Rodenbachs Verneigung vor den Opfern der Gewaltherrschaft: Diese Gedenktafel befindet sich am Museum. Foto: PM

Rodenbach

Rodenbacher SPD verhindert Rodenbacher Stolpersteine

Rodenbach. Die CDU hat mit ihrem Antrag auf Verlegung von sog. Stolpersteinen als Hinweis auf Wohnorte einstiger jüdischer Mitbürger keine Mehrheit gefunden. Die SPD, die in der Gemeindevertretung über die absolute Mehrheit verfügt, lehnte den Antrag in der Sitzung am Donnerstagabend ab.

Von Reinhard Breyer

Das Thema Erinnerungskultur hatte bereits im Jahr 2011 für lebhafte Diskussionen in der Kommune gesorgt. Seinerzeit entschieden sich die Gremien für eine Gedenktafel, die 2012 an der Mauer des Heimatmuseums enthüllt wurde.

Keine Bevorzugung einzelner GruppenDamals verständigten sich die Entscheidungsgremien in enger Abstimmung mit den beiden Kirchengemeinden und dem Geschichtsverein auch darauf, keine der Opfergruppen und Verfolgten der Nazidiktatur besonders herauszugreifen. Die Gedenktafel hat folgenden Text: „Bürgerinnen und Bürger jüdischen Glaubens waren unsere Nachbarn. Während der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft 1933 – 1945 wurden sie verfolgt und ermordet. Ihrer sowie aller anderen Opfer gedenken wir. Was war, darf sich nicht wiederholen.“

Zugleich brachte Walter Geppert, Mitglied im Geschichtsverein, eine Dokumentation unter dem Titel „Sie waren unsere Nachbarn“ heraus, die das Schicksal der einst 24 jüdischen Mitbürger schildert.

Ziel ist eine bewusstere BeschäftigungNach Ansicht der CDU böte das Erinnern an konkrete Namen eine bewusstere Beschäftigung mit der Geschichte der Rodenbacher Juden, so der Gemeindevertreter Bernd Schminke. Die Gedenktafel sei richtig und gut, doch es fehle die Nennung von Namen. Sobald man mit diesen konfrontiert werde und wisse, wo die jüdischen Bürger gelebt haben, „sieht die Welt anders aus“.

SPD-Fraktionschef Norbert Link wies auf die Diskussion vor sechs Jahren hin. Damals sei das Für und Wider sehr ausführlich abgewogen worden. Stolpersteine seien umstritten. Nachkommen monierten oftmals, ihre Vorfahren würden dadurch ein weiteres Mal mit Füßen getreten und gedemütigt. Die Entscheidung hätten sich die Gremien seinerzeit nicht einfach gemacht. Sie sei einstimmig gefallen.

Gedenkstunde als Teil der ErinnerungskulturDer Vorsitzende der Gemeindevertretung, Walter Geppert (SPD), hatte vor wenigen Tagen in einer Ausschusssitzung vorgeschlagen, eine Gedenkstunde beispielsweise als weiteren Beitrag zur Erinnerungskultur in der Gemeinde durchzuführen, entweder am Volkstrauertag oder dem Internationalen Holocaust-Gedenktag.

Dieser Vorschlag wurde von Gemeindevertretern nun nicht aufgegriffen. Geppert will, wie er erklärte, für diese Form des Erinnerns weiterhin werben.

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