Die Dorfgemeinschaftshäuser „Alte Schule“ in Neuwiedermuß (Foto) und „Türmchen“ in Altwiedermus sollen für die Bevölkerung attraktiver werden. Die erste Baumaßnahme wird wohl in diesem Herbst umgesetzt, die zweite zum Jahreswechsel 2018/2019. Foto: Pompalla

Ronneburg

Ronneburg hat mit "Türmchen" und "Alte Schule" viel vor

Von modernen Haushaltsküchen bis zur Glasvitrine mit stilvoller LED-Beleuchtung: Die Dorfgemeinschaftshäuser „Türmchen“ in Altwiedermus und „Alte Schule“ in Neuwiedermuß sollen für die Bürgerschaft attraktiv gestaltet und auf den neuesten Stand gesetzt werden. Auch über kostenloses WLAN wird diskutiert.

Hartmut Kind, Architekt und Projektentwickler des Bad Nauheimer Büros „SP Plus“, stellte in einer Sitzung des Ausschusses für Dorfentwicklung/Bürgerbeteiligung seine Pläne vor, die auf den Vorschlägen und Wünschen der Mitglieder des Arbeitskreises Dorferneuerung basieren. Auch Bürgermeister Andreas Hofmann (SPD), der Gemeindevorstand und Mandatsträger der Gemeindevertreter waren gekommen, um sich über die neuen Details zu informieren.„Ich denke, wir haben eine gute Lösung gefunden, die auch von den Kosten her überschaubar bleibt“, verkündete Kind bei der Besichtigung der Dorfgemeinschaftshäuser, die in der „Alten Schule“ startete. So sei das Nötigste geplant, ohne dabei die Attraktivität zu vernachlässigen.

Neue Küchen und Toiletten„Vieles ist heute nicht mehr zeitgemäß“, erläuterte der Architekt. Dies betreffe vor allem die Küchen und die sanitären Anlagen. Schließlich sind die Toiletten in der „Alten Schule“ nicht einmal nach Geschlechtern getrennt, die elektrischen Leitungen stammen aus den 60er Jahren. Doch auch neue Gardinen sollen frischen Wind bringen.Aus dem jetzigen Toilettenraum soll ein behindertengerechtes Örtchen entstehen, das zugleich als Damen-WC fungieren soll. Das Herren-WC wird in der derzeitigen Küche platziert, die neue Küche wandert dann in den Vorraum. „Das wird eine ganz moderne, schöne Haushaltsküche“, schwärmte Kind. Die neuen Toiletten sind dann von der Flurseite zugänglich.Außerdem werden alle Fußböden erneuert. So wird überlegt, den Boden der neuen Küche mit Linoleum auszustatten. Damit alles eben-erdig bleibt, wird der Saal mitteils einer Holzkonstruktion angehoben. Geplant sind eine herunterfahrbare Leinwand und eine Schrankwand, in der etwa Stühle gestapelt werden können.Einbau-Leuchten sollen für eine angenehme Atmosphäre sorgen. „Das Gebäude wird einen ganz anderen Charme haben“, sagte Kind.

Hebebühne für beeinträchtigte Menschen

Gehbeeinträchtige Menschen sollen das Gebäude mittels einer Hebebühne betreten können. Diese soll beim Haupteingang an der linken Seite des Hauses installiert werden. Der Eingang wird dort gebaut, wo sich zurzeit ein Fenster befindet.„Diese Hebebühnen brauchen heuzutage relativ wenig Wartung. Sie sind auch mit 7000 bis 8000 Euro wesentlich günstiger geworden. Früher haben sie noch rund 15 000 Euro gekostet“, sagte Kind. Generell werde in den Dorfgemeinschaftshäusern alles nach „DIN-Norm“ für barrierefreies Bauen umgebaut, versicherte der Planer.„Wir machen hier übrigens nicht Tabula rasa, das würde den Rahmen sprengen“, erklärte er. So gebe es etwa für das Obergeschoss keine großen Pläne. Im Keller seien nur geringe Sanierungsmaßnahmen notwendig. Die dortige beliebte „Eisick-Bar“ solle bleiben. „Auch die Heizung ist noch einigermaßen in Schuss“, sagte Kind.

