Archivfoto: Mirjam Fritzsche

Schöneck

Altes Schloss Büdesheim: Alles, was man wissen sollte

Schöneck. Seit sieben Jahre wird über die Zukunft des Alten Schlosses in Büdesheim gestritten. Verkaufen oder sanieren? Viel ist in den vergangenen Jahren passiert. Die Verkaufsbemühungen sind zwar vorerst gescheitert, doch noch immer gibt es keine konkreten Pläne, was mit der besonderen Immobilie geschehen soll.

  • Warum sollte es verkauft werden?In den Jahrzehnten nach der umfangreichen Sanierung in den 1980er Jahren wird kaum Geld in Erhaltungsmaßnahmen gesteckt. 2013 ist das Gebäude wieder sanierungsbedürftig. Das Gemeindeparlament entscheidet jedoch, die Mittel für die Sanierung der Schlossfassade nicht zu bewilligen. Die Mitglieder der Gemeindevertretung gehen von 300 000 Euro für die Maßnahme aus – zu teuer für Schöneck, das bis 2017 einen ausgeglichenen Haushalt vorlegen muss. Im Juni 2014 beschließt die Gemeindevertretung einstimmig die mögliche Veräußerung gemeindeeigener Vermögensgegenstände – eine Absichtserklärung. „In Betracht“ kommt auch das Alte Schloss Büdesheim.
  • Die Geschichte des Gebäudes:Die als Wasserburg errichtete Anlage gelangte im 11. Jahrhundert in den Besitz des Klosters Michelsberg/Bamberg, Die Gräben wurden verfüllt und die Anlage ineinen befestigten Hof umgewandelt. 1554 kaufte der Friedberger Burggraf Johann Brendel von Homburg Hof und Land und über 200 Jahre bleibt das Schloss in seinem Besitz. In den Jahrhunderten danach folgten einige Besitzerwechsel und Umbauten. 1962 schließlich wird das Alte Schloss an die Nassauische Heimstätte verkauft, von der es die Gemeinde Büdesheim 1968 erwirbt. 1974 ist es allerdings in einem desolaten Zustand, man erwägt einen Verkauf an eine private Hotelgesellschaft oder einen Abriss.Eine Bürgerinitiative kann das verhindern.
  • Die politischen Folgen:Die Schloss-Debatte ist auch für die Politik in Schöneck nicht folgenlos geblieben. Zu den Kommunalwahlen 2016 wird das Wahlbündnis „Wahlalternative Schöneck – WAS“ gegründet – ein Zusammenschluss aus Gegnern des Verkaufs. Auf Anhieb holt sie 14,9 Prozent und zieht als sechste Fraktion in die Gemeindevertretung ein. Zur Bürgermeisterwahl im Februar 2018 tritt der parteilose Björn-Magnus Becker gegen Amtsinhaberin Conny Rück (SPD) an. Unterstützt wird er von Freien Wählern und der WAS. Zwar kann Rück die Wahl für sich entscheiden, doch im Büdesheimer Wahllokal Kita Sonnenwelle hat Rück nur wenige Prozentpunkte Vorsprung. Auch das Alte Schloss dürfte bei diesem Ergebnis eine Rolle gespielt haben. Und auch bei den nächsten Kommunalwahlen im kommenden Jahr wird es voraussichtlich eines der Top-Themen sein.
  • Kaufinteressent Werner Dietz:2014 tritt Investor Werner Dietz aus Schotten auf den Plan. Er hat Interesse an dem Objekt angemeldet. Dietz möchte das Alte Schloss restaurieren und auf dem Gelände zwischen Schloss und Sportplatz Wohnungen bauen. Dietz bietet 1,8 Millionen Euro. Kurzfristig wird im Dezember 2014 eine Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses einberufen. Mehrheitlich stimmen die Gemeindevertreter für den Verkauf. Doch so schnell geht es dann doch nicht. Der hessische Städte- und Gemeindebund (HSGB) kommt zu dem Schluss, dass eine offene Ausschreibung für das Gebäude Pflicht ist. 2015 wird ein Bietverfahren eröffnet. Das Ergebnis: 38 Interessenten, aber nur ein Bieter: Werner Dietz. Ein Bürgerbegehren zum Alten Schloss zögert den Verkauf weiter hinaus. Im Juni 2016 wird es für unzulässig erklärt. Die Bürgerinitiative zieht vor Gericht – und scheitert.

