Profi am Werk: Christian Frays an seinem Arbeitsplatz mit einem Bild von Fernando Alonso. Den früheren Formel-1-Weltmeister lichtete er in Le Mans ab. Foto: Anja Goldstein

Ronneburg

Als Rennsportfotograf ganz nah dran: Ronneburger Christian Frays

Ronneburg. Der Ronneburger Fotograf Christian Frays macht, was ihm gefällt: schnelle Autos in Aktion fotografieren.

Von Anja GoldsteinDer Motorsport ist dem 33-jährigen gebürtigen Gießener in die Wiege gelegt: Schon sein Vater war über 30 Jahre lang bei BMW-Motorsport beschäftigt gewesen. So stand Frays von klein auf am Rande der Rennstrecke und beobachtete, wie die Rennwagen hautnah an ihm vorbeizogen.

Kreativität liegt ihm ebenfalls im Blut: Frays erlernte den Beruf des Mediendesigners. Heute arbeitet er als Selbstständiger und ist Mitbegründer der Motorsport-Agentur Bildagentur „Swoosh“.

So gelingen gute Sportfotos

Frays und die beiden anderen Fotografen der Agentur möchten zusammen „die Szene aufmischen“: Während die üblichen Fotos aus dem Motorsport so gestochen scharf wie möglich sein sollen, um auch jeden Sponsornamen auf dem Wagen erkennen zu können, spielt er mit den Elementen der gezielten Bewegungsunschärfe.

Mit Belichtungszeiten von einer Zehntelsekunde und länger zieht er während der Aufnahme die Kamera den Bewegungen des Wagens mit; Hintergrund und Strecke werden verwischt, während das Auto im Idealfall scharf bleibt. „Mir ist es wichtig, die Geschwindigkeit darzustellen“, erklärt Frays. Weitere Bildelemente wie unscharfe Leitplanken oder Flaggen im Vordergrund seiner Bilder nutzt der Ronneburger ganz bewusst.

Unterstützung bei Fomel-1-Buch

Sein Vorbild ist Rainer W. Schlegelmilch, der unter den Autorennsport-Fotografen einer der größten der internationalen Szene ist. Schlegelmilch (Jahrgang 1941) wirkte mit seinen „Zoom Shots“ stilbildend. Schlegelmilch hatte über 50 Jahre lang die Formel 1 dokumentiert, bevor er sich zur Ruhe setzte. Frays hatte es „mit reiner Frechheit“ geschafft, in persönlichen Kontakt mit Schlegelmilch zu gelangen. Das Ergebnis ist: „Ich unterstütze Schlegelmilch bei der Produktion des Buches '50 Jahre Formel 1'.“

„Ich bin da einfach reinmarschiert und hab ihm meine Mappe in die Hand gedrückt.“ Schlegelmilch sei davon sehr beeindruckt gewesen. Das Ergebnis: „Ich werde nun in der Postproduktion des Buches eingesetzt.“

Mittlerweile bricht Frays selbst bis zu 15-mal im Jahr auf, um an Rennstrecken des Motorsports seiner Passion nachzugehen und im Anschluss die produzierten Bilder zu vertreiben. Bis zu zehn Stunden Fahrt für die einfache Strecke nehme er dabei schon in Kauf. Seine Fototouren haben ihn schon bis nach Frankreich geführt. „Bei 24-Stunden-Rennen bin ich auch schon mal 38 Stunden am Stück wach“, verrät der Fotograf, der sich sein Können autodidaktisch beigebracht hat.

Akkreditierung manchmal verweigert

Unterwegs ist er dabei mit zwei Spiegelreflexkameras mit erstaunlich kurzen Brennweiten: Oft stehe er so nah dran an der Strecke, dass Weitwinkelobjektive ausreichten. Er „liebe das Gefühl, wenn direkt vor ihm ein Auto mit 250 Sachen an ihm vorbeidonnere und er den Luftzug spüre.“ Dabei ist er manchmal nur durch die Leitplanke vom Geschehen getrennt. Objektive mit einer Brennweite von mehr als 400 Millimetern besitze er gar nicht.

Die Plätze zum Fotografieren sind oft akribisch ausgesucht. Frays wählt bereits vor dem Rennen seine Standpunkte aus. Er verharrt dann dort, wo voraussichtlich die Autos am besten in Szene zu setzen sind. Manchmal habe er nur eine einzige Chance, etwa beim Start. Die Aufnahmetechnik des Mitziehens hat Frays bei etlichen Aufträgen perfektionieren können, sagte er. Zu seinen Kunden gehörten unter anderem BMW und VW-Motorsport.

Die technischen Herausforderungen sind laut Frays allerdings weniger das Problem, sondern die Bürokratie direkt vor Ort an den Rennschauplätzen. Als selbstständiger Fotograf, der nur im Internet publiziere, bekäme er oft einfach keine Fotografier-Erlaubnis vom Veranstalter. Allerdings hofft der junge Fotograf, dass er mit wachsender Bekanntheit auch öfter einen „Freischein“ von Motorsportteams zum Fotografieren bekommt.

www.swoosh-communications.com/

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