Lost Places: Bizarre Bauten und Formen als Fotomotive sind in der Urban Explorer-Szene besonders begehrt. Foto: Privat

Ronneburg

Lost Places: Selbolder Fotografin Liliac stellt in Ronneburg aus

Ronneburg/Langenselbold. Fotografie auf verbotenem Terrain: Das ist die Mission von „Lost Places“. Hinter diesem Begriff verbirgt sich eine spezielle Sparte der Motivsuche. Die Langenselbolder Fotografin Liliac wird am kommenden Samstag hierzu ihre Arbeiten im Clubheim des Schützenvereins 1965 Altwiedermus zeigen.

Von Reinhard Breyer

Sie erkunden abgelegene Stätten, kriechen durch enge Gänge, Versorgungsschächte oder Tunnel, klettern durch kaputte Fenster und Türen, um in verlassene Bunker, leerstehende Villen, Kliniken, Schlösser, Kirchen und weitere ungenutzte Einrichtungen zu gelangen – und in ganz Europa. Die Akteure nennen sich Urban Explorer (kurz Urbexer).

Liliac aus Langenselbold ist eine von ihnen. Sie ist fasziniert von dem Metier, von verlassenen Landschaften, verfallenen Gebäuden. Ihren bürgerlichen Namen gibt sie wie alle anderen der Szene nicht preis. Deshalb der Künstlername.

Liebe zur Fotografie kam 2015Die Liebe zu dieser Fotosparte kam auf Umwegen. Ursprünglich war die Fotografie selbst mit dem Smartphone für sie reizlos, wie die Langenselbolderin sagt. Erst 2015 auf einer Reise nach Transsilvanien wurde die Fotografie für sie interessant. Dort stand sie als Reisende zum ersten Mal in einem regelrechten Geisterdorf.

Den Ort entdecken, die alten Häuser erkunden macht ihr Spaß. „Könnten die alten Gemäuer sprechen, was würden sie erzählen?“ Sie ist fasziniert vom Verfall und der Stille. Die Eindrücke, die Stimmung des Ortes mit der Handykamera für die Lieben zuhause festhalten. Ein paar nette Urlaubsfotos machen und ein bisschen erzählen können, das ist der Plan.

Begeisterung zu Hause spornte anZuhause reagierten Freunde und Familie völlig anders als gedacht. „Wow, wie schön sich die Natur das Dorf zurück erobert!“ „Was Du Dich traust in solche kaputten Hütten zu gehen, der Wahnsinn.“ „Cool, das sieht so geheimnisvoll aus, das musst Du ausstellen!“ Damit war der Grundstein gelegt. Plötzlich will Liliac mehr sehen. Und besucht erneut Rumänien. Als sie die ersten Fotos in sozialen Netzwerken veröffentlichte, entstand der Kontakt mit anderen Urbexern.

Schnell stellte sie dabei fest, dass auch in Deutschland, Belgien, Tschechien und Großbritannien viele verlassene Orte und Gebäude zu finden sind, die sie ablichtete. Über 12 000 Fotos auf 30 000 Kilometer Strecke sind es bisher.

Smartphone reichte nicht„Am Anfang bin ich nur mit dem Handy losgezogen.“ Inzwischen sind weitere Begleiter hinzugekommen: Spiegelreflexkamera, Taschenlampe, Handschuhe, Ersatzkleidung, Maske und Wasser. Denn im Laufe der Zeit zeigte sich, dass ein Smartphone nicht alles einfangen kann und dass Licht in unterirdischen Bunkern mitgebracht werden muss.

Bei ihren Exkursionen machte Liliac auch Bekanntschaft mit zerbrochenen Fenstern und Dornenhecken. Höchste Vorsicht ist also immer geboten. Hier muss man sich schon richtig wappnen und entsprechend ausrüsten.Und auch das gehört zu ihrer Erfahrung: dass der Geruch von Schimmel in mancher Ruine auch durch eine Maske manchmal nur schwer auszuhalten ist. Bis zu 1200 Kilometer am Tag fährt die Fotografin für ihre Motive und das meist allein.

Es gibt feste, wenn auch ungeschriebene RegelnDabei gibt es auf den Touren ein ungeschriebenes Gesetz: Hinterlasse nichts außer Fußabdrücke, nimm nichts mit außer Fotos und achte auf deine Sicherheit. Zerstörung und Diebstahl sind in der Urbexer-Szene allgemein tabu. Was zu ist bleibt zu, Fenster einschlagen oder Türen eintreten ist verpönt, so der Verhaltenskodex. Etwas mitnehmen erst recht. Alles bleibt, wie es vorgefunden wird.

Denn das das reine Betreten der „verlorenen Orte“ ist nicht legal. Streng genommen handelt es sich um Hausfriedensbruch. Die Polizei ermittelt aber nur, wenn vom Eigentümer Anzeige erstattet wird. Gefährliche Situationen gibt es naturgemäß immer. Liliac: „Einmal bin ich auf der Suche nach einem Gebäude in ein Moor geraten. Und ein anderes Mal durch eine morsche Zwischendecke gestürzt. Zum Glück weiß immer jemand wo ich bin, Rückmeldezeiten sind klar vereinbart.“

Die Ausstellungseröffnung findet am Samstag, 3. März, um 13.30 Uhr im Vereinsheim des Schützenvereins 1965 Altwiedermus, Lehnwiesen, statt. Der Eintritt ist kostenfrei.

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