Himmelwärts: Der Rapunzelzopf erhebt sich in den Ronneburger Himmel. Dirk Specht ist froh. dass seine Benefizaktion so gut ankommt. Fotos: PM (Dieter Fehrenz)

Ronneburg

100 Frauen spenden Haare für 34 Meter langen Zopf

Ronneburg. Geballte Medienpräsenz in Ronneburg: RTL dreht, FFH funkt. Der Ausleger eines gelben Autokrans maßt sich an, den Hüttengesäßer Kirchturm zu übertrumpfen. Ein 34 Meter langer Zopf baumelt nach unten.

Von Torsten Kleinerüschkamp

Rot, braun, blond und schwarz: Haare aller Schattierungen sind um ein Schiffstau geflochten worden, damit das Rapunzelteil eine gewisse Stabilität hat. „Das ist bestimmt der längste Haarspendezopf der Welt“, freut sich Dirk Specht. Der umtriebige Friseur aus Ronneburg hat für seine Benefiz-Aktion ziemlich viele Register gezogen.

Auf der Plattform in luftiger Höhe stehen zwei ausgewiesene Schönheiten. Wer allerdings die Aufschriften auf den Schärpen lesen will, braucht entweder ein sehr gutes Fernglas oder muss warten, bis ihre Majestäten wieder nach unten abgelassen werden und die Hüttengesäßer Erde mit zierlichem Fuß berühren. Es sind die Miss Frankfurt und die Miss Mitteldeutschland, die da die Lizenz zum Halten des Rapunzelzopfs haben.

Man kenne erst den wahren Wert der Haare, wenn sie weg seien

Über 100 Damen haben ihre Haare für einen guten Zweck kürzen lassen, und zwar im Friseursalon „Hair by Specht“. Aus diesen Haaren sollen Echthaarperücken für krebskranke Menschen gemacht werden. „Haare sind der schönste Schmuck des Menschen. Wir wollen kranke Menschen damit glücklich machen und ihnen ihr Selbstwertgefühl wieder zurückgeben“, sagt der Ronneburger. Der Erlös der verkauften Haare kommt dem ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst Hanau zugute.

Specht hofft nun, dass die Rapunzelzopf-Aktion am besten weltweit Nachahmer findet. Ideal wäre eine Spendenaktion, die permanent liefe. „Erst wenn ein Mensch einmal seine Haare verloren hat, kennt er den wahren Wert seiner Haare. Der Beruf Friseur bekommt dann auch eine ganz andere Wertschätzung“, so Specht weiter.

„Das ist 'HAIRausragend'!“

Der Ronneburger Friseur hat sich die Aktion mit Comedian Boris Meinzer ausgedacht. „Mit einer Zopflänge von 34 Metern haben wir selbst nicht gerechnet“, sagen sie. „Wir mussten in letzter Minute vor dem Showdown noch einen größeren Ausleger ordern.“

„Das ist 'HAIRausragend'! Toll, dass so viele Leute mitgemacht haben“, freut sich Meinzer. Wie einst Rapunzel haben die Schönheitsköniginnen den Zopf von dem 40-Meter-Kran heruntergelassen.

FFH-Dummfrager als Moderator

Vor dem Auf und Ab des Zopfes gibt es ein buntes Showprogramm auf dem Platz vor dem Hüttengesäßer Feuerwehrhaus. Sänger Jimmie Wilson kommt gut an und wird als Euro-Grand-Prix-Teilnehmer bewundert. Der Deutsche-Comedy-Radiopreis-Gewinner 2019 und Hitradio-FFH-Moderator Boris Meinzer, auch bekannt als FFH-Dummfrager, führt durch das Programm.

Specht spricht angetan davon, dass die drei größten Regional-Radiosender schon im Vorfeld berichtet haben. Selbst eine FFH-Reporterin spendet Haare und geht mit ihren Erlebnissen auf Sendung. Miss Mitteldeutschland und Miss Frankfurt zu verpflichten, ist für Specht nicht allzu schwer, fungiert er doch als offizieller Stylist für die Vorwahlen zur Miss Deutschland.

„Bei der Haarspende werden Längen ab 25 Zentimeter akzeptiert. Die Haare müssen gewaschen und glatt geföhnt sein. Die Haarspende erwirbt die Haarmanufaktur Rieswick undamp; Partner Friseur GmbH in Velen, Nordrhein-Westfalen. Der Erlös zahlt die Firma Rieswick direkt an den Ambulanten Kinder- und Jugend-Hospizdienst“, heißt es vor Ort.

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