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Seniorenberaterin Christine Fleiner verlässt nach 22 Jahren die Gemeinde und geht neue Wege

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Von: Patricia Reich

Genoss die Gespräche: Christine Fleiner lernte als Seniorenberaterin und Flüchtlingsbeauftragte im Laufe der Jahre viele Menschen in der Gemeinde kennen.
Genoss die Gespräche: Christine Fleiner lernte als Seniorenberaterin und Flüchtlingsbeauftragte im Laufe der Jahre viele Menschen in der Gemeinde kennen. © Patricia Reich

„Ich habe die Lupe vom Jahr 2000 mitgebracht. Dort habe ich mich das erste Mal der Gemeinde als neue Seniorenberaterin vorgestellt“, kommt Christine Fleiner bei einem Treffen mit unserer Zeitung gleich zum Thema und setzt sich mit dem gemeindeeigenen Mitteilungsblatt für Senioren in der Hand auf die Bank im Innenhof des Rosen-Treffs.

Rodenbach –Sie hat für die älteren Bürger der Gemeinde viel getan, viele Veranstaltungen organisiert, war zur Stelle und hatte stets ein offenes Ohr für alle Belange. Ihr Engagement galt als Flüchtlingsbeauftragte auch den Menschen, die sich in der Gemeinde eine neue Zukunft aufbauen wollen.

Fleiner meisterte zusammen mit ihrem Kollegen Peter Rudolph, vielen ehrenamtlichen Helfern und der Gemeindeverwaltung die Herausforderungen der Corona-Pandemie, die oftmals, wie sie beobachten konnte, zu einer starken Isolation der Senioren führte. „Doch nun ist es Zeit, etwas Neues anzugehen“, sagt die 52-Jährige.

Seit 1. März 2000 im Dienst der Gemeinde

Fleiner kommt aus Großauheim, ließ sich in Hanau zur Krankenschwester ausbilden und wechselte nach Gießen in die Psychiatrie. Nach ihrem Studium in Nürnberg leitete sie eine Einrichtung für mehrfachgeschädigte Alkoholiker. „Dann war mein erstes Kind unterwegs und mein Mann und ich beschlossen, wieder zurückzugehen.“ Doch als energiegeladene junge Mutter vermisste sie bereits fünf Monate nach der Geburt die Arbeit. „Ich merkte, ich muss was machen. Ich arbeite einfach unheimlich gerne“, sagt sie lachend. „Meine Schwester hat als Tagesmutter meinen Sohn genommen und meine Eltern haben auch mit unterstützt. Es war alles gut organisiert.“

Fleiner bewarb sich auf die offene Stelle in Rodenbach und trat am 1. März 2000 ihren Dienst an. „Mit meinem Studienschwerpunkt Altenarbeit hat das gut gepasst. Ich erinnere mich noch, dass wenige Tage später der Seniorenfasching auf dem Terminkalender stand“, lässt Fleiner die Vergangenheit Revue passieren. „Als ich anfing, ging es viel um Beratung. Die soziale Seite wurde mit Fahrten abgedeckt und ‘Die Lupe’ war bereits ein Ressort von uns. Und es gab schon den Rosen-Treff. Damals war es aber noch eine andere Generation von Senioren. Es waren viele alte Rodenbächer dabei.“ Vor allem von Karl Schad, der später Ehrenvorsitzender im Seniorenbeirat wurde, habe sie viel über Rodenbach erfahren. „Ich konnte ihn alles fragen.“ Den Einblick in das Leben der Kriegsgeneration habe sie sehr geschätzt und interessiert.

Arbeit ist sehr vielfältig

Als circa ein Jahr später Peter Rudolph ins Team der Seniorenberatung kam, habe Fleiner das sehr begrüßt. „Die Konstellation Mann und Frau fand ich super. Ich bin die Lebendige, Peter ist eher ruhiger. Das hat sehr gut harmoniert.“

Besonders gefallen habe ihr, dass die Seniorenarbeit so vielfältig gewesen sei. „Ich schätze die Gespräche und Geschichten und dass ich so die Senioren näher kennenlernen konnte. Besonders die Ausflüge und Fahrten haben mir sehr viel Spaß gemacht.“

Eine Sache fasziniert Fleiner nach wie vor: „Hier sagt man erst den Nachnamen, dann den Vornamen oder meist auch erst den Beruf und dann den Vornamen, so wie Streuselkuchen Erna oder Milch Uwe.“ Eigentlich habe sie noch vorgehabt, die Mundarten und Dialekte, vor allem die in Oberrodenbach, in einem kleinen Buch zusammenzufassen. „Das hat mich schon immer interessiert. Dazu bin ich leider nie gekommen.“ Auch hätte sie gerne noch einen Bildband zusammengestellt, in dem Örtlichkeiten so wie sie früher aussahen und wie sie heute aussehen, gegenübergestellt werden. „Das haben wir mal mit Rodenbacher Persönlichkeiten für eine Ausstellung gemacht. Sie haben die gleiche Pose eingenommen wie auf dem alten Foto und wir haben die Geschichten der Menschen erzählt. Das war schön.“

