Zeltstadt an der Ronneburg: Einige Mittelalter-Fans haben während der Burgfestspiele ein Lager bezogen. Foto: Ingbert Zacharias

Ronneburg

"Adel, Bauern, Rittersleut": Mittelaltermarkt auf der Ronneburg

Ronneburg. Die Ronneburg anno 1219 – wenn man mit einer Zeitmaschine 800 Jahre zurück ins Mittelalter hätte reisen können, wäre man dort vielleicht auf ein ähnliches Spektakel wie am Wochenende gestoßen.

Von Ingbert Zacharias

„Adel, Bauern und Rittersleut“ hatten sich zum Mittelaltermarkt im Rahmen der 31. Burgfestspiele in und außerhalb der Burg versammelt und lagerten dort in einer großen Zeltstadt. Am kommenden Wochenende findet die Veranstaltung erneut statt.

Auf der Burg konnte man zwischen den vielen neuzeitlich gekleideten Besuchern immer wieder illustre „Manns- und Weibsleute“ in teils eleganten Gewändern, aber auch in Handwerker- oder Bauernkleidung antreffen. Wie etwa Frank und Heidi Güßbacher aus dem Raum Bad Kissingen, die beide – gekleidet im Stil des 12. Jahrhunderts – ein Paar aus dem niederen Adelsstand darstellten.

Die Wache - an ihr kommt ohne Eintrittstempel niemand vorbei. Foto: Ingbert Zacharias

„Wir sind nun schon seit 2003 in jedem Jahr hier auf der Ronneburg und freuen uns immer wieder darauf, alte Freunde und Bekannte aus der Mittelalter-Szene zu treffen“, meinte die Burgdame, die sich „Adelheid zu Botenlauben“ nennt und im normalen Beruf Arzthelferin ist. Ihr Mann dagegen arbeitet als Lehrer und stellt sich als „Arno von Gusbach“ vor. „Das Geschlecht derer von Gusbach ist im 15. Jahrhundert ausgestorben; daher können wir den Namen ohne Probleme verwenden“, lacht der Edelmann mit einem Blick auf noch lebende Adelsfamilien. Die beiden Darsteller gehören allerdings keiner festen Gruppe an, sondern sind nur als Paar auf den Mittelalter-Events der gesamten Republik unterwegs, das allerdings an fast jedem Wochenende im Jahr.

Anders sieht es bei einer Gruppe aus Südhessen aus, deren Mitglieder sich die „Scherfheimer“ nennen und in mehreren Zelten am Burgberg lagern. „Wir sind diesmal 25 Leute und einige von uns bleiben sogar bis zum nächsten Wochenende hier“, meinte Bernd Fröhlich, im normalen Leben Diplom-Sozialpädagoge. „Scherfheim war eine Wüstung zwischen Roßdorf und Darmstadt, deren Gebäude im 30-jährigen Krieg zerstört wurden und auf die wir uns mit unserem Namen beziehen“. Auch Fröhlich liebt das Leben in der mittelalterlichen Gemeinschaft mit seinen vielen Eigenarten und Vorzügen.

„Wir kennen und verstehen uns alle richtig gut“, meint er auch mit Blick auf seine Kinder, die seit Langem schon mit dabei sind. Sie sind jetzt in einem Alter, in dem man sie allein zum Spielen ins Lagerleben gehen lassen kann. „Sollten die Kids mal ein Problem haben, dann bekommen sie am nächsten Stand oder Zelt jederzeit Hilfe“, betont Fröhlich die große Hilfsbereitschaft untereinander. Für ihn und seine Mitstreiter, unter denen sich auch einige mit handwerklichen Fähigkeiten finden, bildet das auf den Mittelaltermarkt folgende Wochenende das diesjährige Saisonfinale; Ostern geht es immer los und im Herbst ist dann Schluss mit dem Besuch der etwa 15 Märkte und Veranstaltungen pro Jahr, bei denen dann auch gelagert wird.

Die Epoche des Mittelalters bedeutet immer auch Waffen und Wettkampf. Ein gutes Beispiel hierfür sind die Ysenburger Bogenschützen aus Büdingen, die mit ihrem Gruppennamen noch einen direkten Bezug zur Ronneburg und ihren langjährigen Besitzern haben. Am Wochenende waren es vier Schützen, die mit Eigenbau-Bogen aus Robinien- oder Hartriegelholz „gar trefflich Zeugnis über die Kunst des Bogenschießens“ ablegten.

„Wir schaffen es sogar gelegentlich, einen schon steckenden Pfeil zu treffen und zu spalten“, meinte einer der Akteure beim Spannen des mannshohen Bogens, der gute 30 Pfund Zugkraft aufweist. Am kommenden Wochenende wird ein Bogen-Turnier am Hang der Ronneburg ausgetragen; bis dahin gehen noch viele Probeschüsse in Richtung der festen oder beweglichen Ziele.

Riecht und schmeckt hervorragend: Kesselgulasch über offener Flamme. Foto: Ingbert Zacharias

Doch auch das schrille Treiben auf einem Jahrmarkt in dieser lange zurückliegenden Zeit wird präsentiert. Dazu gehört natürlich der „Medicus“, der einem armen Kerl die Zähne zieht oder das Zelt, in dem man – im Mittelalter wohl nur gelegentlich – in einen Holz-Zuber steigen und ein reinigendes Bad nehmen kann.

Wer aber über „Geschmeide aus edelsten Metallen für Ohr, Hals und zarte Finger“ verfügt, der sollte beim Umhergehen auf „Mika“ achten. Der Zauberer lässt zum Beispiel ihm überreichte Ringe an dünnen Gummibändern wunderlich wandern – und dann plötzlich ungesehen in seinen Gewändern verschwinden; alles nur zum Spaß und Schrecken für die Besitzerin des Schmuckstücks. „Es macht einfach nur Spaß, den staunenden Leuten mit viel Geschicklichkeit die Zauberei vorzuführen“, schmunzelt der Magier. „Das klappt heute genauso wie damals im Mittelalter!“

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