Der Ursprung einer bemerkenswerten Geschäftsidee: das „Stein's Tivoli“ an der Hanauer Landstraße. Foto: Breyer

Rodenbach

"Stein´s Tivoli" trauert um seinen Mitbegründer

Rodenbach. „Stein's Tivoli“, das ideale Umfeld für einen unterhaltsamen Theaterabend mit Freunden. Vor wenigen Tagen ist der Mitgründer des Hauses, Günter Stein, im Alter von 75 Jahren gestorben. Noch bis vor wenigen Monaten war der Senior hinter den Kulissen aktiv.

Von Reinhard Breyer

Das „Tivoli“ an der Hanauer Landstraße 21 hat sich von Anfang an durch ein schlüssiges Konzept ausgezeichnet und bietet Theater, Kleinkunst und Comedy eine Bühne. Der Erfolg spiegelt sich in Besucherzahlen wider, die sich sehen lassen können.

Insgesamt weit über 50 000 Besucher haben sich bei den unterhaltsamen Stücken in „Stein's Tivoli“ amüsiert, das seit November 2012 am Hanauer Freiheitsplatz im ehemaligen CT-Kino über ein zweites Standbein verfügt.Am 13. November 2009 ging in Niederrodenbach zum ersten Mal ein Stück über die Bühne. „Als sich der Vorhang das erste Mal hob, hatte wohl keiner mit dem umwerfenden Erfolg gerechnet“, heißt es auf der Internetseite des Hauses. Heute gehört „Stein's Tivoli“ zu den erfolgreichsten privat geführten Theatern im Rhein-Main Gebiet. Zuschüsse der öffentlichen Hand gibt es nicht, wie es auf der Homepage heißt.

Gastronom und VeranstalterGünter Stein war von Haus aus Gastronom und Veranstalter, betrieb anfangs auch eine Diskothek. 1977 ließ er das heutige Stein-Domizil in Rodenbach errichten und verpachtete es zunächst für einige Jahre unter dem Namen „Alt-Rodenbach“ an Jo Kreinecker, den heutigen Chef der Klosterberghalle und des Dragonerbaus Langenselbold. 1999 ging die Gastronomie an Steins Sohn Martin über, der dort das „Stein's Restaurant“ mit dem markanten Hinkelstein am Eingang eröffnete.

2006 kam es zum gesellschaftlichen Zusammenschluss des Lokals mit dem ebenfalls der Familie gehörenden Großkrotzenburger Lokal „Eulenspiegel“.

Stärkere KonkurrenzEines Tages sahen sich die Steins in ihrem Rodenbacher Umfeld um und stellten erstaunt fest, dass in dem Ort immer mehr Lokale öffneten – vermutlich zu viele, um dauerhaft schwarze Zahlen schreiben zu können.Es kam zur Umstrukturierung. Die Familie verlegte sich auf die Kulturschiene.

Eine Theaterbühne mitten im beschaulichen Rodenbach? Konnte das gut gehen? Vielfach wurde das Experiment belächelt. Kaum jemand räumte ihm anfangs Überlebenschancen ein.

Doch die Rechnung der Steins ging auf: 85 Sitzplätze in dem Flachdachbau sollten genügen, um das Konzept auf einer rund 30 Quadratmeter großen Bühne zu realisieren.

Bühnenadaption eines Kinofilms machte den AnfangAn den Start gingen die Steins, anfangs unterstützt durch den ebenfalls theater-erfahrenen Sohn Stefan, mit dem Stück „Ganz oder gar nicht!“. Mit der Bühnenversion des legendären Kinofilms fing alles an.

Seit dieser Zeit konnten die Zuschauer mehr als drei Dutzend verschiedene Stücke in eigenen Tivoli-Produktionen und sogar Deutschland-Premieren auf der kleinen Bühne erleben.

Inzwischen wird im „Tivoli“ jeden Donnerstag bis Sonntag mit wechselnden Stücken vor fast immer ausverkauftem Haus gespielt.

Glückliches Händchen bei StückauswahlBei der Auswahl der Stücke bewiesen die Steins von Anfang an ein glückliches Händchen. Der Senior hing – und das bis vor wenigen Monaten – mit ganzem Herzen am „Tivoli“ und kümmerte sich beispielsweise um die Buchhaltung.

Die Familie setzte von Anfang an auf eine feste Mannschaft und ausgebildete Darstellern, zu denen unter anderem Frank Heck als Regisseur zählt.

Unterhaltsamen StückeAls Renner im Programm erwiesen sich unterhaltsame Stücke wie die Schlagerrevue „Immer wieder sonntags“, das Musical „Beatles on Board“, „Loriot's dramatische Werke“, „Tussipark“, „Botox de Luxe“ – das heißt, Ironie und Selbstironie bis zum Abwinken.

Das Erfolgsmotto von Günter Stein lautete „Die Leute wollen sich amüsieren und den Alltag für ein paar Stunden vergessen“. Und damit ist die Familie Stein gut gefahren.

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