Ritter Bernd erläutert den Teilnehmern das Programm und die Technik des mittelalterlichen Schreibens. Foto: Gepperth

Ronneburg

Herbstferienspiele des Behindertenwerks erstmals auf Ronneburg

Ronneburg. Das Mittelalter ist eine faszinierende Zeitepoche, für die sich alle Altersklassen begeistern können. Daher war sie auch das Thema der ersten Herbstferienspiele des Familienentlastenden Dienstes (FED) des Behindertenwerks Main-Kinzig (BWMK) auf der Ronneburg, die in dieser Woche erstmals stattfanden.

Von Jan Max Gepperth

Scheckenbach, der von den Kindern und Jugendlichen Ritter Bernd genannt wird, war für das Rahmenprogramm zuständig. Für den Experten für erlebbare Geschichte waren es die ersten Ferienspiele: „Normalerweise unterrichte ich mal einen halben oder auch mal einen ganzen Tag Schulklassen“, erklärt er, „aber das hier war für mich eine Premiere.“Scheckenbach arbeitet schon länger mit dem FED zusammen und begleitet dort auch zwei behinderte Kinder. Doris Eisen vom FED fragte bei ihm an, ob er sich vorstellen könne, für ein Programm zur Verfügung zu stehen.Der Museumspädagoge musste nicht lange überlegen, stimmte schnell und gerne zu. Insgesamt 16 Kinder nahmen an den Spielen teil, von denen der Großteil eine Behinderung aufwies. „Die Arbeit mit Kindern mit Handicap ist da, aber er ist nicht groß“, stellt Ritter Bernd fest, „man muss einfach schauen, dass man die Themen etwas anders vermittelt. Am Ende sollen es ja alle verstehen und bewältigen können.“

Kinder sollen sich ausprobieren

Hierbei setzt der Archäologe auch auf Selbsterfahrung. So legt er großen Wert darauf, dass die Kinder Dinge ausprobieren und anfassen können – sei es das Selbstgestalten ihrer eigenen Wappen, das Bogenschießen oder das mittelalterliche Schreiben.„Die Reaktion der Kinder war hierbei immer toll. Man unterschätzt die Kinder immer leicht und ist dann sehr positiv überrascht. Es ist einfach total klasse zu sehen, was für ein Potenzial in allen steckt“, fasst er die Arbeit mit den Kindern zusammen.

Als es dann an die mittelalterliche Schreibkunst ging, erklärte er erst die Hintergründe. So wurde anschaulich dargestellt, wie die Schreibwerkzeuge früher hergestellt und verwendet wurden. Hierbei bezog Ritter Bernd auch die Kinder mit ein, stellte Fragen und beseitigte Unklarheiten.Nachdem alles erklärt war, bekamen die Teilnehmer die Möglichkeit, selbst mit Calamus (einem zum Stift geschnitzten Schilfrohr), Kohletinte und Büttenpapier zu hantieren. Die Tinte rührten sie hierbei aus Kohle selbst an und bekamen Tafeln mit mittelalterlichen Buchstaben.

Positives Feedback

„Es ist egal, ob es später schön aussieht. Vielmehr geht es darum, es einfach auszuprobieren und zu machen. Diese Erfahrung bringt ganz viel“, fasste Scheckenbach die Idee zusammen.Insgesamt ziehen sowohl Scheckenbach als auch Eisen ein positives Fazit. „Ich bin begeistert. Die Kinder mit und ohne Handicap arbeiten einfach so toll zusammen. Jeder akzeptiert jeden, und es ist einfach eine runde Sache“, stellte der Archäologe fest. Dem stimmte auch Eisen zu: „Die Kinder haben keinerlei Berührungsängste. Das ist anders als bei vielen Erwachsenen.“

Wer sich nebenberuflich bei dem Familienentlastenden Dienst einbringen will, kann sich bei der Direct-Beratungszentrum, Hailerer Straße 24, 63571 Gelnhausen, Telefon 06 05 1/92 18 10 66 oder per Mail fed@bwmk.org melden.

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