Gemeinsam mit Ronneburgs Bürgermeister Andreas Hofmann, Landrat Thorsten Stolz (links) und der Kulturbeauftragten des Main-Kinzig-Kreises, Andrea Sandow, betrachtete Reiner Erdt (rechts) die Präsentation der 30 Motive.
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Gemeinsam mit Ronneburgs Bürgermeister Andreas Hofmann, Landrat Thorsten Stolz (links) und der Kulturbeauftragten des Main-Kinzig-Kreises, Andrea Sandow, betrachtete Reiner Erdt (rechts) die Präsentation der 30 Motive.

Ausstellung im Landratsamt Gelnhausen läuft bis 17. Dezember

Der Ronneburger Reiner Erdt initiiert mit der Aktion „Main Kinzig malt aus“ ein kreatives Gemeinschaftsprojekt

  • VonPatricia Reich
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Der Main-Kinzig-Kreis schwelgt in Erinnerungen und das auf höchst kreative Art. Die Idee dazu hatte der Hobbykünstler Reiner Erdt. Er stellt seine Zeichnungen online der Öffentlichkeit zur Verfügung mit der Aufforderung, diese auszumalen und ihm einzusenden. Die Idee stößt auf eine große Resonanz. Nun werden die besten Einsendungen im Bürgerportal des Landratsamtes in Gelnhausen ausgestellt.

Ronneburg/Main-Kinzig-Kreis – Doch alleine möchte sich Erdt nicht mit den Lorbeeren für die Idee „Main Kinzig malt aus“ schmücken. Denn ausschlaggebend war seine Mitarbeiterin. „Während des ersten großen Lockdowns 2020 fragte sie mich, was sie den tun könne, um ihre Kinder zu beschäftigen. Alle Malbücher waren ausverkauft. Also sagte ich zu ihr, male doch meine Bilder aus“, erzählt der Ronneburger Gastronom. Also hat er seine Bilder, die hauptsächlich Motive von Sehenswürdigkeiten, Kirchen und Häusern vor dem Zweiten Weltkrieg darstellen und die meist in der Region zu finden waren und teilweise noch zu finden sind, kopiert. „Dann meinte sie, dass ich das doch für alle machen sollte.“ Gesagt, getan. Erdt wählte Bilder mit schwachen Kontrasten aus, scannte sie ein und stellte sie kostenfrei auf einer eigens erstellten Homepage zur Verfügung.

Zwischen sechs- bis achthundert Downloads

Weitere Hobbymaler konnten die Vorlagen verzieren, ergänzen oder einfach nur ausmalen. „Ich habe den Link für den Download an Kindertagesstätten und Seniorenheime geschickt“, erzählt Erdt. Bis heute hat er zwischen sechs- bis achthundert Downloads auf der Seite verzeichnet.

„Ich bekam Rückmeldungen, dass manche Bewohner sich die Bilder in den Seniorenheimen aufgehangen haben. Das freut mich, denn die Bilder sind so was wie ein Ausflug in die Kindheit für die Bewohner.“

Auch die ein oder andere „Bürodame“ habe ihm Rückmeldung gegeben, sagt Erdt mit einem Lachen in der Stimme im Telefongespräch mit unserer Zeitung. Denn die hätten teilweise erst einmal Buntstifte zusammensuchen müssen. „Es war eine Herausforderung für viele. Selbst Bürgermeister saßen mit ihren Kindern da und haben ausgemalt. Es war eine gute Beschäftigung während des Lockdowns“, fasst er zusammen. Ein Vorteil sei es auch gewesen, dass die Übergabe der Vorlage kontaktfrei per Download geschehen konnte.

Bilder kamen auch aus Amerika

Selbst aus der Ronneburger Schwesterngemeinde Amana in den USA kamen Bilder bei Erdt an. „Dort wurden die Vorlagen teilweise an die Enkel nach St. Louis weitergegeben. So war es eine internationale Malaktion“, fasst Erdt zusammen.

Ein wichtiger Gedanke hinter der Aktion war für den Initiator, dass es zu einem Austausch über die Geschichte kommt, dass darüber geredet wird, wie es damals war. Zum Beispiel erzählte ihm eine Pflegerin der Seniorendependance Hammersbach, dass über eine Hanauer Kirche rege diskutiert wurde.

30 Bilder in Ausstellung zu sehen

„Das Projekt kam rundum sehr gut an. Mitgemacht haben Hobbymaler zwischen sechs und 96 Jahren. Eigentlich war eine Ausstellung nach Corona geplant, aber da ein Ende nicht absehbar ist, wurden 30 Motive unter den Einsendungen ausgewählt und werden aktuell im Landratsamt ausgestellt.“ Von den vielen Hundert Downloads seien ungefähr 70 bei ihm eingesendet worden. „Manche allerdings beispielsweise ohne Absender, die konnten wir dann nicht für die Ausstellung verwenden.“

Auch Erdt selbst hat zwei Bilder ausgemalt. Auf dem einen Bild ist eine Gruppe Lego-Männchen, inspiriert von der Sci-Fi-Serie „Raumschiff Enterprise“ vor historischen Häusern zu sehen, auf dem anderen ergänzen Star-Wars-Figuren die Umgebung einer Burg. „Das ist für mich ein kleiner Gag. Die Kinder haben auf den Bildern teilweise Feuerwehrautos oder Regenbögen gemalt und so ein ganz anderes Motiv daraus gemacht. Diese naive, unerschrockene Haltung ist eine gute Motivation für die Herangehensweisen der Erwachsenen.“

Selbst in der vergangenen Woche hat Erdt noch ein paar ausgemalte Bilder erhalten, erzählt er. Allerdings sei der offizielle Einsendeschluss bereits ausgelaufen.

Die Auswahl der Einsendungen der Hobbykünstler ist bis zum 17. Dezember im Bürgerportal des Landratsamtes in Gelnhausen zu sehen. Ein beliebtes Motiv ist unter anderem der ehemalige Bahnhof im Ortsteil Hüttengesäß. Informationen zu der Aktion und weitere Werke sind auch im Internet zu finden unter https://kinzigmalt.krone-ronneburg.de. (Von Patricia Reich)

Zeichnungen von Reiner Erdt dienten als Vorlage: Hobbymaler im Alter zwischen sechs und 96 Jahren aus dem gesamten Kreis sowie aus Amerika ergänzten während des Lockdowns farbenfroh die Gemälde und sendeten sie zurück nach Ronneburg. Zusammen mit dem Main-Kinzig-Kreis wurden die besten Motive ausgewählt und nun im Landratsamt ausgestellt.
Hobbymaler ergänzten während des Lockdowns farbenfroh die Gemälde von Reiner Erdt.
Zwischen sechs und 96 Jahren sind die Künstler der ausgestellten Bilder alt.

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