Herzlichkeit und Ehrlichkeit der Senioren beeindruckte

Beeindruckt habe sie auch die Herzlichkeit der Senioren. „Meine Vorgängerin, Frau Neidhardt, war schon eine Größe. Dennoch wurde ich herzlich aufgenommen. Die Senioren haben mir eine Chance gegeben und die habe ich ergriffen.“

Fleiner legte immer Wert darauf, dass bei den Ausflügen auch ein „gewisses Maß an Bildung dabei war, wie ein Ausflug ins Städel. Die Fahrten sollten interessant sein.“

Zu schätzen lernte Fleiner die Treue der Senioren und ihre direkte Art. „Ich bin auch ziemlich direkt, aber wenn den Senioren etwas nicht gepasst hat, dann haben sie es gleich auch so gesagt. Da musste ich anfangs etwas schlucken. Habe aber gelernt, damit umzugehen.“

Thema Demenz im Fokus

Vor allem im Zuge der Corona-Pandemie rückte das Thema Demenz verstärkt in den Fokus der Seniorenbeauftragten. Das gehe auf eine einprägsame Begegnung zurück, wie sie erzählt. „Auf einer der traditionellen Schifffahrten war eine Demenzkranke dabei. Später pitzte sie mich in die Backe und sagte ‘die kann ich gut leiden’. Das war so ehrlich. Seitdem beschäftige ich mich mit Demenz.“ So hatte sie im Mai einen Vortrag zu dem Thema organisiert.

„Bürgermeister Schejna und der ehemalige Bürgermeister Raabe hatten stets ein offenes Ohr für meine Ideen und waren auch offen, diese umzusetzen. Solange es nicht ganz abstrus war, konnte ich vieles ausprobieren.“ Hervorzuheben sei zudem die „super Vernetzung“ mit den Alten- und Pflegezentren, der Diakonie und mit dem Kreis. Auch die Vereine haben Fleiner imponiert. „Vor allem mit Blick auf schwindende Mitgliederzahlen ist es enorm, dass bei Festen wie dem Frühlingsfest immer was aus dem Boden gestampft wurde und stets die Bereitschaft da war, etwas zu tun.“

Großes Netzwerk aufgebaut

Viel ehrenamtliches Engagement vonseiten der Bürger habe sie auch bei der Flüchtlingsarbeit erlebt. „Es war schön, mit den Freiwilligen zusammenzuarbeiten. Wir konnten ein großes und gutes Netzwerk aufbauen, von dem wir jetzt mit der Ukraine profitieren.“ Vor allem sei es ihr als Flüchtlingsbeauftragte um die Geschichten der Menschen gegangen. Dabei blieben ihr das gemeinsame Kochen, die Feste und das Frauencafé in guter Erinnerung. Die besten Momente seien stets gewesen, wenn die Flüchtlinge und Asylsuchende gut in der Gemeinde ankamen und integriert wurden.

Wünsche für die Zukunft

In den 22 Jahren bei der Gemeindeverwaltung gab es „viele schöne Momente, es wurde viel gelacht und es herrschte ein schönes Arbeitsklima“, fasst Fleiner zusammen. Für die Seniorenarbeit und die Gemeinde wünscht sie sich, dass der Seniorenbeirat weiter gefördert wird. „ Die Vorsitzende Karin Nowak ist sehr engagiert und hat viele tolle neue Ideen.“ Mit Blick auf die Wahl im November hofft sie, dass viele beim Seniorenbeirat mitmachen. „Die sind mir ans Herz gewachsen. Sie sollen weiterhin ihre Ideen einbringen können.“

Den Senioren der Gemeinde wünscht Fleiner, dass „sie weiterhin aktiv bleiben und sich in der Gemeinde gut aufgehoben und wohlfühlen. Die Senioren gehören auch zur Gemeinde und haben viel Wissen beizutragen.“

Abschied

Christine Fleiner verlässt nach 22 Jahren die Seniorenberatung der Gemeinde und wird sich beruflich neu orientieren. Ihr offiziell letzter Arbeitstag ist am 30. Juni, allerdings wird sie bereits am morgigen Mittwoch zum letzten Mal an ihrem Arbeitsplatz erreichbar sein. Eine Verabschiedungsfeier ist in Planung, die gleichzeitig eine Willkommensfeier für ihren Nachfolger oder ihre Nachfolgerin sein wird. Ein Nachfolger steht bisher noch nicht fest, da die Bewerbungsfrist erst vor wenigen Tagen ausgelaufen ist. Genauere Angaben zur Feier werden rechtzeitig bekannt gegeben. (Von Patricia Reich)

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