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Sozialausschuss informiert sich über aktuellen Stand in der Ronneburger Kinderbetreuung

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Von: Patricia Reich

Der Spielturm auf dem Außengelände der Kita „Die kleine Ritter“ im Bildhintergrund wurde bereits mehrfach repariert. Er hat gute Dienste geleistet, müsste aber laut Kita-Leitung Janet Kulke in den nächsten Jahren ersetzt werden.
Der Spielturm auf dem Außengelände der Kita „Die kleine Ritter“ im Bildhintergrund wurde bereits mehrfach repariert. Er hat gute Dienste geleistet, müsste aber laut Kita-Leitung Janet Kulke in den nächsten Jahren ersetzt werden. © Patricia Reich

Erziehermangel und fehlende Krippen-, Kita- und Hortplätze sind große Themen, mit denen sich Städte und Gemeinden aktuell beschäftigen. Der Ronneburger Sozialausschuss hat sich bei einem Vor-Ort-Termin über den Stand der Dinge in der Kita „Die kleinen Ritter“ erkundigt und den vor einem Jahr beschlossenes Vorhaben wahr gemacht und auch gleich die Nachmittagsbetreuung der „Die gute Laune“ (kurz: DiGuLa) der Ronneburgschule in Augenschein genommen.

Ronneburg – „Personal wird immer prekärer“, bekräftigt Bürgermeister Andreas Hofmann (SPD) das eher düstere Bild der Zukunft in puncto Kinderbetreuung. Bisher habe die Gemeinde die Personalakquise gut hinbekommen und offene Stellen schnell und mit einem fast nahtlosen Übergang besetzen können. „Doch das ist ein echtes Thema, das vom Ausschuss weiter beobachtet werden muss.“ Der Bedarf an Personal habe sich durch Neubaugebiete in der Region und dem einhergehenden Zuzug von Familien erhöht, sodass es ein „Rennen um Fachkräfte“ gebe. Auch die aktuelle Krise sorge für eine Fluktuation. Wohnortnahe Arbeitsplätze werden langen Arbeitswegen vorgezogen. Dies seien in Ronneburg die Kündigungsgründe gewesen, berichtet Kita-Leitung Janet Kulke.

Bürgermeister Andreas Hofmann (SPD) informiert zusammen mit Kitaleiterin Janet Kulke die Ausschussmitglieder mit der Vorsitzenden Verena Greger (SPD) über die aktuelle Lage der Kinderbetreuung.
Bürgermeister Andreas Hofmann (SPD) informiert zusammen mit Kitaleiterin Janet Kulke die Ausschussmitglieder mit der Vorsitzenden Verena Greger (SPD) über die aktuelle Lage der Kinderbetreuung. © Patricia Reich

Kitaplätze sind voll belegt

„Die kleinen Ritter“ haben einschließlich der Waldgruppen eine Kapazität von 176 Kindern, worunter 36 aktuell die Krippe besuchen. Der Betrieb ist voll ausgelastet. Weitere Kinder werden bis Ende des Jahres aus der Ukraine erwartet, sagt Hofmann. „30 Personen werden aufgrund der Flüchtlingslage noch in unsere Gemeinde kommen, darunter sind circa 80 Prozent Kinder.“ Auch diese Kinder brauchen eine Betreuung, die gerade vonseiten der Verwaltung in Planung sei. „Wir treffen gerade Vorkehrungen, um im Tennisheim eine Kinderbetreuung für Vormittags einzurichten. Dabei sollen Ehrenamtliche sowie 450-Euro-Kräfte eingesetzt werden.“ Hofmann hätte, wie er sagt, gerne eine andere Variante bevorzugt. „Aber wir sind ausgebucht und können kein Personal abgeben.“

Pandemie kostete viele Überstunden

Einen Einblick, wie sich die Pandemie auf den Kita-Alltag auswirkte, gab Kulke. Die Pandemie habe viele Überstunden gekostet. Die Trennung der Gruppen sei personalaufwendig gewesen. „Es kamen viele Erzieher an ihre Grenzen, haben aber immer alles mitgemacht“, lobt Kulke ihre Mitarbeiter und berichtet, dass es sehr wenige Ausfälle oder eingeschränkte Betreuungszeiten gegeben habe. Vorteilhaft sei vor allem die 2019 eingeführte Kita-App gewesen. „Manche Regelungen wurden freitags entscheiden und mussten am Montag umgesetzt werden. So konnten wir auf kurzen Wegen die Eltern noch am Wochenende informieren.“ Dass Kulke zeitweise samstags und sonntags gearbeitet hat, um den Eltern eine gewisse Planungssicherheit zu geben, stößt bei Hofmann auf große Anerkennung und lobende Worte. „Es ist mir aber auch eine Herzensangelegenheit“, kommentiert Kulke, merkt aber an, dass die Meldungen an das Gesundheitsamt bei einem Coronafall fast die halbe Woche Arbeitszeit in Anspruch genommen habe, was „stellenweise arg frustrierend war.“

Bildung von Integrationsgruppen

Aktuell wurden die Gruppen reduziert. Im Wald von 25 auf 20 Kinder aufgrund der Aufsichtspflicht. Im Haupthaus werden zwei Integrationsgruppen gebildet, sodass nur 19 Kinder insgesamt betreut werden. Für die drei Integrationskinder sei man weiter auf der Suche nach entsprechend qualifiziertem Personal. „Wir können der Verpflichtung nachkommen, aber da verlangt man uns viel ab. In der Schule gibt es nur angelernte Personen und wir müssen uns an den Fachkraftschlüssel mit qualifizierten Fachkräften halten. Das ist was, dass man infrage stellen muss“, richtet Hofmann seine Kritik an das Land.

