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Rodenbacher hat mehr als 16.000 Nachtfalter in seiner Sammlung

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Nachtfalter in den herrlichsten Farben hat der Rodenbacher Reiner Zell über die vielen Jahre hinweg gesammelt. Bisher sind es über 16.000 Exemplare. Foto: Ulrike Pongratz
Nachtfalter in den herrlichsten Farben hat der Rodenbacher Reiner Zell über die vielen Jahre hinweg gesammelt. Bisher sind es über 16.000 Exemplare. Foto: Ulrike Pongratz

Rodenbach. Mit über 16 000 Exemplaren und mehr als 1000 Arten besitzt der Rodenbacher Reiner Zell eine der größten privaten Schmetterlingssammlungen im Main-Kinzig-Kreis.

Von Ulrike Pongratz

Wenn der passionierte Entomologe die beiden unscheinbaren Wandschränke in seinem Arbeitszimmer öffnet, dann sieht der leidenschaftliche Sammler nicht nur einfach Falter, sondern es werden Erinnerungen wach – an besondere Fangnächte und Ereignisse.

109 Kästen mit 16 164 Exemplaren und 1359 Arten, davon 13 dunklere Kästen mit Rhopalocera (Tagfalter), 42 mit Noctuidae (Eulenfalter), 30 Geometridae (Spanner) und 24 Bombyces und Sphinges (Spinner und Schwärmer), listet die Sammlungsübersicht aus dem Jahr 2010 akribisch auf. „Inzwischen sind es vielleicht ein paar mehr, aber seit etwa zehn Jahren bin ich nicht mehr so aktiv“, erklärt Zell. In den dunklen Kästen sind – sorgfältig genadelt – die Tagfalter aufbewahrt.

109 Kästen mit 1359 Arten

Den größten Teil der Sammlung machen aber die Nachtfalter aus. Von etwa 3700 heimischen Schmetterlingsarten zählen nur etwa 190 Arten zu den Tagfaltern, der überwiegende Teil sind Nachtfalter.

Über 40 Jahre Sammlerwissen ist in den Kästen gebannt – und kam mit einer schier unglaublichen, präzisen Erinnerung zum Vorschein, vor allem aber wurde deutlich: Das hier ist ein Lebenswerk. 100 Jahre etwa halten die Präparate, wenn sie gut vor dem Museumskäfer geschützt werden.

Unzählige Nächte hat Zell damit verbracht, Fangnetze aufzubauen, in die er mit Blaulicht die Falter lockt, sie zu bestimmen und zu zählen, einzelne Exemplare in Glasröhrchen zu fangen, um sie schließlich zu nadeln, zu präparieren und mit Fundetikett versehen in Schaukästen zu sammeln.

„Fünf Minuten braucht man mindestens, bis ein Falter mit dem Präparierbesteck in die richtige Position gebracht ist, manchmal dauert es länger“, erklärt der Rodenbacher und fügt hinzu: „Des kost Nerve.“ In der Umgebung von Rodenbach, auf den Trockenrasen um Schlüchtern, in der Bulau und in Naturschutzgebieten hat Zell seine große „Leinwand“ schon aufgestellt und Nachtfalter gezählt und gefangen – auch viele Jahre für das Senckenberg-Institut.

Präparate können gut geschützt etwa 100 Jahre halten

„Mit 17 Jahren bin ich mit dem Zug alleine nach Südtirol gefahren“, sagt er. Seither hat ihn das Hobby nicht mehr losgelassen. Im Naturschutzgebiet „Ohlsteinbruch von Steinau” im Main-Kinzig-Kreis hat Zell den Gesprenkelten Pappelspanner (Stegania cararia) gefunden – ein Erstnachweis für Hessen.

Schublade für Schublade gibt er seine unendlich scheinenden Kenntnisse preis, als Laie bekommt man immerhin eine Ahnung, was es bedeutet, ein Experte für Nachtfalter zu werden. „Diese unscheinbaren Tierchen hier, das sind die Weibchen des Kleinen Frostspanners. Sie haben keine Flügel und klettern an Bäumen hoch.“ Tatsächlich kann hier auch der Laie Männchen und Weibchen unterscheiden, bei anderen Arten tut sich das ungeübte Auge schwer. „Hier, das ist ein Weibchen, der Hinterleib ist viel dicker und etwas ausgefranst.“

Das kleine Nachtpfauenauge ist zu sehen – eine Art, die gerade im Keller in einem Terrarium überwintert. Aus den unscheinbaren, kaum erkennbaren Kokons sollen im Frühjahr die Nachtfalter schlüpfen.

„Wenn ich mit dem Wetter Glück habe, dann locken die Weibchen mir ein paar Männchen an und ich kann das Kleine Nachtpfauenauge selbst züchten“, hofft Zell. Dann wird er die Raupen in Pappschachteln großziehen. Das kleine Nachtpfauenauge (Saturnia pavonia) zählt zu den größten und farbenprächtigsten heimischen Nachtfaltern. Die Männchen besitzen kontrastreiche Flügel in Orange, Weiß und Schwarz, die Weibchen sind unauffällig, aber größer als die farbenprächtigen Männchen.

Reiner Zell lassen die nachtaktiven Insekten einfach nicht los. Noch immer schaltet er in erfolgversprechenden Flugnächten das Blaulicht auf seinem Balkon ein. Etwa 20 Minuten nach Sonnenuntergang beginnen die Nachtfalter zu fliegen. „Bei Vollmond oder Wolken ist der Anflug miserabel“, erklärt Reiner Zeller. Deshalb berechnet er für jedes Jahr lichtfanggünstige Mondphasen und hat seine Methode bereits 1985 in den NEVA, den Nachrichten des Entomologischen Vereins Apollo, veröffentlicht. Bei Apollo, dem entomologischen Verein, gegründet 1897, mit Sitz in Frankfurt ist der Rodenbacher natürlich noch Mitglied.

Seit ein paar Jahren schon ist er aufs Rad umgestiegen und auch hier notiert er akribisch seine Fahrten und setzt sich immer wieder neue Ziele. „194 917 Kilometer bin ich in den letzten 14 Jahren geradelt – in diesem Jahr schon fünf Touren mit über 100.“

Aber so schnell kann man nicht von alten Gewohnheiten lassen. Rainer Zell hat immer eine Filmdose aus den Zeiten der analogen Fotografie in der Tasche – falls ihm doch ein besonderes Exemplar vors Rad fliegen sollte. „Das Schlimmste was es gibt: Du hast nix dabei.“

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