Hartplatz-Dämmerung: Der Tennenplatz im Niederrodenbacher Waldstadion ist ein nicht mehr zeitgemäßes Marter-Areal und schürft nur die Haut auf. Die Gemeinde will einen Kunstrasenplatz anlegen. Beide Vereine in Oberroden- und Niederrodenbach wollen diesen aber gerne auf ihrem Gelände gebaut sehen. Fotos: Torsten Kleinerüschkamp

Rodenbach

Zwei Rodenbacher Klubs kämpfen um geplanten Kunstrasenplatz

Rodenbach. Oberrodenbach will ihn, Niederrodenbach auch. Es kann aber nur einen geben. Der FC Eintracht Oberrodenbach buhlt um ihn. Der FC Germania 09 Niederrodenbach meldet seinen Rechte ebenfalls an.

Von Torsten Kleinerüschkamp

Seitdem bekannt ist, dass die Gemeinde 500 000 Euro locker macht für den Bau eines Kunstrasenplatzes, herrscht Hochspannung in den Vereinen. Eine Einigung gibt es bisher nicht. Wohin der Platz kommt, ist unklar. Für ein unbeschwertes Miteinander, ganz zu schweigen von einer Fusion, stehen die Zeichen eher ungünstig. Zu Beginn der Saison war ja die Jugendspielgemeinschaft des FCE und der Germania aufgekündigt worden.

So ist die Lage: In Niederrodenbach gibt es neben zwei Rasenplätzen auch einen Hartplatz. Die US-Amerikaner spendierten 1965 als Zugabe eine Flutlichtanlage, die sie auch aufbauten. Sie ist zur Zufriedenheit der Germanen noch in Betrieb. Die Eintracht hat in Oberrodenbach einen Rasenplatz und einen Hartplatz mit Flutlicht, hat sich aber auch von eigenem Geld einen Miniatur-Kunstrasenplatz geschaffen, um dem Nachwuchs etwas zu bieten. Wie argumentieren die Vorsitzenden, um in den Genuss eines unbeschwerten Wintertrainings auf der eigenen Vereinsanlage zu kommen?

FC Germania 09 Niederrodenbach argumentiert mit Jugendspielmannschaft

Michael Auerhammer (FC Germania 09 Niederrodenbach): „Der Kunstrasenplatz ist in erster Linie für die Jugend gedacht und nicht für die Senioren. Natürlich werden die Senioren den Platz auch nutzen können, wenn er einmal da wäre. Die beiden Rodenbacher Fußballvereine können nicht das bieten wie benachbarte Kommunen. Weil zum Beispiel Erlensee und Langenselbold Kunstrasenplätze haben, ist dies immer wieder ein Grund für Eltern, ihren Kindern zu sagen, geht halt lieber zum Fußballspielen in einen Langenselbolder oder Erlenseer Verein. Das macht die Jugendarbeit für die Rodenbacher Vereine nicht leichter.“

Als wichtiges Argument für den Standort Waldstadion wirft Auerhammer dieses Argument in die Waagschale: „95 Prozent aller Jugendlichen, die in der Jugendspielgemeinschaft (JSG) von Nieder- und Oberrodenbach spielten, kamen aus Niederrodenbach.“

"Die harten Fakten sprechen für Niederrodenbach"

Freilich ist die JSG inzwischen Geschichte. Sie wurde laut Auerhammer mit Beginn der neuen Saison beendet. „Solange die JSG in den letzten Jahren bestand, haben wir die Jugendarbeit alleine gemacht. Da gab es aus Oberrodenbach so gut wie keine Hilfe“, sagt Auerhammer.

Er nannte es wenig sinnvoll, den Kunstrasenplatz in Oberrodenbach zu bauen, um das Gros des Fußballernachwuchses, der ja seinen Angaben zu 95 Prozent aus Niederrodenbach komme, nach Oberrodenbach zum Training zu schicken. Der Germania-Chef sieht ein weiteres Pro-Argument für den Standort Waldstadion. Die Adolf-Reichwein-Schule könnte den Kunstrasenplatz ebenfalls nutzen. Ferner sei die Lage ideal, weil angrenzend ein Neubaugebiet entstehe. „Die harten Fakten sprechen für Niederrodenbach“, hieß es.

"Eine Fusion kommt für die Oberrodenbacher nicht in Frage"

Helmut Reinert (FC Eintracht Oberrodenbach): „Wir möchten einen Kunstrasenplatz in Oberrodenbach“, sagt er. Auf Hartplätzen wolle heute keiner mehr spielen. Den Vereinen liefen deshalb die jungen Leute weg. „Eine Fusion kommt für die Oberrodenbacher nicht in Frage“, sagt er. „Wir sind finanziell gesund, haben ein sehr gutes soziales Verhältnis über alle Altersstrukturen hinweg, fühlen uns wohl und machen schöne Veranstaltungen.“

Man sei stolz auf das in Eigenregie gebaute Vereinsheim, das ein wahres „Schmuckkästchen“ sei. Als abschreckendes Beispiel nannte er die zusammengelegte Anlage von Niederissig- und Oberissigheim. Dort gebe es nur kahle Räume, für deren Nutzung man sich auch noch absprechen müsse.

Bürgermeister lädt die Vereinsvorsitzenden zum Gespräch

Bürgermeister Klaus Schejna: „Die Gemeinde hat das Signal gegeben, einen Kunstrasenplatz bauen zu können. Da Rodenbach zwei Fußballvereine hat, versuchen wir auszuloten, wo der Bau am sinnvollsten ist.“Schejna kündigte an, wegen der Standortfrage die Vorsitzenden der Vereine zu einem Gespräch einzuladen. Die Gemeinde könne den Bau von zwei Kunstrasenplätzen nicht bezahlen. Der Bau eines neuen Sportplatzes in der Mitte der Ortsteile sei ebenfalls nicht praktikabel.

Zum einen dauere es lange, bis Planungsrecht bestehe. Er halte es „nicht für klug“, eine Fläche zwischen den Ortsteilen zu versiegeln, „nur weil zwei Vereine sich nicht einigen“ könnten. „Ob es Sinn macht, eine Flutlichtanlage mit aufzubauen oder einen Tennen- zu einem Rasenplatz umzubauen, könnte ja Teil einer Lösung sein“, so Schejna.

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