Der zum Kletter-Parcours umgerüstete Baum stellt für die Kinder eine große Mutprobe dar, die aber alle Mädchen und Jungen bewältigen können. Fotos: Claudia Raab

Rodenbach

Zehn Meter über der Erde: Kinder bewältigen Kletter-Parcour

Rodenbach. „Ich sehe die Glocke. Ich muss noch ein Stück höher. Ich darf nur nicht nach unten gucken“, ruft Habibe vom Stamm eines hohen Baumes hinunter.

Von Claudia Raab

Gut gesichert, mit Helm und zwei starken Seilen, klettert das Mädchen an einer hohen Platane empor, die Erlebnispädagoge Stefan Dana zusätzlich mit kleinen Tritten aus Gummi versehen hat.

Die Grundschülerin ist eine von 44 Kindern, die im Niederrodenbacher Strandbad die Ferienspiele genießen. Zu den besonderen Höhepunkten gehört der Besuch des Erlebnispädagogen Stefan Dana aus Saarbrücken, der einen Baum zum Kletter-Parcours umgerüstet hat. Etwa zehn Meter hoch ist die Strecke, welche die Mädchen und Jungen bis zur Glocke, die zwischen den Ästen aufgehängt wurde, überwinden müssen. Wenn sie diese läuten, haben sie ihr Ziel erreicht und treten unter Jubel und Applaus der Umstehenden den Rückweg an.

7 Kinder pro Gruppe treten zu ihrer Mutprobe an

Gut ausgerüstet mit Helm und Leibgurten, an denen die Seile eingehakt werden, warten pro Gruppe sieben Kinder im Alter zwischen acht und zehn Jahren auf ihre persönliche Mutprobe. Jeweils zwei von ihnen dürfen Stefan Dana beim Festhalten der Seile unterstützen.

„Wie hat es dir gefallen?“, fragt der Erlebnispädagoge jeden einzelnen Kletterer nach seinem überstanden Abenteuer. „Mein Herz hat stark geklopft“, antwortet Habibe. „Das Klettern und die Aussicht haben mir gut gefallen“, meint Bellin. „Ich habe Angst gehabt“, gesteht Glenn noch etwas blass. „Das ist aber besonders mutig von dir, das zuzugeben“, erhält er vom Trainer ein Extralob. Sämtlichen kleinen Kletterern stehen Stolz und Verwunderung über die soeben vollbrachte Leistung ins Gesicht geschrieben.

Seit fast 40 Jahre Sommerferienspiele in Rodenbach

Bevor die zweite Gruppe an den Start geht, bittet der Erlebnispädagoge die Kletterer, den anderen Kindern zu sagen, was ihnen der Aufstieg gebracht hat. „Weil du da deine Höhenangst überwinden kannst“, „Weil es Spaß macht“, „Weil man von da oben einen guten Ausblick hat“, reflektieren die Jungen und Mädchen ihre Erfahrungen.

Mittlerweile seit fast vier Jahrzehnten finden in den ersten beiden Wochen der Sommerferien die Rodenbacher Ferienspiele statt. „Viele unsere Betreuer waren selbst schon als Kind dabei, ebenso wie manche Eltern“, informieren André Keheggi, Jugendarbeiter der Gemeinde Rodenbach und Vanessa Wegfahrt, Standortleiterin der Ferienspiele im Strandbad Rodenbach.

Die nächsten Unternehmungen

Dort nehmen 44 Kinder im Alter von sechs bis zehn Jahren teil. Montag bis Freitag, jeweils von 10 bis 16 Uhr, kümmern sich Keheggi, Wegfahrt und sechs Betreuer sowie ein Fahrer und ein Helfer mit einem umfangreiches Spiel- und Bastelprogramm um das Entertainment. „Hier haben wir natürlich einen Standortvorteil“, informiert Keheggi, „bei diesem Wetter geht es nachmittags zum Baden in den See.“

Für kommenden Montag sei ein Ausflug ins Taunus-Wunderland geplant und am Dienstag fände die Übernachtung in Zelten inklusive Nachtwanderung statt. Dafür dürften sich am nächsten Tag alle zu Hause ausruhen. Nach dem regulären Ferienspieltag beginnt am Dienstag das Abendprogramm um 19 Uhr mit einem Grillen, an dem auch Väter und Mütter teilnehmen. „So können sich auch die Eltern kennenlernen. Es gibt keine bessere Integration als die Ferienspiele“, schwärmt André Keheggi angesichts der kleinen Rodenbacher, die ihre Wurzeln unter anderem in Polen, Russland, der Türkei, Italien, Marokko, Afghanistan und Syrien haben.

„Angesichts der großen Flüchtlingswelle haben wir dank guter Bezuschussung 2015 den Flüchtlingskindern die Teilnahme ermöglicht. Mittlerweile sind die Eltern so gut hier angekommen, dass sie alle das Gleiche zahlen und sich auch beim Grillabend einbringen“, unterstreicht der Jugendsozialarbeiter.

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