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Ein Saal voller Windkraftgegner: "Wir sitzen alle in einem Horst"

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Nelly ist das neue Symboltier des Hügellandes im Kampf gegen Windräder. Foto: Kleine-Rüschkamp 
Nelly ist das neue Symboltier des Hügellandes im Kampf gegen Windräder. Foto: Kleine-Rüschkamp 

Ronneburg. Das Ronneburger Hügelland macht mobil gegen die geplante Windkraftanlage der Stadt Büdingen im Bereich Eckartshausen und einen weiteren geplanten Rotor auf Ronneburger Gemarkung. Bei einer Protestveranstaltung der Bürgerinitiative „Rettet das Ronneburger Hügelland“ ist die Mehrzweckhalle praktisch voll besetzt.

Von Torsten Kleine-Rüschkamp

Recht illuster ist die Gästeschar. Da ist nicht nur das Uhu-Männchen mit dem weiblichen Namen Nelly auf der Bühne, sondern es sind auch gleich drei Landratskandidaten gekommen, obwohl das Thema eigentlich so gut wie nichts mit Kreispolitik zu tun hat. Während Nelly – präsentiert von Falknerin Dagmar Dohnalek – einmal mit einem gurgeligen Kehllaut das Auditorium entzückt – enthaltenen sich die Aspiranten für den Landratsamtposten Srita Heide (CDU), Alexander Noll (FDP) und Walter Wissenbach (AfD) jeglicher Positionsbekundung. Während der Uhu in der „Vogelhochzeit“ der Braut den Hochzeitsschuh bringt, vergeht dem Uhu im Hügelland der Gedanke an solche holden Taten.

Ronneburgs Bürgermeister Andreas Hofmann (SPD) ist an dem Abend nicht zu beneiden, ist der doch ganz einsam in der ersten Reihe. Ihm im Genick sitzen aufgebrachte Hügelländler. Während sich die Ronneburger CDU bereits deutlich als Windkraftgegner positioniert hatte – was CDU-Fraktionschef Jürgen Scharfenorth am Abend für alle jene wiederholte, die es noch nicht mitbekommen haben, hat es der Rathauschef mit seinem Schlingerkurs da schon schwierig. Ist er nun ein Windkraft-Gegner oder will er liebend gerne so einen 200 Meter hohen Spargel in den Wald am Hüttengesäßer Hochbehälter zimmern?

Notwehr-Manöver?

Dass die lautstarke Forderung „Bürgermeister in die Bütt!“ am Abend kommen muss, ist so zwangsläufig wie das Amen in der Kirche. Die despektierlichen Äußerungen sind nicht zu überhören, die aus den Tiefen des Saales in die erste Reihe vordringen. Niemand platzt ob Hofmanns' Rede. Es gelingt ihm erneut, seine Sympathien für die Windkraftgegner zu äußern. Schließlich habe die Gemeinde das Ansinnen der Bürgerinitiative unterstützt, ihr die Mehrzweckhalle kostenlos zur Verfügung gestellt. „Wir haben außerdem kostenlos Werbung für die Veranstaltung gemacht“, sagt Hofmann vom Podium aus.

Als der Rathauschef schließlich sein ganzes Manöver so als eine Art Notwehr darstellt, bekommt Ruth Marcus von der Bürgerinitiative einen „Hals“. Hofmanns Notwehr-Version – „Geldgieriges Büdingen peitscht sein Rotor-Projekt durch, und das arme Ronneburg setzt aus Trotz ein Rad dazu“ – kann Marcus so nicht unkommentiert stehen lassen. „Hier soll etwas geschickt durchgeprügelt werden“, vermutet sie. Der Sozialdemokrat hingegen vermeidet es, eine eindeutige Position zu beziehen.

Pläne für andere Windkraftanlage bereits vor Jahren gescheitert

Hofmann kommt ein Büdinger Stadtverordneter der Freien Wähler zur Hilfe. Tim Strehm berichtet von neuen Entwicklungen, wonach die vier Windräder auf Büdinger Gemarkung angeblich vorerst nicht genehmigungsfähig sind. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie soll angeblich die Maßstäbe für die Korrelation Funkfeuer/Windkraftanlagen neu überprüfen.

Vor einer Veröffentlichung der Ergebnisse sollen in Deutschland keine neuen Anlagen mehr in der Nähe von Flugsicherungsanlagen genehmigt werden. Ein bereits vor Jahren in Ronneburg geplante Windkraftanlage am fast identischen Standort ist damals schon gescheitert durch die Nähe zum Funkfeuer und durch das Vorhandensein des schützenwerten Rotmilans.

Negativen Einfluss auf Immobilienpreise gefürchtet

Am Abend gibt es eindrückliche Bilder zu sehen. Geplatzte Mopsfledermäuse und geschredderte Vögel aller Couleur, leidende Kreaturen, die mit gebrochenen Flügeln und großen, verängstigten Augen ihrem Ende entgegen harren. Die Initiative bietet prominente Referenten und geballten Fachverstand zum angeblichen Unsinn der Energiewende. Dr. Detlef Ahlborn vom Verein Vernunftkraft Deutschland präsentiert einen Vortrag, bei dem er bissig mit der Windkraftlobby und vor allem grünen Politikern abrechnet.

Nüchtern sind die Ausführungen von Rolf Zimmermann vom Verein Vernunftkraft. Er weist zum Beispiel auf Erhebungen hin, dass die Immobilienpreise in der Nähe von Windkraftanlage verfallen. Marcus gefällt der Abend, bringt er doch Gemeinsinn nach dem Motto „Wir sitzen alle in einem Horst“. Inzwischen eine der Kampf Altwiedermuser, Neuwiedermußer und Hüttengesäßer. Die alten Gräben seien zugeschüttet. Hofmann hat zuvor schon angedeutet, wohin die Reise gehen könne. Die Ronneburg habe nicht den kulturellen Rang, der ihr gebühre – weder als Denkmal noch Touristenmagnet. Die Windräder zerstörten den Schatz.

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