Wartezeiten für Kita- und Krippenplatz überschaubar

Auf einen Krippen- oder Kitaplatz müssten Eltern in der Regel aber nicht lange warten. „Die Anmeldung kommt meist zwei Tage nach Geburt. Ich versuche so schnell wie möglich eine verbindliche Zusage zu geben“, sagt Kulke. Mit rund 40 Kindern ist die Waldgruppen aktuell voll belegt. Wer auf der Vormerkliste steht, habe in den letzten zwei Jahren mit maximal ein bis zwei Monaten Verzögerung immer einen Platz in der Kita bekommen, berichtet Kulke auf Frage eines Ausschussmitgliedes.

Kühle Räume im Sommer nötig

Roland Reidel (CDU) wollte wissen, was in der Kita noch gemacht werden müsste. „Die Spielgeräte im Außenbereich, vor allem das Klettergerüst und die Spielburg müssten ausgetauscht werden. Die Böden sind uralt und im Sommer ist es in den Gruppenräumen wärmer als draußen“, weiß Kulke gleich ein paar „Baustellen“ aufzuzählen. Lediglich der Lichthof mit seinen ritterlichen Essenstafeln im Herzen des Gebäudes ist angenehm kühl. Ein Thema, dass sicherlich in den nächsten Jahren als Posten im Haushalt aufkommen wird, sagt Hofmann. Auch stehe eine Gebührenerhöhung an, die aber nicht so sehr ins Gewicht fallen sollte und noch vor der Haushaltsdebatte besprochen werde.

Kay Skujat, Gründer und Geschäftsführer der Schulkindbetreuung „Die gute Laune“ (Dritter von links), zeigt die Räumlichkeiten an der Ronneburgschule und steht den Ausschussmitgliedern Rede und Antwort.
Kay Skujat, Gründer und Geschäftsführer der Schulkindbetreuung „Die gute Laune“ (Dritter von links), zeigt die Räumlichkeiten an der Ronneburgschule und steht den Ausschussmitgliedern Rede und Antwort. © Patricia Reich

Schulbetreuung wünscht sich mehr Räume

Während bei den kleinen Rittern die Ausschussmitglieder intensiv informiert wurden und die Räumlichkeiten mit dem großzügigen und vielfältigen Außenbereich besichtigten, ging die Besichtigung der „DiGuLa“ in der Ronneburgschule um einiges zügiger. „Am ersten Schultag ist es immer sehr chaotisch“, merkt Kay Skujat, Gründer und Geschäftsführer der DiGuLa, an. Aufgrund der Umbaumaßnahmen sind die Hortkinder derzeit in zwei Containern untergebracht. Mittagessen gibt es in der Mehrzweckhalle. „Da müssen wir noch die Abläufe und Feinheiten optimieren. Wir improvisieren gerade“, sagt Skujat. Die von der „Betreuenden Schule“ übernommenen Mitarbeiterinnen seien noch immer da. „Eine neue Sozialpädagogin ist hinzugekommen und wir haben einen FSJ-ler. Das finden die Kinder toll, einen Mann vor Ort zu haben.“ Aktuell wird bis 16.30 Uhr die Betreuung angeboten, doch die Zahl derjenigen, die die Zeit voll ausschöpfen, seien überschaubar. Auch die Arbeitsgruppen sollen nun nach den ganzen Restriktionen wieder anlaufen. „Die Schach-AG wurde und wird fortgeführt, die Feuerwehr-AG ist im Gespräch und eine Back-AG soll anlaufen“, zählt Skujat ein paar Beispiele auf. Er freue sich schon, wenn in einem dreiviertel Jahr („hoffentlich“) die neue Küche mit der Mensa gebaut sei. „80 Kinder auf zwei Räumen ist kein Spaß“, fasst der die aktuelle Situation zusammen. Doch auch nach dem Umbau sei für die Betreuung neben der Mensa und den Klassenräumen nur ein weiterer Raum vorgesehen.

Das würde Skujat gerne ändern. „Wir bräuchten drei Räume wie eine Bibliothek, einen Spielraum und Rückzugsraum.“ Die Container dauerhaft nach dem Umbau zu nutzen, sei für ihn vorstellbar. Doch das muss auf einer anderen Ebenen diskutiert und entschieden werden. (Von Patricia Reich)

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