  • Warum der Kauf nicht zustande kam: Nach dem Scheitern des Bürgerbegehrens, das über den Verkauf abstimmen lassen wollte, gehen alle davon aus, dass das Alte Schloss schon bald seinen Besitzer wechselt. Doch Investor Werner Dietz zögert mit seiner Unterschrift unter den Kaufvertrag. Grund: Er will die städtebauliche Analyse des Landesamtes für Denkmalschutz abwarten. Denn für ihn rechnet sich die Investition in das Alte Schloss nur, wenn er das Grundstück nach seinen Plänen bebauen kann. Im Dezember 2017 liegt das Gutachten endlich vor. Das Problem: Dietz' Pläne lassen sich nicht eins zu eins umsetzen. Der Investor zögert weiter. Schließlich erhöhen die Gemeindevertreter den Druck. Dietz soll sich innerhalb einer Frist verbindlich äußern. Doch der Investor will sich nicht drängen lassen. Er teilt mit, dass er sich nicht in der Lage sieht, eine Erklärung abzugeben. Der Verkauf scheitert.

  • So teuer wäre eine Sanierung:Die letzte Sanierung liegt bereits 30 Jahre zurück. Von 1986 bis 1989 ist das Gebäude für 4,8 Millionen Mark (entspricht etwa 2,4 Millionen Euro) instand gesetzt worden. Seitdem wurde nur wenig in Renovierungsarbeiten investiert. Das Schloss weist einen erheblichen Sanierungsstau auf. Nach dem Scheitern der Verkaufsbemühungen wollen es die Gemeindevertreter genau wissen. Ein Architekturbüro aus Eichenzell wird mit einem Gutachten über die Sanierungskosten beauftragt. Seit Dezember 2019 liegt es vor. 1,5 Millionen Euro würde eine Sanierung des Innen- und Außenbereichs kosten. Mit dem Geld wäre das Schloss zwar renoviert, aber Umbauten aufgrund einer möglichen geänderten Nutzung sind darin nicht eingeschlossen.

  • So wird das Schloss aktuell genutzt:Die fünf Wohnungen im Alten Schloss sind vermietet. Im Brendelsaal finden Trauungen und Konzerte statt. Zudem werden die Räume im Schloss von verschiedenen Gremien, Vereinen und dem Ortsbeirat Büdesheim für Besprechungen und Sitzungen genutzt. Der Jugendclub wird von den Mitarbeitern für die Jugendarbeit, diverse Kurse, besonders auch in den Ferien, belegt. Die „Begegnungsstätte Darts“ trifft sich ebenfalls dort. Für die ehemaligen Räume der Bücherei gibt es noch keine neue Nutzung.

  • So geht es jetzt weiter: Der Verkauf ist erstmal vom Tisch. Im Parlament gibt es aktuell keine Mehrheit dafür. In der jüngsten Sitzung des Gemeindeparlaments wurden für den Doppelhaushalt 2020/21 allerdings auch keine Mittel für Sanierungsarbeiten eingestellt. Geprüft werden soll nun, ob die Gründung einer eigenen Gesellschaft die Lösung sein kann. Die Idee: Die Gemeinde bringt Schloss und die danebenliegende Freifläche in die Gesellschaft ein. Über die Bebauung der Fläche sollen die Mittel für die Sanierung erwirtschaftet werden. An der Gesellschaft könnten sich auch Investoren beteiligen, allerdings soll die Gemeinde mindestens 60 Prozent des Grundkapitals halten, um weiter Einfluss nehmen zu können. Zudem wird ein weiteres Gutachten in Auftrag gegeben. Dabei sollen die Kosten für eine geänderte Nutzung geklärt werden.

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