Ein absoluter Spezialist in den Reihen des Modellbauclubs: Ulrich Röhr (rechts) hat ein eigenes Stabilisierungssystem für Hubschrauber entwickelt. Foto: Ingbert Zacharias

Ronneburg

Modell-Airshow mit britischer Unterstützung

Ronneburg. Hubschrauber, Motorflugzeug und Segler nah beieinander in der Luft – so etwas sieht man selten! Wer am vergangenen Wochenende beim Modellbauclub Hanau-Ronneburg zu Besuch war, konnte dieses Spektakel – neben vielen anderen Vorführungen – aus der Nähe beobachten und genießen.

Von Ingbert Zacharias

Der Verein feierte sein 65-jähriges Bestehen und hatte dazu auch vier englische Fliegerfreunde aus der Hanauer Partnerstadt Dartford unter den Gästen.

In seiner Ansprache während der Feierstunde auf dem Vereinsgelände am Ortsrand von Hüttengesäß wies der Vorsitzende Dietmar Morbitzer erfreut darauf hin, dass die intensiv gepflegte Freundschaft mit dem North Kent Nomads Model Club bereits seit 1980 besteht. Schon zehn Jahre vor dem ersten Treffen mit den Briten hatten die Bastler und Konstrukteure ihren Vereinssitz vom Hanauer Hafengebiet ins Ronneburger Hügelland verlegt und waren in Hüttengesäß auf dem Gelände der ehemaligen Motorsport-Rennbahn heimisch geworden.

„Das war für uns ein großes Glück“, meinte Morbitzer erfreut, denn überall könne man so einen Modellflugplatz nicht anlegen und betreiben. Die ins Auge gefasste Fliegerei bedürfe nämlich einer sogenannten Aufstiegsgenehmigung durch die Behörden, was aber seinerzeit kein Problem dargestellt habe. Zudem sei die Zusammenarbeit mit der Gemeinde und den Anliegern eine runde Sache.

Voll des Lobes über den Modellbauclub und seine Aktivitäten zeigte sich Reiner Schmidt, der als Mitglied der Gemeindevertretung bei der Feier anwesend war. Von Anfang an bis heute sei der Verein eine Bereicherung für Ronneburg gewesen. Die Modellflieger würden ihn persönlich schon gelegentlich etwas Zeit kosten, meinte der ortsansässige Landwirt mit einem Lachen. „Ich halte bei der Feldarbeit immer für einen Moment meinen Traktor an und schaue den durch die Luft sausenden Maschinen zu.“ Einer seiner Söhne betreibt ebenfalls indirekten Modellsport, allerdings in recht niedriger Höhe. Vor der Ernte spürt der junge Mann mit seiner Drohne kleine Rehkitze auf, die sich im Korn versteckt haben.

Derzeit hat der Modellbauclub 64 Mitglieder, die fast alle aktiv sind. Dies gilt zumindest für die Modellfliegerei. Die Abteilung Schiffsmodellbau sei leider etwas arg zusammengeschrumpft, so der Vorsitzende mit einigem Bedauern. Doch auch hier ist immer noch Aktivität vorhanden. Die Schiffsbauer lassen ihre Konstruktionen auf dem Steinheimer Alt-arm des Mains vom Stapel laufen. „Da waren schon recht große Teile darunter. Einer unserer Kapitäne musste am Ende der Bauzeit das fertige Schiff in der Mitte teilen, da er es sonst nicht aus seiner Kellerwerkstatt ins Freie bekommen hätte“, erinnerte sich ein älteres Mitglied amüsiert.

Dass die handwerkliche Seite immer großgeschrieben wird, zeigte sich an den beiden recht einfachen Nurflügel-Modellen, die von zwei Sportfreunden parallel in die Luft gebracht wurden und aus einem Mitglieder-Workshop stammen. „Wir hatten uns damals die Aufgabe gestellt, dass jeder an einem Tag ein Modell baut, das am gleichen Tag fliegt und mit allem Drum und Dran nur 70 Euro kostet“, erinnert sich Siegfried Eisenhardt, langjähriges Mitglied und früher auch im Vorstand tätig.

„Wir haben gemeinsam um 10 Uhr mit der Arbeit begonnen und um 14.30 Uhr stieg das erste unserer Nurflügel-Modelle, ausgestattet mit Motor, Akku und Steuerung, in die Luft.“ Eisenhardt ist einer aus der „Rentner-Truppe“, die sich – zusammen mit Sportfreunden aus Hammersbach – immer an einem Werktag auf dem Vereinsgelände treffen, bis in den Winter hinein. Es sei dann auf dem Platz schon etwas ruhiger als am Wochenende, obgleich sich gelegentlich auch schon mal ein „Noch-Nicht-Rentner“ dort blicken lässt – eben weil es so schön ruhig ist.

Einer von denen, die sich über viele Jahre hinweg zu einem absoluten Spezialisten entwickelt haben, ist Ulrich Röhr. Der begeisterte Heli-Flieger hat selbst ein Stabilisierungssystem für Hubschrauber entwickelt, das in der Modellfliegerei weltweit führend ist, so wie es Röhr bei der Vorführung eines seiner Modelle demonstrierte. Aber auch sonst gibt es viele erfolgreiche Mitglieder, die insbesondere auf der sportlichen Seite bislang zu Ruhm und Ehre gekommen sind. So auch der Vorsitzende selbst; Morbitzer betreibt mit Bravour die Fesselflug-Variante der Modellfliegerei und ist darin auch Mitglied der deutschen Nationalmannschaft.

Doch trotz der vielen Flugzeug- und Heli-Modelle, die ständig präsentiert wurden, hörte man am Jubiläumstag recht wenig Geknatter am Himmel. „In der Modellfliegerei geht der Weg weg vom Verbrenner und hin zum Elektromotor“, erklärte Siegfried Eisenhardt das leise Summen der Antriebsaggregate. Auch hier hätte es, parallel zu den Materialien für den Modellbau, eine enorme Entwicklung gegeben.

„Kraftvoll, klein und leise – das ist der Anspruch, den wir heute an einen Motor stellen.“ So sahen es am Samstag wohl auch die drei großen Bussarde, die hoch oben am Himmel in der starken Thermik ihre Kreise drehten. In ihrer Mitte war ein kleiner Modell-Segler zu erkennen, der wohl von den Vögeln als einer der ihren betrachtet wurde; offensichtlich hatten sie bislang nur positive Erfahrungen mit leise surrenden Fluggeräten gemacht.

Ebenfalls sehr positiv sahen die vier englischen Modellfreunde ihren Besuch beim MBC Hanau-Ronneburg. Das Herren-Quartett aus Dartford, das in seinem Auto sieben zerlegte Modell-Flugzeuge mitgebracht hatte, freute sich bei der Abreise am Sonntag schon auf das gemeinsame Treffen im nächsten Jahr, das turnusgemäß auf ihrem eigenen Fluggelände am Ufer der Themse stattfinden wird.

Das könnte Sie auch interessieren