Egal ob mit Elchen, Wölfen oder anderen Tieren – Männer werden im Umgang mit Tieren oft weicher und zeigen sich von ihrer natürlichen Seite. Diese innigen und privaten Momente von lokalen wie überregionalen Protagonisten hat Dr. Ruth Marcus bereits in ihrem Bildband „Männer und ihre Tiere“ dokumentiert. Nun sind die Werke bald auch im Großformat zu sehen. Fotos: Pompalla

Ronneburg

Ronneburger Fotografin präsentiert Fotoausstellung in Koblenz

Ronneburg/Hanau. Männer, die mit Elefanten schmusen oder mit Wölfen leben – diese Momente hat die Fotografin Dr. Ruth Marcus aus Ronneburg mit aussdrucksstarken Schwarzweiß-Fotografien festgehalten. Ihr 2013 erschienener Bildband „Männer und ihre Tiere“ zeigt, wie liebevoll das „starke Geschlecht“ mit seinen Schützlingen umgeht.

Von Hannah Pompalla

„Das ist mein Lieblingsbild“, sagt die 59-Jährige bei einem Treffen in der Buchbinderei Zenger in Hanau und deutet auf eine Fotografie, auf der ein lachender, sitzender älterer Mann von einem dunklen, winzigen Kaninchen gebissen wird – zu sehen ist hier der Ronneburger Karlheinz Schmidt. „Der Hasenmann“, so der Titel des Bildes, zwingt den Betrachter nahezu zu seinem Lächeln.

Auch andere lokal und überregional bekannte Größen, wie den früheren Direktor des Frankfurter Zoos, Dr. Christian Schmidt, den Frankfurter Kulturdezernenten, Professor Hilmar Hoffmann, den Badesalz-Comedian Henni Nachtsheim und nicht zuletzt den Ronneburger Falkner Walter Reinhart hat Marcus in privaten, nahezu intimen Momenten mit ihren Tieren abgelichtet.

Gegenwart eines Tieres verändert die Männer„Wenn Männer ein Tier im Arm haben, sind sie auf einmal, wie sie sind, ganz natürlich, liebevoll und sanft. Da kommt fast schon wieder das unschuldige Kind heraus“, erklärt Marcus. „In Gegenwart ihrer Tiere sind sie auch oft viel entspannter, als wenn sie mit ihren Frauen zusammen sind“, so ihre Beobachtung.

Konkret hat sie dies bei ihren Arbeiten an ihrem ersten Bildband „Hundeaugenblicke“ im Jahr 2005 bemerkt: Die Frauen wurden während des Fototermins oft überhaupt nicht mehr von ihren Männern beachtet, die volle Aufmerksamkeit und Zuneigung galt ganz den Vierbeinern.

„Viele Männer sind mir aber auch einfach regelrecht zugelaufen“Die Kontakte zu den jeweiligen Protagonisten für den Bildband „Männer und ihre Tiere“ bekam Marcus entweder über Bekannte oder durch ihre eigene Initiative. „Viele Männer sind mir aber auch einfach regelrecht zugelaufen“, sagt sie. „Und in Koblenz wird auch ein neues Motiv zu sehen sein: Ein Freund von mir aus Calbach, Reiner Hornung, zieht gerade einen Waschbären auf. Ihn werde ich als Nachzügler fotografieren“, kündigt die gebürtige Hanauerin an. Überhaupt befinden sich unter den 75 Bildern, die auf 500 Quadratmetern in neun Räumen präsentiert werden, auch bisher unveröffentlichte Werke, die es aus Platzgründen nicht in den Fotoband geschafft haben.

Noch laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren. Mitte Februar werden die Bilder, die auf Alu-Dibond-Platten kaschiert oder auf Barytpapier gedruckt wurden, nach Koblenz gebracht. Dort erhalten die Drucke auch ihren Rahmen.

Thomas Metz trat mit Ausstellungsauftrag an Marcus heranDen Auftrag für die Ausstellung bekam Marcus vom Generaldirektor Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz, Thomas Metz, im November vergangenen Jahres. Hierfür stellte Metz der Künstlerin ein großzügiges Budget zur Verfügung – keine Selbstverständlichkeit. Doch Marcus ist keine Unbekannte: Bereits im Jahr 2006 präsentierte sie mit Doc Baumann in Koblenz die Schau „Doguments of Art and History“, ein Jahr darauf die Ausstellung „Hunde‧augenblicke“. Beides wurde später auch in der Expressions Gallery in Berkley (USA) präsentiert. Zudem hat Marcus eine Dauerausstellung in Athen.

