Der Siedlungsdruck und die starke Nachfrage nach Wohnraum ist auch in Ronneburg zu spüren. In Altwiedermus könnte alsbald und in fernerer Zukunft die großzügig grau schraffierten und rot umrandeten ‧Flächen mit Wohnungen bebaut werden. Bis das Gebiet, das einen Zuwachs von mehreren hundert Bürgern verspricht, bebaut werden kann, fehlen teils noch politische Beschlüsse als auch die Berücksichtigung in der Regionalplanung. Archivfoto: Axel Häsler

Ronneburg

Ronneburg setzt nach Stagnation auf das Wagnis Wachstum

Ronneburg. Regelmäßig erhält Andreas Hofmann (SPD) Post – dicke Briefe und Kuverts in vielen Formaten: Ronneburg möge doch bitte einen Beitrag leisten, um dem Wohnraummangel im Rhein-Main-Gebiet besser begegnen zu können, heißt es da.

Von Torsten Kleinerüschkamp

Natürlich sind die Bittschriften an Ronneburgs Bürgermeister meistens mit einem gewissen Eigeninteresse der Absender aus der Bau- und Immobilienbranche sowie aus einschlägigen Verbänden damit verbunden, Geschäfte machen zu wollen, was ja per se nicht verdammungswürdig und auch kein Teufelszeug ist.

Die Botschaft aber ist angekommen. Lange ist Ronneburg nicht maßgeblich gewachsen. Jetzt sind die politischen Gremien und die Verwaltung der Gemeinde an den Punkt gekommen, wieder zulegen zu wollen oder vielleicht gar zu müssen. Das soll aber unbedingt kontrolliert und gebremst geschehen.

So soll beispielsweise der Ortsteil Altwiedermus nicht auf einen Schlag doppelt so viele Einwohner bekommen wie jetzt aktuell. Angenehmer Nebeneffekt durch mehr Einwohner könnten ja höhere Einnahmen bei der wichtigen Einkommenssteuer sein. Die Fraktionen wollen aber vorsichtig sein und genau kalkulieren, dass sich die Baugebietsentwicklung auch lohnt.

Vorentwurf zum Bebauungsplan wurde verschoben

Bei einer Sitzung des Bau-, Umwelt- und Verkehrsausschusses der Gemeinde gibt es um eine Weichenstellung für das geplante Baugebiet „Am Reuterspfad“ in Altwiedermus. Gleichfalls wurden Wünsche für die Fortschreibung des Flächennutzungsplanes erörtert, die maßgeblich für die Zukunft der Gemeinde wichtig sind. Es gibt weitere Gebiete für eine Wohnbau-Entwicklung, so am ersten Kreisel in Hüttengesäß (in Richtung Hanau gesehen).

Der Bürgermeister hätte gerne für das geplante Baugebiet „Am Reuterspfad“ vom Ausschusses das Plazet gehabt, sofort den aktuellen Haushalt um 20 000 Euro erleichtern zu können, um einen Vorwurf für einen Bebauungsplan in Auftrag geben zu können.

Der Empfehlung für die überplanmäßige Ausgabe wäre ja auch das Plazet des Parlaments gefolgt wie das Amen in der Kirche. Ein Vorentwurf des Bebauungsplan ist erst einmal verschoben worden.

300 zusätzliche Einwohner geplant

Sowohl Thorsten Habermann als auch Jürgen Waitz (beide SPD) rieten dazu, erst einmal zu eruieren, welche Parameter die Gemeinde in dem Bebauungsplan festschreiben will. Waitz insbesondere forderte dringend eine finanzielle Prüfung, ob sich Entwicklung des Baugebietes und die Vermarktung der Grundstücke wirtschaftlich rechnet. „Wir wollen, aber nicht um jeden Preis“, sagte Volker Schäfer (SPD).

Hofmann und Bauamtsleiter Dieter Ertl stellten am Abend das Projekt für Altwiedermus vor. Zusätzlich zu zwei bereits in der Öffentlichkeit genannten und kleineren Flächen an der Häuserwaldstraße favorisiert die Verwaltung im Zuge der Überarbeitung des Flächennutzungsplanes das nördlich angrenzende und weitaus größere Terrain mit in die Planung einzubeziehen und einmal zu bebauen.

Hofmann sprach von einer langfristigen Perspektive und einer Aufgabe für Jahrzehnte. Gegenüber unserer Zeitung sprach er von schätzungsweise 300 zusätzlichen Einwohnern. Das gesamte Areal könne aber nicht kurzfristig entwickelt werden.

Diskussion über ein Interessenbekundungsverfahren

Die Verwaltung erhofft sich Synergieeffekte, für das Gesamtareal zu planen und um nicht anschließend wieder von vorne anzufangen.

Eine wichtige Rolle spielte eine 2017 von der Gemeinde in Auftrag gegebene Wirtschaftlichkeitsstudie für das Baugebiet Am Reuterspfad bei der Kommunalberatungsagentur Schüllermann und Partner (Dreieich). Damals ist ein Quadratmeterpreis für die Grundstücke von 230 Euro errechnet worden. Die Kosten für die Erschließung sollen bei 160 Euro je Quadratmeter liegen. Laut Bürgermeister hatte die Expertise eine standardmäßige und durchschnittliche Infrastruktur-Ausstattung zur Basis.

Laut Hofmann muss ferner darüber entschieden werden, ob es ein Interessenbekundungsverfahren geben soll beziehungsweise ein Projektierer vertraglich gebunden werden soll.

Fraktionen wollen mögliche Vorgaben eruieren

Bei einer abermaligen Ausschusssitzung will Hofmann eine überarbeitete Kalkulation der Expertise der kommunalen Beratungsgesellschaft vorlegen.

Der kritische Umgang mit etwaigen Erweiterungsflächen fußt auf nicht so guten Erfahrungen, die die Ronneburger mit der Bebauung der Gebiet Helgenhauses I bis IV gemacht haben. Laut Waitz ist die Gemeinde damals in Zugzwang gekommen, die Baulandpreise zu senken, weil die Nachfrage nach Baugrundstücken lau war.

Die Fraktionen wollen in den kommenden Wochen eruieren, ob Vorgaben gemacht und welche Standards im geplanten Bebauungsplan festgeschrieben werden sollen. Die Verwaltung will feststellen, was derzeit up to dateist bei gleichartigen Projekten in benachbarten Kommunen. Außerdem will Hofmann prüfen, ob die geplanten 30 Grundstücke von der derzeit ins Auge gefassten Größe von 400 bis 500 Quadratmetern nicht differenzierter zugeschnitten werden können.

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