt.

Mit ins Leben gerufen hat das Regal Pfarrer Kaarlo Friedrich. „Die Idee dazu entstand während des sozialen Forums in Schöneck“, erzählt er. „Immerhin verfolgen wir doch dasselbe Ziel, das da lautet ‚Brot für die Welt‘. Mit dem Regal wollen wir austesten, wie gut das Angebot angenommen wird, um es später eventuell zu vergrößern. Immerhin kommen auf die Woche verteilt allein schon rund 100 Sänger unserer Chöre ins Gemeindehaus. Es könnte sich also rentieren.“

Und das tut es auch. Das Büdesheimer Regal würde sehr gut angenommen, kann Brusius-Bilgmann nur bestätigen. Denn wöchentlich müsse jemand von ihnen kommen, um es aufzufüllen.

"Handel hinterlässt Spuren"

„Auch wir selbst haben uns umgestellt“, fährt Friedrich fort. „Bei Sitzungen trinken wir nur noch fair gehandelten Kaffee. Zu Ostern haben wir extra eine Kaffeeprobe gemacht, um herauszufinden, welcher uns am besten schmeckt. Seitdem kommt nur noch dieser auf den Tisch.“ Damit auch die Jüngeren ein Verständnis für fairen Handel entwickeln, gehört zum Konfirmandenkreis dazu, einmal nach Kilianstädten in den Laden zu fahren oder auch selbst Schokolade aus fair gehandelten Zutaten herzustellen, die dann bei Gemeindefesten oder zu Weihnachten verkauft wird. „Kinder und Jugendliche sollen nicht nur Schokolade essen, sondern auch wissen, woher sie kommt. Wir wollen ihnen vermitteln, dass eine faire Welt auch gelebt werden muss“, erläutert der Pfarrer.

Seit einiger Zeit darf sich übrigens die Büdesheimer Gemeinde als „Faire Gemeinde“ bezeichnen. Die evangelische Landeskirche entwickelte ein Label und verleiht es jeder Gemeinde, die die „fairen Kriterien“ erfüllt. „Handel hinterlässt Spuren. Das Kaffeetrinken hat weltweite Folgen“, erinnert Friedrich.

Außer in Schöneck ist der Eine-Welt-Laden schon seit längerem in Hammersbach-Langen-Bergheim aktiv. „Auch dort sind wir regelmäßig bei Kirchfesten mit einem Stand dabei und schenken unseren Kaffee aus“, erzählt Brusius-Bilgmann. „Die dortige Kirche führt sogar ein Schild, auf dem steht: ‚Wir trinken fair gehandelten Kaffee‘. Das finde ich toll.“

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