Danach begaben sich die Sitzungsteilnehmer zum „Türmchen“ nach Altwiedermus. Dort wurde Thomas Rau (CDU) in Abwesenheit einstimmig zum stellvertretenden Vorsitzenden gewählt. Somit folgt er Wilfried Grasmück, der im vergangenen Jahr in den Gemeindevorstand aufrückte. Der Planer berichtete, dass im „Türmchen“ der Zugang für gehbeeinträchtigte Menschen durch die Küche erfolgen wird, die durch den Abriss der Wand zum Abstellraum vergrößert werden soll. Aus dem Fenster wird dann eine Tür, damit die Besucher durch einen Lift nach oben gelangen. Eine Höhenanpassung sei im Saal jedoch nicht möglich. „Der Aufwand wäre hierfür zu groß“, sagte Kind. Zudem gelte es, Aspekte des Denkmalschutzes zu berücksichtigen. Auch eine Rampe wäre zu gefährlich. „Wenn da was passiert, ist die Gemeinde dran“, so der Architekt.

Glasvitrine mit LED-Beleuchtung

Menschen im Rollstuhl müssten daher das Geschehen von der vorhandenen Empore aus verfolgen, oder sie müssten von hilfsbereiten Mitbürgern hinuntergetragen werden.„Bis auf den Zugang durch die Küche wurden alle Ideen abgelehnt. Wenn wir vom Hof aus einen Lift gebaut hätten, gab es etwa die Befürchtung, Sitzflächen zu verlieren.“Des Weiteren wird aus der jetzigen Garderobe eine barrierefreie Toilette, die auch für Frauen gedacht ist. Das jetzige Damen-WC wird zur Garderobe umgestaltet und das Herren-WC auf den neuesten Stand der Technik gebracht. Im Keller stehen nur wenige Sanierungsarbeiten an. Dabei wird die dritte Toilette wieder zugänglich gemacht.

Im Saal selbst soll eine neue Beleuchtung für ein warmes Licht sorgen. Es gibt eine neue Bestuhlung und eine Glasvitrine mit LED-Beleuchtung. Eine fahrbare Theke – ohne Wasseranschluss – soll für einen gewissen „Bistro-Charakter“ sorgen. Die jetzige Miniküche wird entfernt. Die Pokale sollen – wie auch in der „Alten Schule“ – zu ihren Besitzern gebracht werden. Auch in diesem Dorfgemeinschaftshaus soll es eine Leinwand geben. Die Decke soll hell gestaltet werden. Der Fußbodenbelag bleibt erhalten. „Das wird hier alles sehr attraktiv“, freute sich Kind. Die Gemeinde überlegt auch, kostenloses WLAN in beiden Dorfgemeinschaftshäusern anzubieten.

"Nicht immer nur auf das Geld schielen"Zu den Kosten lieferte Kind jedoch noch keine genauen Anhaltspunkte. Die Gemeinde Ronneburg schätzt die Summe für das „Türmchen“ allerdings auf 160 000 Euro und rechnet mit einem Zuschuss von 87 000 Euro durch das hessische Dorfentwicklungsprogramm. Bei der „Alten Schule“ geht die Kommune von Gesamtkosten in Höhe von 182 000 Euro sowie einem Zuschuss von 100 000 Euro aus. Die Gemeinde muss nun ihren Förderantrag bis zum 30. März beim Amt für Umwelt, Naturschutz und ländlichen Raum einreichen.Welche Maßnahme dann im Herbst zuerst durchgeführt wird, ist noch offen. Das zweite Projekt wirddann zum Jahreswechsel 2018/2019 realisiert.Hofmann riet aber davon ab, „immer nur auf das Geld zu schielen“. „Wir wollen zeigen, dass wir die Menschen hier haben wollen. Der gesellschaftliche Zusammenhalt ist schließlich das, was uns ausmacht“, sagte der Rathauschef.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema