1. Startseite
  2. Region
  3. Ronneburg

Ukraine-Flüchtlinge fühlen sich im Jugendzentrum Ronneburg wohl / Regelbetrieb ab Juni

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Patricia Reich

Drei Generationen einer Flüchtlingsfamilie sitzen im Jugendzentrum nach dem Mittagessen zusammen. Im Schnitt sind 70 Menschen aus der Ukraine in Ronneburg untergebracht.
Drei Generationen einer Flüchtlingsfamilie sitzen im Jugendzentrum nach dem Mittagessen zusammen. Im Schnitt sind 70 Menschen aus der Ukraine in Ronneburg untergebracht. © PM

Weit mehr als 1500 Arbeitsstunden waren Ehrenamtliche aus den Ortsvereinen des DRK-Kreisverbandes im Jugendzentrum (JUZ) seit den ersten Märztagen für Geflüchtete aus der Ukraine im Einsatz. Ein 24-Stunden-Bereitschaftsdienst wurde eingeführt, um die Menschen auch nachts empfangen zu können (wir berichteten).

Ronneburg – Im Laufe des Aprils hat der Kreisverband als Betreiber der Flüchtlingsunterkunft in Ronneburg laut Mitteilung sukzessive die vielen Aufgaben an hauptamtliche Mitarbeiter übergeben, um den laufenden Betrieb optimal abzudecken und zu erweitern. Denn wo normalerweise Schulklassen und Vereine ein paar entspannte Tage in idyllischer Lage mit Blick auf die historische Ronneburg verbringen, sind hier aktuell noch Flüchtende aus den Kriegsgebieten der Ukraine untergebracht. Die Belegung ist noch bis zum 31. Mai geplant. „Ab Juni steht das Jugendzentrum dann für seinen eigentlichen Betriebszweck wieder zur Verfügung“, gibt Reinhold Walz, Geschäftsführer des Jugendzentrums, gegenüber unserer Zeitung am Telefon Auskunft.

Rund 70 Flüchtlinge aus der Ukraine wohnen derzeit im Jugendzentrum

Die Zahl der Flüchtlinge im Jugendzentrum variiert, meist sind es, wie auch aktuell, 70 Menschen, die hier untergebracht sind, berichtet DRK-Pressesprecherin Andrea Pauly am Telefon. „Die Spitze der Belegung durch die Flüchtlinge lag bei 80 Personen“, informiert JUZ-Geschäftsführer Walz. Manche von ihnen haben inzwischen längerfristige Unterkünfte in Wohnungen gefunden.

Innerhalb kürzester Zeit fiel im März die Entscheidung, das Jugendzentrum für die Flüchtlinge bereitzustellen. „Die erste Begehung und Sondierung der Gegebenheiten hatten wir im Auftrag des Main-Kinzig-Kreises am ersten Freitag im März. Keine 48 Stunden später kamen bereits die ersten Flüchtlinge an“, berichtet Benjamin Heier, kaufmännischer Leiter beim Hanauer DRK, der sich dann im weiteren Verlauf um die Akquise von hauptamtlichen Personal für die Flüchtlingsunterkunft gekümmert hat. Doch den mehr als kurzfristigen Aufbau, die Organisation und Inbetriebnahme in den ersten Wochen gestalteten vor Ort Ehrenamtliche aus den Ortsvereinen des Kreisverbands. Die meisten von ihnen mit Erfahrung aus dem Katastrophenschutz und in anderen Krisensituationen.

Jugendzentrum innerhalb zwei Tagen zur Flüchtlingsunterkunft umfunktioniert

Federführend engagierten sich hier Matthias Röder, Nadine Schernick, Sascha Haberkorn und Kai Hirchenhein, Rotkreuzbeauftragter des DRK-Kreisverbandes Hanau. „Auch wenn wir hier im Gegensatz zu einer Halle schon eine gute Infrastruktur hinsichtlich Unterbringung und Verpflegung durch das Jugendzentrums-Team vorgefunden haben, galt es doch, unmittelbar Strukturen für die Ankunft der Flüchtlinge zu schaffen“, erzählt Röder. Die Räume außerhalb der Gästehäuser wurden begutachtet und logistisch sinnvoll aufgeteilt. „Nachdem unser Konzept gestaltet war, waren jeder einzelne von uns und alle Ehrenamtlichen in den ersten Tagen und Wochen vor Ort, wann immer es möglich war, um die vorgesehenen Dienste mit zu unterstützen“, fügt Haberkorn hinzu.

