Diese Exemplare sind hervorragend für den Kochtopf geeignet. Foto: Ingbert Zacharias

Ronneburg

Lehrreiche Pilzexkursion mit Andrea Eschenbrenner

Ronneburg. „Ein Männlein steht im Walde, ganz still und stumm“ – fast jeder kennt dieses alte Kinderlied. Doch wer den darin benannten Fliegenpilz mit seinem „purpurroten Mäntelein“ in den Sammelkorb legt, wird beim späteren Verzehr ernste Probleme bekommen. 

Von Ingbert ZachariasDie Teilnehmer einer von Andrea Eschenbrenner geleiteten Pilz-Exkursion fanden allerdings keinen dieser weithin bekannten Giftpilze. Fast zwei Dutzend interessierte Naturfreunde, darunter viele Kinder, führte die geprüfte Pilzsachverständige durch den Eckartshäuser Wald und brachte dabei viel Fachwissen an den Mann oder die Frau, die zunächst den Waldboden durchstöbern und anschließend ihre Fundstücke zur Begutachtung präsentieren konnten. 

„Der eigentliche Körper der Pilze sitzt unter der Oberfläche, die oben herauswachsenden Teile sind sozusagen nur die Früchte“, erklärte die Expertin und verglich dabei die sichtbaren Pilze etwa mit Äpfeln, die an großen Baumstämmen reifen. 

Dass es sowohl kleine Exemplare wie die Dachpilze als auch auffallend große wie den Parasolpilz gibt, konnten die Teilnehmer der Wanderung ausgiebig bewundern. Allerdings kam in Bezug auf die Größe der gefundenen Pilze ein wichtiger Hinweis von Andrea Eschenbrenner. 

Immer die größeren Exemplare mitnehmen

„Um Verwechslungen auszuschließen, sollten Laien immer die größeren Exemplare einer gefundenen Gattung mitnehmen“, mahnte die 45-Jährige alle Teilnehmer. „Nur ab einer gewissen Größe kann man einwandfrei erkennen, was man da vor sich hat.“ Wer nach einer Pilzsuche nicht sicher ist, nur genießbare Fundstücke mit nach Hause gebracht zu haben, kann sich jederzeit an Andrea Eschenbrenner wenden und ihr den Inhalt des hoffentlich gefüllten Sammelkorbes zeigen. Apropos gefüllter Sammelkorb: Pilze sollte man immer in einem offenen Tragebehältnis aus Korb oder dicker Pappe transportieren; in einer Plastiktüte oder ähnlichem würden die Pilze schnell beschädigt oder weich werden, so die 45-Jährige. 

Außerdem sollte man beim Pilzesuchen auch etwas auf die Nachhaltigkeit achten und nur so viele davon mitnehmen, dass auch der Artenbestand erhalten bleibt. „In Deutschland gilt für das Pilzsuchen ein Höchstgewicht von einem Kilo pro Tag“, erklärte die Expertin den erstaunten Teilnehmern der Wanderung. „Im Alpenraum und im Bayerischen Wald wird man gelegentlich kontrolliert.“ 

Tipps zur Zubereitung

Leider hatte es im Vorfeld der Suche nur gelegentlich etwas geregnet, sodass sich die Pilze noch recht spärlich zeigten. Feuchtigkeit sei von großer Wichtigkeit für das Pilzwachstum; das habe sich vor allem im letzten Jahr gezeigt. Während im hiesigen Raum wegen der lang andauernden Trockenheit nur wenig zum Vorschein gekommen sei, hätten etwa die Sammler im Allgäu deutlich mehr Glück gehabt. 

Zur Frage der Zubereitung von essbaren Pilzen gab die Hausfrau aus Ronneburg allen Anwesenden einen guten Rat: „Pilze niemals roh essen, sondern immer mindestens zehn bis 15 Minuten erhitzen.“ Für den Kochtopf oder die Pfanne gab es auch diesmal hervorragende Fundstücke wie etwa den Parasolpilz, von dem mehrere Exemplare in verschiedenen Wachstumsphasen zur Begutachtung vorgelegt wurden. 

Manch Art-Bestimmung ist einfach

Hier war die Art-Bestimmung recht einfach: Am langen Stiel befindet sich ein Ring, der sich leicht verschieben lässt. „So ein großer Parasol-Kopf, erst paniert und dann in Butter gebacken – das schmeckt besser als ein Kalbsschnitzel“, schwärmte eine Teilnehmerin. 

Viele der bei der Exkursion gefundenen Pilze waren nicht genießbar oder sogar giftig, einige andere wiederum versprachen ein tolles Pilzgericht. Da sich aber Pilze beider Richtungen oftmals sehr ähneln, riet Andrea Eschenbrenner den Anwesenden nochmals, ihr im Zweifelsfalle die „Beutestücke“ zur Begutachtung vorzulegen. „Das ist viel besser und einfacher, als dann im Unglücksfall bei der Giftnotrufzentrale anrufen zu müssen“, mahnt die Mutter von drei Kindern, die beim Notruf auch als Pilzsachverständige für die Region registriert ist. Die Rufnummer lautet bundesweit (mit der eigenen Vorwahl) 1 92 40.

Andrea Eschenbrenner kennt das Metier von Kindesbeinen an. „Die ersten Lehrstunden in Sachen Pilze habe ich damals von meiner Mutter bekommen und bin dann an diesem Thema hängen geblieben.“ Wer Eschenbrenner antreffen möchte, der hat am Sonntag auf der Erntedankschau des Obst- und Gartenbauvereins Langenselbold in der Herrenscheune am Schloss Gelegenheit dazu. 

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