Bunt und friedlich: So demonstrierten am Dienstagabend mehrere Hundert Bürger vor dem Bürgertreff in Kilianstädten für Offenheit und Toleranz. Im Gebäude fand eine Wahlkampfveranstaltung der AfD statt. Foto: Habermann

Schöneck

AfD-Versammlung in Kilianstädten - Gegendemo vor der Tür

Schöneck. Rund 400 Gegendemonstranten vor, rund 80 Teilnehmer einer Wahlkampfveranstaltung der AfD in dem Bürgertreff Kilianstädten: Die Zahlen sind verbürgt, jedenfalls die der Demonstranten unter dem Motto: „Schöneck ist bunt!“

Von Rainer Habermann

Polizei, die den Veranstaltungsraum auf der Straßenseite zugänglich hielt, und Veranstalter, ein neu ge-gründetes „Buntes-Bündnis-Schöneck“ unter Federführung des Büdesheimer evangelischen Pfarrers Kaarlo Friedrich, waren sich einig: Rund 400 waren es, die ihrem Unmut über die AfD – auf absolut friedliche Weise – Luft machten.

Die AfD-Wahlkampfveranstaltung mit ihrem Landtagskandidaten im Wahlkreis 40, Ulrich Langenbach, begann eigentlich um 19 Uhr, dann jedoch mit viertelstündiger Verspätung, weil man befürchtete, einige Parteigänger der Alternative zu den „Altparteien“ könnten sich durch die Präsenz der Demonstranten am freien Zugang zum Bürgertreff gehindert fühlen. Diese hatten sich nämlich bereits gegen 18 Uhr versammelt, unter ihnen zahlreiche Schönecker Bürgerinnen und Bürger, aber auch Gruppen wie beispielsweise die Pfadfinder aus Windecken der Deutschen Pfadfinderschaft St. Georg. „Um Flagge zu zeigen“, wie einer von ihnen meinte.

Friedlich demonstrierende Bürger

Der Oberdorfeldener Ortsvorsteher und DGB-Kreisvorsitzende Klaus Ditzel (SPD) richtete ebenso Grußworte an die bunt und völlig friedlich demonstrierenden Bürger, wie Friedrich. „Für die Größe der Gemeinde Schöneck finde ich die Beteiligung sensationell“, meinte Ditzel. „Sie zeigt auch, wie wenig empfänglich die Schönecker in ihrer Masse für rechte Parolen, Fremdenfeindlichkeit und Rassismus sind“, sagte er gegenüber unserer Zeitung.

Die Stimmung unter den Demonstranten: gelassen, fröhlich, kein „schwarzer Block“ oder ähnliche, linksradikale oder Anarcho-Gruppen weit und breit. Einsatzleiter Stefan Petersein, Polizeihauptkommissar und Dienststellenleiter der Polizeistation Maintal, hatte die Lage jederzeit im Griff. Die Einheiten, die auch von der Bundespolizei unterstützt wurden, mussten nicht eingreifen und leisteten ruhig und besonnen ihren Dienst: auch zur Sicherung des freien Zugangs zur AfD-Veranstaltung und dieser selbst im Saal.

Luft im Saal

Dort, im Saal des Bürgertreffs, war noch viel Luft auf den Stuhlreihen, auf der Bühne ein Podium aufgebaut, an dem Langenbach, Michael Krah, der stellvertretende Landesvorsitzende der AfD Sachsen, und Dr. Nicolaus Fest, Journalist, Jurist und derzeit Sprecher der AfD Wilmersdorf-Charlottenburg (Berlin), Platz nahmen: angekündigt vom AfD-Main-Kinzig-Kreissprecher Dr. Wolfram Maaß. Langenbach,42 Jahre alt und Familienvater, kritisierte zunächst Pfarrer Friedrich, den Initiator der Gegendemo. Er habe mit diesem Kontakt gehabt und ihn auch zur AfD-Veranstaltung ausdrücklich eingeladen.

Friedrich habe zunächst „sehr offen gewirkt“ (Langenbach), dann aber abgelehnt, weil er „keine Identifizierung mit den Themen der AfD“ habe. Die Themen, wie sie Langenbach schließlich ansprach: das „Gender-Gaga“ müsse endlich aufhören, es dürfe keine weitere „Frühsexualisierung unserer Kinder mehr stattfinden“. Bündnis 90/Die Grünen machte er als eigentlich Verantwortliche für den „Raubbau an der Natur“ aus, weil sie immer mehr „Windspargel mit riesigen Fundamenten aus tonnenweise Beton in die Wälder pflanzen“ wollten.

Die Grünen dürften „nie wieder in Regierungsverantwortung in Hessen und anderswo“ kommen. Eine „exorbitante Steigerung der Kriminalität“ machte Langenbach in Hessen aus, wogegen „nur rund 1000 Abschiebungen“ stünden. Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) bezeichnete er als „Ministerpräsidentendarsteller“ und als „verlängerter Arm Merkels“. Und schließlich gelte es auch, die GEZ und damit die Rundfunkgebühren in Hessen abzuschaffen.

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