Diese Fotomontage hat die Bürgerinitiative "Rettet das Ronneburger Hügelland" auf ein Banner drapiert, mit dem sie seit vergangenem Jahr gegen die Windkraftanlagen auf Ronneburger Gemarkung beziehungsweise in den angrenzenden Kommunen protestierte. Fotomontage: PM

Ronneburg

Artenschutz verhindert zunächst Windräder in Ronneburg

Ronneburg. Verhalten optimistisch gaben sich gestern bei einer Pressekonferenz im Rathaus Bürgermeister Andreas Hofmann (SPD) und Dr. Ruth Marcus von der Bürgerinitiative (BI) "Rettet das Ronneburger Hügelland".

Von Lars-Erik Gerth

Sie informierten über den aktuellen Stand bezüglich der vier Windkraftanlagen, die im „Sachlichen Teilplan Erneuerbare Energien“ (TPEE) noch Ronneburg betreffend ausgewiesen sind. Folgen die Regionalversammlung Südhessen des Regierungspräsidiums am 14. und die Versammlung des Regionalverbands Frankfurt/Rhein-Main am 19. Juni den vorgesehenen Änderungen, dann werden alle vier Vorrangflächen gestrichen. Entscheidend für diese Veränderung der ursprünglichen Planung ist der Artenschutz. Der Rotmilan wäre bei Anlagen auf allen vier Flächen jeweils in seinem Dasein bedroht.

Weitere wichtige Aspekte

Hofmann gab in seinen Ausführungen aber deutlich zu verstehen, dass es auch weitere wichtige Aspekte gäbe, weswegen die vier Standorte erst gar nicht in den TPEE hätten aufgenommen werden dürfen. „Als ich 2016 davon erfuhr, dass wir von vier Windkraftstandorten eingekreist werden sollen, hat mich fast der Schlag getroffen. Dieser geplante Eingriff in die Natur ist für uns in Ronneburg einfach nicht nachvollziehbar.

Außerdem haben wir mit der Ronneburg ein historisches Bauwerk von regionaler Bedeutung, das man beispielsweise auch von den Frankfurter Hochhäusern aus bestens sehen kann. Und dieses Bild würde mit den geplanten jeweils rund 240 Meter hohen Anlagen zerstört werden“, konnte Hofmann sein Unverständnis über die ursprüngliche Planung des TPEE auch gestern nicht verhehlen.

Vor allem die Aufteilung in vier Flächen, die zusammen auf stattliche rund 307 Hektar kommen, kann Hofmann nicht nachvollziehen. „Damit wollten die Verantwortlichen von RP und Regionalverband die Einschränkung beim Bau von Windanlagen durch die sogenannte 'Technische Überformung' der Landschaft aushebeln, die erst ab 200 Hektar greift“, so Hofmann, der bereits bei einer Bürgerversammlung im vergangenen November klar gemacht hatte, was er vom Vorgehen der für den TPEE Verantwortlichen hält. „Wir haben ein Regelwerk. Daran müssen sich auch die Verwaltung in Frankfurt und das Regierungspräsidium halten“, sagte er damals.

Dokumentation zum Rotmilan

Hofmann dankte insbesondere Dr. Ruth Marcus und ihren Mitstreitern von der BI für ihren großen Einsatz, vor allem für die Dokumentation zum Rotmilan. Dafür wurde auf Kosten der BI, so Marcus, ein Ornithologe engagiert, der die Flugbewegungen der Rotmilane genau beobachtet und notiert habe. Sie verlieh auch ihrer Freude über die neueste Entwicklung Ausdruck. Allerdings äußerte sie zugleich Bedenken, denn die Sache mit den vier Vorrangflächen wäre auch nach positiven Abstimmungsergebnissen der beiden Versammlungen noch keineswegs vom Tisch.

„Man darf nämlich nicht übersehen, dass die vier Ronneburg umgebenden Flächen dann als sogenannte 'Weißflächen' in eine dritte Offenlegung gehen. Und das mit ungewissem Ausgang. Erst wenn diese dritte Offenlegung auch in unserem Sinne verabschiedet ist, können wir erleichtert sein“, gab Marcus zu bedenken.

Hofmann erläuterte dazu: „Bei dieser dritten Offenlegung kann wieder jeder wie bei den beiden vorangegangenen Offenlegungen des TPEE seine Einwände vorbringen, die dann möglicherweise wieder zu Änderungen führen können. Und wie man Gründe für die Streichung einer Vorrangfläche einbringen kann, so ist es ebenso möglich, sich für die Wiederaufnahme eines Standorts auszusprechen und dafür Begründungen zu liefern.“

Bau von Windrädern droht weiterhin

Darüber hinaus sprach Marcus an, dass unweit von Ronneburg weiterhin der Bau von Windrädern drohe, die sich immer noch im TPEE befänden. „Auf mehreren hundert Hektar sind unter anderem in Büdingen, Gründau-Breitenborn, ebenso in Bad Orb und Bad Soden-Salmünster Windkraftanlagen in ähnlich artenreichen Gebieten wie Ronneburg geplant“, kritisierte sie. Reiner Müller, der anwesende Ortsvorsteher von Büdingen-Eckartshausen konnte dem nur zustimmen und kritisierte, dass sich in seiner Kommune die politische Führung nicht wie in Ronneburg gegen die Verspargelung der Landschaften einsetze.

Wenn die beiden zuständigen Versammlungen von Regierungspräsidium und Regionalverband am 14. respektive 19. Juni zustimmen, werden die vier Windkraftvorrangflächen 475 a, 914, 5301 und 5302, die Ronneburg betreffen, aus dem "Sachlichen Teilplan Erneuerbare Energien" gestrichen. Sie werden aber noch teil einer dritten Offenlegung sein. Grafik: PM

Marcus und Hofmann betonten jeweils ausdrücklich, dass sie keinesfalls gegen die Energiewende seien. Ganz im Gegenteil, so der Bürgermeister. „Wir sind in Ronneburg nur gegen diesen von oben aufgepfropften Zwang. Bei uns wird nämlich bereits durch freiwillige Aktivitäten von Bürgern und der Gemeinde 40 bis 42 Prozent des Verbrauchs durch Erneuerbare Energien abgedeckt. Unter anderem durch Fotovoltaikanlagen auf Häusern oder auch die Biogasanlage des Bauern Schmidt in Neuwiedermuß“, verdeutlicht der Sozialdemokrat, dass in seiner Gemeinde schon viel für die Wärmgewinnung aus Erneuerbarer Energie getan wird.

Arten- und Naturschutz leidet

Ruth Marcus kritisierte, dass der Arten- und Naturschutz bei der derzeit in Deutschland verfolgten Energiewende immer mehr unter die Räder gerate. „Der Artenschutz findet in diesem Zusammenhang immer schwerer Gehör, ja er wird vielerorts nur noch als Störfaktor gesehen. Die mit den Windkraftanlagen einhergehenden artenschutzrechtlichen Problemen werden ignoriert beziehungsweise süffisant kommentiert. Klimaschutz wird über den Naturschutz gestellt.

Für den Klimaschutz wird sogar das geopfert, was eigentlich geschützt werden soll: die Natur“, kritisierte Marcus insbesondere die Grünen und hier vor allem den für die Erneuerbaren Energien zuständigen Minister Tarek Al-Wazir.

Trotz ihrer geäußerten Kritik am Vorgehen der für den TPEE Verantwortlichen und der Bedenken bezüglich der Weißflächen und der dritten Offenlegung werteten Marcus und Hofmann die vorgesehene Streichung der vier Vorrangflächen um Ronneburg als „einen Erfolg“.

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