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Ein Wochenende mit Luther: Die Ronneburg wird zur Schlosskirche

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Luther und sein „Herr Käthe“? Die charmante Dame an der Seite von Pfarrer Steffen Merle ist CarmenSoer, eine „Küchenfee“ der Ronneburg. Foto: Habermann
Luther und sein „Herr Käthe“? Die charmante Dame an der Seite von Pfarrer Steffen Merle ist CarmenSoer, eine „Küchenfee“ der Ronneburg. Foto: Habermann

Ronneburg. „Futtern wie bei Luthern“, eine echte Gutenberg-Buchdruckpresse, Bänkelsänger und ein Pfarrer, der dem tradierten Bild des Reformators täuschend ähnlich sieht: „95 Thesen“ bildeten das Motto eines Luther-Wochenendes im mittelalterlichen Ambiente der Ronneburg.

Von Rainer Habermann

Der Ausgangspunkt hätte authentischer nicht sein können. Als nämlich der junge Magister Martin Luder einst im 16. Jahrhundert nach Erfurt wandelte, schlug unmittelbar neben ihm der Blitz ein. So ist es überliefert, und auch, dass Luder sich fürderhin Martin Luther nannte, nach „Eleutherius“, was im Lateinischen so viel heißt wie „der Befreite“. Am Freitagabend, als das mittelalterliche Festmahl im Bandhaus der Ronneburg so richtig im Gange war, die Gäste mit keinem andern Besteck als einem Dolch, einem Trinkkrug und den eigenen Händen bestückt, zog am Firmament ein fürchterliches Gewitter auf. Der Donner grollte, Blitze zuckten, der Himmel öffnete seine Schleusen, und ließ den geplanten Freiluft-Auftritt der Musiker von „Halleluhjazz“ ins Wasser fallen. Sie spielten dann drinnen, mit jazzigen Klängen zu bekannten Kirchenliedern.

Dennoch bildete das Gelage mit Schweinerippen nebst saftigem Fleisch in krachender Schwarte und Beilagen aus der Küche „Junker Zinkhans“ einen ersten Höhepunkt des Luther-Wochenendes, veranstaltet vom evangelischen Kirchenkreis Hanau. Es hatte noch mehr zu bieten: Pfarrer Dr. Steffen Merle schlüpfte in die Rolle des gefeierten Reformators und sonderte dessen wohl bekannte Sprüche ab, Marke: „Warum rülpset und furzet Ihr nicht? Hat es Euch nicht geschmacket?“ „Luther-Merle“, ließ aus Luther-Büchern in gepflegtem Althochdeutsch lesen, und traf den Duktus perfekt, wie er dem Reformator zugeschrieben wird.

Himmlische EnergieDer Samstag stand ganz im Zeichen eines Familienfestes im Hof der Ronneburg, unter strahlender Sonne und zu Klängen der mittelalterlichen Barden des Nidderauer Duos Eigenart. Kitas hatten Mitmach- und Mitspielstände aufgebaut, das „Pätschwerk“ lieferte „himmlische Energie“ in Form solargetriebener Schiffchen, der Maintaler Mike Heidemann wies Kinder in die (Körperkraft erfordernde) Kunst des Druckens mit einer historischen Gutenberg-Presse ein. Im Bandhaus faszinierte das Hanauer Marionettentheater mit „Luther an der Strippe“, und abends zauberte Miriam Küllmer-Vogt mit ihrem Kammermusical „Wenn Engel lachen“ die Ehefrau Luthers, Katharina von Bora, in die heutige Welt.

Der religiöse Teil bei einem Luther-Wochenende des evangelischen Kirchenkreises durfte natürlich ebenfalls nicht fehlen. Getreu dem von Luther geschriebenen Kirchen-Hit „Ein feste Burg ist unser Gott“ feierten die Gläubigen am Sonntag einen Gottesdienst. Eine feste Burg: Das ist gewiss die Ronneburg. Und das ist möglicherweise auch die Generation 55 Plus. Die nimmt das Projekt „Route 55+“ ins Visier. Es will ältere Menschen sensibilisieren, Wissen und Fertigkeiten im Ehrenamt weiterzugeben. „Lust aus Alter machen, statt Frust zu produzieren“: Das ist das Ziel des Pfarrers Merle, der auch im Evangelischen Forum Hanau arbeitet.

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