Alles begann in der Bastlerzentrale: Helmut Zimmermann, hier mit mit seiner Gattin, war ein Gründungsmitglied des Modellbauclubs. Das Fluggelände des Clubs war vor sechzig Jahren am Hanauer Hafen - heute fliegen die Modellflugzeuge in Hüttengesäß mit Geschwindigkeiten bis zu 200 Stundenkilometern. Archivfotos: PM

Ronneburg

Modellbauclub Hanau-Ronneburg feiert Geburtstag

Ronneburg. Brexit hin, Brexit her. Wem der menschliche Austausch und Freundschaften wichtig sind, dem sind politische Animositäten oftmals schnuppe.

Von Torsten Kleinerüschkamp

Sicherlich wird die wirtschaftliche Abgrenzung ein Thema sein, aber vielmehr werden Propeller, Motoren und Funksteuerungen Thema sein, wenn in der vorletzten Augustwoche Engländer aus Dartford nach Ronneburg kommen. Es sind Modellflugbegeisterte des Kent Nomads Model Club, die im Hügelland begrüßt werden.

Die Dartforder und hiesigen Modellbaufans wollen ihre nunmehr 39-jährige Freundschaftschaft erneuern. Der Modellbauclub Hanau-Ronneburg feiert indes bei dieser Gelegenheit seinen 65. Geburtstag. Auf der Vereinsanlage in Hüttengesäß, die auf dem Areal des ehemaligen Grasbahn-Rennkurses zu finden ist, wird am Samstag, 24. August, nachmittags auch mit Offiziellen gefeiert. Nähere Informationen will der Verein noch bekannt geben. Die Engländer sind von Donnerstag, 22. August, bis Sonntag, 25. August, zu Gast.

"Es war keine leichte Zeit, Geld, Material und Zeit waren knapp"

Weil sich vieles in der Welt ein bisschen komplizierter anhört als es ist, steckt hinter dem Namen Modellbauclub Hanau-Ronneburg eine ganz einfache Erklärung. „Wir sind eigentlich ein Hanauer Verein, der aber sein Fluggelände in Ronneburg hat“, sagt Siegfried Eisenhardt vom Modellbauclub Hanau-Ronneburg. Die Kombination von Hanau und Ronneburg hat geschichtliche Gründe.

Die Geburtsstunde des Vereins schlägt 1954. Viele Menschen werden sich noch an das Bastelgeschäft am Ballplatz erinnern, weil man ‧damals mit solchen Geschäften allein auf weiter Flur war. Helmut Zimmermann, Inhaber der „Bastlerzentrale“, gründet mit Mitstreitern den Modellbauclub Hanau. Natürlich fungiert er auch als Vorsitzender.

„Es war keine leichte Zeit, Geld, Material und Zeit waren knapp“, erinnert sich Eisenhardt. Dem jungen Verein gelingt es, ein Fluggelände am Hanauer Hafen zu pachten und einzurichten. Dort errichten die Modellbauer auch eine Hütte, um etwas gegen Wetterunbilden zu haben.

Mit dem Wirtschaftsaufschwung verliert der Verein sein Fluggelände

Die Aufbruchstimmung der Wirtschaftswunderjahre kommt den Vereinsaktivitäten zugute. Wettbewerbe mit dem „Kleinen Uhu“, einem Anfängerbausatz für ein Modellsegelflugzeug, den es heute auch noch gibt, zieht reichlich Nachwuchs an. Die Mitgliederzahlen steigen.

Weil das Gelände am Hafen für die Unternehmen Cabot und Schwab benötigt werden, verliert der Verein sein Hanauer Fluggelände. „Wir fanden im Stadtgebiet kein Fluggelände mehr“, sagt Eisenhardt. Auch die Freunde der Modellschiff-Sparte saßen plötzlich auf dem Trockenen.

Schließlich kommt der Modellbauclub beim Motorsportclub Hüttengesäß als Unterpächter unter. Ende der 60er-Jahre ist der Umzug auf das neue Fluggelände. Die Schutzhütte wird umgesetzt. Und in Hüttengesäß wird erstmals der Windsack gehisst. Er macht erst ein Fluggelände zu einem richtigen Fluggelände.

Vereinspartnerschaft mit Dratford hat einen hohen Stellenwert

Die Schiffsmodellsportler finden allerdings erst Mitte der 1970er Jahre am alten Mainarm in Hanau-Steinheim ein entsprechendes Gelände zum Trainieren. Einer Vereinswerkstatt in der Hanauer Herrnstraße ist keine Dauerhaftigkeit beschieden, weil für den Verein die Mietkosten zu hoch sind. Der Modellbauclub hat seine 1981 eingerichtete Werkstatträume „Dartford-Stube“ genannt, um die befreundeten Engländer zu ehren.

1980 kommt der Kontakt zum Modellbauclub North Kent Nomads Model Club in Hanaus Partnerstadt zustande. Dem hiesigen Besuch folgt der Gegenbesuch. „Man war sich auf Anhieb sympathisch“, heißt es in den Annalen. Die Modellbauer werden sogar persönlich von Albert May, dem Dartforder Bürgermeister, empfangen. „Uns ist die Partnerschaft mit Dartford sehr wichtig“, sagt Eisenhardt.

Im Jahr 2010 benennt sich der Verein schließlich in Modellbauclub Hanau-Ronneburg um. Dahinter steht auch die Dankbarkeit „der fortwährenden Unterstützung durch die Gemeinde Ronneburg“, so der Vereinssprecher.

Bauvorhaben könnten Gelände des Modellbauclubs gefährden

In Ronneburg gibt es auf lange Sicht auch Unsicherheiten, darunter die Absichtsbekundung der Gemeinde, auf dem Areal der Motorsportclubs, dort wo der Modellbauclub Untermieter ist, ein kleines Gewerbegebiet zu entwickeln. Allerdings ist so ein Wunsch planungsrechtlich dem Bereich der Raumordnung bisher unbekannt. Die Gemeinde Ronneburg ist von der Raumordnung als Wohnsitzgemeinde vom Status her festgesetzt. „Deshalb sehen wir allen Plänen relativ gelassen entgegen“, so der Vereinssprecher.

Ferner muss der Modellbauverein durch den Straßenausbau der Landesstraße von Ronneburg-Hüttengesäß zum Autobahnanschluss Langenselbold-West Gelände der Parkplatzfläche abgeben. Der Beginn des lange geplanten Straßenausbaus liegt durch Klagen ersteinmal auf unbestimmte Zeit auf Eis.

Der Motorsportclub Ronneburg hat von der Gemeinde Ronneburg das Gelände langfristig gepachtet, während der Modellbauclub Hanau-Ronneburg Untermieter des Motorsportclubs ist. Das ehemalige Renngelände wird aber nicht mehr vom nicht mehr aktiven Motorsportclub bewirtschaftet, sondern von einem Landwirt aus Ronneburg.

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