Reinhold Busch, inzwischen 67 Jahre alt, möchte das Kapitel Gackeleia beenden. Im Dezember soll sich der Vorhang in der stattlichen Scheune unter seiner Ägide zum letzten Mal heben. Archivfoto: Hannah Pompalla

Ronneburg

Im Dezember ist Schluss: Nachfolger für die Gackeleia gesucht

Ronneburg. Er wirkt tiefenentspannt. Reinhold Busch hat schon viel erlebt. „Wir gucken mal, welche Wege sich auftun.“ Schon zweimal sollte Schluss sein. Die Gackeleia gackerte aber immer weiter. Doch diesmal scheint es wirklich ernst zu sein, definitiv könnte Schluss sein, wenn nicht noch ein Wunder geschieht.

Von Torsten Kleinerüschkamp

Es steht fest: Reinhold Busch hört als Organisator von Veranstaltungen auf. Aber ein Nachfolger könnte die Ronneburger Kleinkunstbühne Gackeleia weiter betreiben. Für die Spielzeit 2020 sind keine weiteren Aufführungen geplant. Viele Chancen, die besondere Atmosphäre der Spielstätte in einer ehemaligen Scheune unterhalb der Ronneburg in Neuwiedermuß zu erleben, gibt es unter Buschs Ägide wohl nicht mehr.

Das Programm endet nämlich am Freitag, 6. Dezember, mit dem Musikkabarett Mistcapala. Es bietet ein Best-off-Programm von „Wurst statt Käse“. Am 30. November steht ein kabarettistischer Jahresrückblick mit „Frank Küster und Herrn Heuser vom Finanzamt“ auf dem Programm. Beginn ist jeweils um 20.30 Uhr. Die Veranstaltung der Kabarettistin Marga Bach am Freitag, 8., und Samstag, 9. November, sind bereits ausverkauft.

Kleinkunstbühne soll verkauft werden

„Wir sind auf der Suche nach einem Nachfolger. Wir möchten gerne, dass die Gackeleia erhalten bleibt“, sagt er. Busch fällt der Schritt sicher nicht leicht, sich von seinem Leben als Kleinkunstveranstalter zu verabschieden. Die Gackeleia ist in der Region ein fester Begriff geworden. Der 67-Jährige, der in Rente gehen möchte, hat schon seine Fühler nach etwaigen Nachfolgern ausgestreckt. „Ich habe mit dem Main-Kinzig-Kreis und dem Ronneburger Bürgermeister Andreas Hofmann Kontakt aufgenommen“, sagt der gelernte Bankkaufmann. Ein Ergebnis gibt es aber noch nicht. Busch möchte die Kleinkunstbühne verkaufen, „idealerweise mit Atelier und Büro“. Das gesamte Anwesen hat 3000 Quadratmeter und ist nur ein Teil des „Ronneburger Hof“.

Reinhold Busch wohnt mit seiner Frau Renate dort, wo er auch arbeitet. Sie ist im Übrigen auch Plakatmalerin. Der gebürtige Bayer aus Landau an der Isar ist 1981 von Frankfurt nach Ronneburg gezogen. „In Ronneburg habe ich auch erst einmal als Bankkaufmann gearbeitet“, erinnert er sich. Dann hat er den Schritt in die Selbstständigkeit als freischaffender Künstler gewagt. Er arbeitet als gefragter Maler für Filmplakate im Vollerwerb. Die Gackeleia betreibt er „nur“ als Nebenerwerb. Die Buschs wollen sich nun erst einmal in Ronneburg umschauen, um im Hügelland weiter wohnen zu bleiben. Die Gackelei gibt es seit 2003. In der beliebten Kleinkunstbühne traten Künstler wie Michael Fitz oder Ottfried Fischer auf.

Nach Tod vom Bruder schonmal ans Aufhören gedacht

Im Jahr 2013 dachten Renate und Reinhold Busch schon einmal ans Aufhören. Hintergrund der geplanten Aufgabe war der Tod von Reinhold Buschs Bruder Bernhard. Der Mitbegründer und Techniker der Kleinkunstbühne starb nach schwerer Krankheit im Jahr 2009. Die frühere Scheune ist übrigens nach dem Märchen von Clemens von Brentano „Gockel, Hinkel und Gackeleia“ benannt, das Bezüge zu den hiesigen Gefilden hat.

Zunächst hatten die Buschs nur einen Ausstellungsort für die handgemalten Kinoplakate im Sinn. Doch dann kamen Ausstellungen anderer Künstler hinzu. Die Präsentation von Kunstwerken hat besonderen Reiz in der mehrstöckigen Scheuer, deren Geschosse über knarzende Treppen erreichbar sind. Der Theatersaal ist übrigens unter anderem mit Kirchenbänken aus dem Kloster Eberbach in Eltville ausgestattet, die einst als Staffage für den weltberühmten Film „Der Name der Rose“ nach dem Roman von Umberto Eco mit Sean Connery gedient haben.

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