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Die große angehängte Baumrolle ist für Remus kein Problem: Thomas Reinstätt ist zu recht stolz auf sein „Rückepferd“, das im Ronneburger Wald aufräumt.

Zum Transport von Bäumen

Wallach Remus wird als „Rückepferd“  in unwegsamem Waldgelände eingesetzt

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Noriker sind Pferde, die als Kaltblüter recht stämmig daher kommen und fast immer für den Arbeitseinsatz vorgesehen sind. Ein Pferd dieser Rasse, das auch mal richtig „anpacken“ kann, hört auf den Namen Remus und ist in Neuwiedermus im Stall von Thomas Reinstätt zu Hause.

Was sind eigentlich Noriker? Wer als Otto Normalverbraucher diese Frage gestellt bekommt, der schaut meist recht verwundert drein und meint, es handele sich vielleicht um alte Germanen oder aber Sammler irgendwelcher abstrusen Sachen. 

Der jetzt elfjährige Wallach Remus, der einer großen Kaltblüter-Dynastie entstammt, kam vor fünf Jahren aus dem Bayerischen Wald an den Fuß der Ronneburg und heißt – fast standesgemäß – mit richtigem Namen „Barium-Nero der 15te“, wird aber von allen einfach nur Remus gerufen.

"Ohne Remus läuft hier nichts", so Thomas Reinstätt

„Das sind fast 800 Kilo Lebendgewicht, die der Remus auf die Waage bringt“, sagt Thomas Reinstätt. Die darin enthaltene große Masse an Muskeln ist denn auch erforderlich, um etwa im unwegsamen Wald als „Rückepferd“ zu arbeiten – wie vor einigen Tagen nahe der Landesstraße 3189 von Altwiedermus nach Eckartshausen. Hier waren aus Sicherheitsgründen mehrere hohe Bäumen gefällt worden, die anschließend aus dem Wald gezogen werden mussten.

„Ohne den Remus läuft hier fast gar nichts“, meint Reinstätt. „Das Gelände ist tiefgründig und recht unwegsam und mit dem Schlepper kommen wir nicht weit, also hilft uns nur das Pferd weiter.“ Für Remus stellt diese Arbeit kein großes Problem dar; auf das leise Kommando „Vista“ wendet sich das Pferd nach links und zieht die angehängte, gut zwei Meter lange dicke Stammrolle in Richtung Lagerplatz.

„Vista“ ist ein Ausdruck, der im Bayerischen Wald gebraucht wird, um das Pferd nach links zu dirigieren, erklärt Reinstätt das Kommando. Im hiesigen Raum werden normalerweise die Befehle „Ha“ und „Hott“ für links und rechts verwendet, aber Remus kennt das „Vista“-Kommando von klein auf und dabei soll es auch bleiben, meint Reinstätt. 

Liebes Wesen, ruhiges Gemüt und trotzdem stark und fähig

Dass der große Kaltblüter auch bei der Arbeit die Ruhe weg hat, zeigt sich demonstrativ, als am nächsten Buchenstamm noch etwas mit der Motorsäge vorgearbeitet werden muss. Als Max, der 21-jährige Sohn von Thomas Reinstätt, in der Nähe von Remus die Säge anwirft, reagiert dieser fast gar nicht auf das plötzliche Knattergeräusch. 

„Er hat halt ein tolles Gemüt und das ist auch wichtig, denn er hat ja viel Kontakt zur ganzen Familie“, freut sich Reinstätts Tochter Emma. Die 19-Jährige erzählt, dass sie anfangs von dem großen Tier schon ziemlich beeindruckt war. Doch das liebe, ruhige Wesen des Wallachs überzeugte sie schon nach kurzer Zeit voll und ganz. Die Nervenstärke ist auch von Nöten, etwa wenn Remus einen großen Stamm vom Wald über die von Autos befahrenen Straßen bis zu seinem Zuhause ziehen muss.

Dass der Wallach richtig große Lasten ziehen kann, hat er schon 2014 bewiesen, als er beim Zugleistungswettbewerb in Bad Kötzting den ersten Platz errang. Aber nicht nur große Zugkraft ist bei der Arbeit im Gelände notwendig, sondern auch ein fester und sicherer Stand. „Den holen sich die Noriker-Pferde schon in früher Jugend“, sagt Reinstätt. „Die Rösser werden dann nach Österreich gebracht, wo sie sich für eine Saison die Hochalm mit den Rindern teilen und dabei auch die erforderliche Trittsicherheit holen.“

Auch reiten kann man den motivierten Noriker Remus

Als Remus mit den Hufen scharrt, merkt man, dass er endlich weiterarbeiten will. Das ist in der kalten Jahreszeit, in der viel Waldarbeit anfällt, nicht das Problem. Doch wie sieht es im Sommer aus, wenn der Wallach auf der Weide steht? „Unser Remus bekommt auch dann etwas zu tun“, meint Reinstätt lachend und erzählt, dass er aus einem alten großen Traktor-Reifen eine Art Schlitten gebaut hat, den der Wallach – samt ein bis zwei „Passagieren“ – mit Vergnügen durch die Feldgemarkung zieht. 

Sogar reiten kann man das Kaltblut, wie Reinstätt kurzerhand im Wald recht eindrucksvoll demonstriert. „So ein Pferd ist eigentlich ein Allrounder und muss immer irgendwas zu tun bekommen, sonst fühlt es sich nicht wohl“, meint der Besitzer von Remus. Diese Aussage würde besonders für die Noriker-Rasse gelten. Der große Wallach sieht das wohl genauso. Just als ihm Emma als Leckerli eine Mohrrübe zusteckt, beginnt Remus mit dem Vorderhuf zu scharren, als wollte er sagen: „So, Leute, der Tag ist kurz. Wann geht es denn nun weiter?“

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