Anfangs auch große Herausforderung für JUZ-Geschäftsführer

Auch Walz berichtet von einer herausfordernden Anfangszeit. „Die Kommunikation mit den Gästen, denen wir absagen mussten, war ein enormer Arbeitsaufwand. Immerhin waren es 100 Gruppen.“ 90 Prozent der Gruppen hätten für die Kurzfristigkeit der Absage Verständnis gezeigt. „Es ging immerhin um humanitäre Hilfe, die geleistet werden musste. In einem kleineren Umfang gab es dann doch Probleme, die bearbeitet werden mussten. Da haben wir aber Lösungen gefunden, die dann für alle zufriedenstellend waren.“

Eine weitere große Hürde sei in der Anfangszeit die Kommunikation in Form von Sprache und Schrift gewesen, führt Walz weiter aus. „Die Verständigung war schwierig und erfolgte überwiegend durch Gesten. Eine DRK-Mitarbeiterin sprach glücklicherweise Ukrainisch und schrieb die ersten Hinweisschilder in kyrillischer Sprache per Hand.“ Doch im Laufe der Wochen habe sich alles professionalisiert.

Team aus DRK-Hauptamtlichen koordinieren Abläufe

Für die ehrenamtlichen DRK-Kräfte sei die Aufrechterhaltung des Dienstplanes die größte Herausforderung gewesen, heißt es in einer Mitteilung des Kreisverbandes. Denn die Ehrenamtlichen mussten noch ihrem „normalen Job“ nachgehen und standen zudem für den Katastrophenschutz in Bereitschaft.

Umso wichtiger sei es dann gewesen, die ehrenamtlichen durch hauptamtliche Kräfte abzulösen. Inzwischen sind rund 30 neue Mitarbeiter in der Flüchtlingsunterkunft in Ronneburg tätig, die sich um einen koordinierten Ablauf kümmern und in einigen Bereichen noch von Ehrenamtlichen unterstützt werden.

Das neue und das alte Leitungsteam vor der Flüchtlingsunterkunft in Ronneburg (von links): Kai Hirchenhein, Markus Röder, Dr. Katharina Behmer-Prinz, Sascha Haberkorn, Nils Ziebach, Benjamin Heier und Nadine Schernick.
Das neue und das alte Leitungsteam vor der Flüchtlingsunterkunft in Ronneburg (von links): Kai Hirchenhein, Markus Röder, Dr. Katharina Behmer-Prinz, Sascha Haberkorn, Nils Ziebach, Benjamin Heier und Nadine Schernick. © PM

Das neue Leitungsduo besteht aus Dr. Katharina Behmer-Prinz und Nils Ziebach. Behmer-Prinz war bereits in vielen Hilfsprojekten auch für Flüchtlinge nicht nur in Deutschland aktiv. Maschinenbau-Ingenieur Nils Ziebach ist dem DRK durch seinen ehrenamtlichen Einsatz beim Ortsverein Großauheim verbunden. und als Gruppenführer im 1. Betreuungszug des Main-Kinzig-Kreises für den Katastrophenschutz in Hessen aktiv. Neben der Organisation, der Planung und dem Abstimmen von ehrenamtlichen Angeboten zählt auch die Zusammenarbeit mit Behörden und der Einrichtungsleitung des JUZ zu den Aufgaben des Leitungs-Teams.

Ab Juni startet Jugendzentrum wieder seinen normalen Betrieb

Dass die Zusammenarbeit gut klappt und die Ukrainer sich im Jugendzentrum wohlfühlen, bestätigt Walz. „Unsere Gäste sind ein höfliches und unaufgeregtes Klientel. Das ist sonst bei normalem Betrieb mit den Gruppen oftmals auch anders, wenn 120 bis 130 Kinder sich auf unserem Gelände aufhalten.“ Walz beschreibt seine Gäste als sehr unauffällig, höflich und mit guten Umgangsformen. Auch die Kinder seien sehr zurückhaltend.

„Ab und an mussten wir bei ein paar Dingen nachsteuern, wie dem Büfett“, merkt der JUZ-Geschäftsführer an. „Wir würzen das Essen mehr. Das sind die Ukrainer nicht gewohnt. Auf solche Dinge haben wir dann Rücksicht genommen und sind bemüht, den Gewohnheiten nachzugehen.“

Wie der Main-Kinzig-Kreis bereits in einer Mitteilung vermeldete, werden die Liegenschaften, die für die Unterbringung der Flüchtlinge bereitgestellt wurden, sukzessive im Laufe der nächsten Wochen rückgeführt. Kreispressesprecher Frank Walzer bestätigte, dass das Jugendzentrum bis Ende Mai als Flüchtlingsunterkunft genutzt wird, eine Verlängerung darüber hinaus aber nicht vorgesehen ist.

„Wir arbeiten mit Hochdruck daran, den aktuellen Bewohnern bis dahin dauerhafte Unterkünfte zu vermitteln“, sagt Walzer. Hierfür seien unter anderem ehemalige Hotels und Beherbergungsstätten entsprechend umfunktioniert worden, die dann bezogen werden können. (Von Patricia Reich)

Auch interessant