Nach einem Studium der Medizin und anschließender Tätigkeit als Ärztin arbeitet Marcus nun seit über 20 Jahren hauptberuflich als freie Medizinjournalistin und Fotografin. Aufträge kommen von namhaften Unternehmen und Innenarchitekten. Gelegentlich arbeitet sie noch in der Emma Klinik in Seligenstadt, doch das Hauptaugenmerk liegt auf der Fotografie.

Digitalfotografie half MarcusSeit ihrer Kindheit sei sie von der Fotografie begeistert, aber zum Beruf wurde es erst im Jahr 2005, mit dem Einzug der Digitalfotografie. „Da kann man in kürzester Zeit viele Fehler machen und dadurch auch sehr schnell lernen“, lacht sie. Ihre ersten Werke stellte sie bei der Foto-Bild-Berlin-Messe vor – und konnte so die Fachwelt von sich überzeugen. Die damals 47-Jährige knüpfte Kontakte zu Verlagen, die bis heute bestehen. Ihre erste Ausstellung ermöglichte das Steinheimer Möbelhaus Meisner. Noch heute zieren ihre alten und neuen Werke das Geschäft. „Dafür bin ich noch immer sehr dankbar“, so Marcus.

Der erste Bildband „Hundeaugenblicke“ im Jahr 2007 ließ nicht lange auf sich warten. Vielen Hanauern in Erinnerung geblieben ist sicher auch ihre Ausstellung „Katzen“ in Schloss Philippsruhe im Jahr 2010, die auf eine große Resonanz gestoßen war. „Ich würde auch gerne wieder in Hanau ausstellen“, sagt sie. Überhaupt bilden Tierfotografien, mit und ohne Menschen, einen Schwerpunkt ihres künstlerischen Schaffens. „Menschen sind, wenn sie mit Tieren zusammen sind, viel entspannter. Sie sehen dann auch oft viel jünger aus“, weiß Marcus aus Erfahrung.

"Wichtig ist, dass man sich viel Zeit nimmt"„Bei den Fototerminen überlege ich mir zwar immer etwas im Voraus, aber dann mache ich es doch ganz anders“, sagt die Fotografin. „Wichtig ist, dass man sich viel Zeit nimmt. Wenn die Menschen unter Zeitdruck stehen, dann geht gar nichts“, betont sie. Diese Zeit findet ihren Ausdruck in der Qualität: Es entsteht eine gewisse Nähe, Intensität und Natürlichkeit, die eine besondere Wirkung entfalten.

„Mein Mann war Fotograf und hatte eine Werbeagentur, er hat mich also sehr geprägt und inspiriert.“ Ihr Mann verstarb vor 17 Jahren an einer schweren Krankheit.

Sie vermisst das Feedback ihres Mannes„Ich habe ihn sehr bewundert. Und ich wünschte mir natürlich, er könnte meine Bilder sehen. Sein ehrliches Feedback fehlt mir sehr“, sagt sie. Schließlich habe ihr Mann kein Blatt vor den Mund genommen.

Marcus arbeitet im Übrigen nicht nur an ihrem Kalender für 2019, sondern auch an ihrem nächsten Projekt, das den Titel „Unordnung“ trägt. Dabei freut sie sich über Teilnehmer, die bereit sind, ihren unaufgeräumten Schreibtisch zu zeigen oder auch ein besonders chaotisches Kinderzimmer (natürlich mit Einverständnis des Nachwuchses).

Einsendungen nimmt sie unter unordnung@ruth-marcus.de gerne entgegen.

Die Vernissage der Schau „Männer und ihre Tiere“ von Dr. Ruth Marcus findet am Samstag, 24. März, im Landesmuseum Koblenz um 18 Uhr statt. Der Eintritt ins Museum ist ab 17 Uhr kostenlos. Ab Sonntag, 25. März ist der Eintritt erst ab 18 Uhr frei. Bei der Ausstellungseröffnung halten Thomas Metz, Generaldirektor Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz, und Eckhard Fuhr, freier Autor und ehemaliger Journalist der FAZ, eine Rede. Die Schau ist bis 27. Mai zu sehen.

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