Polizeikommissar Felix Bogner hat auch die gefährliche Senke im Visier seiner Laserkamera. Die Landesstraße 3193 ist in einem maroden Zustand. Fotos: Ingbert Zacharias

Ronneburg

L 3193 ist in bedenklichem Zustand - verstärkte Überwachung nötig

Ronneburg. Es ist kalt, regnerisch und die Zahl auf dem Display der Kamera verspricht nichts Gutes für den Autofahrer, der gerade auf der Landesstraße 3193 in Richtung Hüttengesäß unterwegs ist.

Von Ingbert Zacharias

„Roter Van, 100 gemessen, also Vorwurf 97“, spricht Felix Bogner in sein Funkgerät und gibt damit seinen Kollegen von der Bereitschaftspolizei die Anweisung, den flotten Fahrer am Bruderdiebacherhof an die Seite der Straße zu winken.

Das wäre – zumindest an diesem Tag – bislang der „Spitzenreiter“, meint der Polizeikommissar von der Polizeistation Hanau II, der sich mit der Laserkamera vor dem Beginn des gefährlichen Kurvenbereichs positioniert hat.

An dieser Stelle ist, wie auf der ganzen kurvigen Strecke zwischen dem Ausbauende und Hüttengesäß, eine Geschwindigkeit von 60 Stundenkilometern erlaubt – aus gutem Grund. Blickt man auf die Unfallstatistik, die im Polizeipräsidium Südosthessen geführt wird, so ist dieser Streckenabschnitt ein gefährliches Pflaster. Immerhin wurde die Polizei (und oft auch der Rettungsdienst) in den vergangenen fünf Jahren zu 54 Unfällen gerufen; allerdings ist die Dunkelziffer derer, die nach einer zu rasanten Kurvenfahrt im Acker oder Maisfeld landen und sich dann schnell wieder herausziehen lassen, wohl recht hoch.

Ort des Geschehens

Rund 20-mal war der Kurvenbereich am Bruderdiebacherhof der Ort des Geschehens, etwa genauso oft krachte es auf der gewundenen Strecke zwischen dem Modellbauclub und dem Anglerteich, die allerdings schon auf Ronneburger Gebiet liegt. Genau hier lässt die Gemeinde unregelmäßig den fließenden Verkehr überwachen, um so den einen oder anderen Schnellfahrer mittels Verwarnung oder Bußgeld zur Beachtung der zulässigen 60 Stundenkilometer anzuhalten. Durchgeführt werden diese Kontrollen von Beamten der Ordnungsbehörde des Main-Kinzig-Kreises. Die Gemeinde Ronneburg stellt dazu das erforderliche Equipment zur Verfügung.

„Die L 3193 ist im aktuellen Zustand keine sichere Straße mehr“, sorgte sich Ronneburgs Bürgermeister Andreas Hofmann (SPD) kürzlich auf einer Gemeindeversammlung. Diese Aussage gilt nicht nur für Hofmanns Gemeindebereich, sondern die ganze Strecke bis zur ehemaligen Zufahrt nach Ravolzhausen. Besonders Radfahrer, von denen nur einige wenige das Wagnis L 3193 auf sich nehmen, sind auf dieser Straße hochgradig gefährdet – sowohl durch den maroden Fahrbahnzustand als auch durch die Autofahrer. Das gilt besonders in der Rushhour oder in der Dunkelheit, wie ein Radler aus Hüttengesäß berichtet. Wenn er nachts von hinten einen Wagen kommen höre, würde er immer schnell von seinem extra dafür angeschafften Damenrad steigen und sich damit an den Straßenrand stellen, bis das Auto vorbeigerauscht sei.

„In der Dunkelheit hat man eigentlich immer das Totenhemd an“, meint der Mann, der sich aufgrund seiner bösen Erfahrungen mittlerweile lieber ins Auto als aufs Velo setzt. Wie die Statistik zeigt, hatten die Radler bislang immer das Glück auf ihrer Seite. So blieb es in den vergangenen fünf Jahren nur bei viel verbeultem Autoblech und einigen, teils schwer verletzten Insassen. Ein Todesopfer musste in dieser Zeitspanne glücklicherweise nicht beklagt werden.

Rücksichtsloses überholen trotz Verbot

Wer sich allerdings im Auto an die Geschwindigkeit hält und mit 60 Stundenkilometern unterwegs ist, der bekommt schnell Probleme mit Zeitgenossen, die bis auf wenige Zentimeter auffahren oder trotz des auf dieser Strecke geltenden Verbots rücksichtslos überholen. Das ist besonders oft auf der langen Geraden vom Ausbauende bis zum Bruderdiebacherhof der Fall. „Dort gibt es eine tiefe Senke, in der entgegenkommende Fahrzeuge optisch verschwinden“, erklärt Polizeioberkommissar Daniel Höpfner von der Hanauer Polizei. „Wer hier trotz des Verbots leichtsinnig überholt, hat möglicherweise plötzlich einen Wagen vor sich, der aus der Versenkung auftaucht.“

Diese Überholer seien ihm und seinen Kollegen ein besonderer Dorn im Auge und würden für diese groben Gefährdungen auch entsprechend belangt werden, so der Leiter der eingangs erwähnten Kontrolleinheit.

Die Stadt Langenselbold, durch deren Bereich ein Großteil der maroden Landesstraße führt, wirft im Übrigen ebenfalls ein elektronisches Auge auf diese Strecke und ist dort gelegentlich mit einer Kamera auf der Leitplanke zugange. Apropos Leitplanke: Der Radfahrer, der immer absteigt, wenn hinter ihm ein Auto auftaucht, ist von der erst kürzlich montierten Schutzeinrichtung nicht gerade begeistert. Das über 100 Meter lange Blechteil bietet ihm auf dieser Strecke keine Möglichkeit mehr zum schnellen Absteigen und Ausweichen auf den Randstreifen.

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