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Rodenbacher Joscha Friedrich radelt mit seiner Freundin von Berlin nach Phuket

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Von: Patricia Reich

15 000 Kilometer durch die Welt: Anfang August starteten Xenia Buchmüller und Joscha Friedrich ihre große Fahrradtour nach Phuket.
15.000 Kilometer durch die Welt: Anfang August starteten Xenia Buchmüller und Joscha Friedrich ihre große Fahrradtour nach Phuket. © Privat

„Trifft sich gut, wir sind gerade beim Frühstücken auf einer Parkbank“, tönt es fröhlich aus dem Telefonhörer. Joscha Friedrich befindet sich zum Zeitpunkt des Telefonats mit unserer Redaktion gerade mit seiner Freundin Xenia Buchmüller in Ungarn.

Rodenbach – In einer vorhergehenden E-Mail machten sie auf ihr ganz besonderes Projekt „Pedals for Paws“ aufmerksam, das auch als großes Abenteuer bezeichnet werden kann. Denn Friedrich, der in Rodenbach aufgewachsen ist, und seine Freundin haben sich aufs Rad geschwungen, um ins thailändische Phuket zu fahren. Polen, Tschechien und die Slowakei liegen bereits hinter ihnen.

Doch den beiden geht es nicht nur darum, Länder und Leute kennenzulernen, sondern dabei auch noch Spenden für die Tierschutzorganisation Soi Dog Foundation zu sammeln, die auf der thailändischen Insel Phuket ihren Sitz hat.

Friedrich war bereits selbst dort vor Ort und beschäftigt sich seitdem mit dem Problem der Straßentiere in Südostasien. „Ziel ist es, 30.000 Euro für eine mobile Tierklinik zu sammeln, die die Straßentiere versorgt und zur Reduzierung der Population beiträgt“, erklärt er. Da das Paar die gesammelten Gelder gerne selbst symbolisch überreichen wollen, war das Reiseziel ihres Vorhabens schnell gewählt.

Paar sammelt Geld für Tierklinik

Doch wie ist der 30-Jährige und seine 31-jährige Freundin auf die Idee gekommen, rund 15.000 Kilometer mit dem Fahrrad zu fahren und wie finanzieren sie die Reise? Vieles hat mit der Vergangenheit der beiden zu tun. Xenia Buchmüller kam mit vier Jahren von Russland nach Niedersachsen. Seitdem wurde ihr Name im deutschen Pass auf Katharina geändert. Aufgewachsen ist sie mit zwei Kulturen. „Zwischen zwei Stühlen zu sitzen und ständig mit Vorurteilen konfrontiert zu werden, hat mich zudem sensibel und offen für andere Weltanschauungen gemacht“, beschreibt sie sich selbst auf ihrer Webseite.

Buchmüller entdeckte während ihres BWL-Studiums in Bremen und später in Münster die Welt. Reiste nach Südafrika, Australien, Südostasien und Lateinamerika. Genauso wie Friedrich, der Politik in Mannheim und Bildungswissenschaften in Enschede studierte, engagierte sie sich bei der internationalen Studierendenorganisation AIESEC. Friedrich war für Buchmüller der Ansprechpartner. So lernten sie sich kennen und lieben.

Seit 2019 wohnen sie zusammen in Berlin und arbeiteten im Personalbereich von Berliner Start-up-Unternehmen. „Wir sind schon immer viel gereist, waren gemeinsam in Nepal. Aber wir wollten nicht mehr die kleinen, zeitlich beschränkten Reisen unternehmen. Wir wollten intensiv Länder und Leute kennenlernen“, erzählt Friedrich. Eines Tages trat seine Freundin nach einem ausgiebigen Bad ins gemeinsame Wohnzimmer, erinnert sich der gebürtige Rodenbacher. „Sie hat beim Baden eine Doku geschaut zum Thema ‘Mit dem Fahrrad um die Welt’. Ich saß auf dem Sofa, sie schaute mich an und sagte, das sollten wir auch machen. Sie hat viele Ideen und nicht immer bin ich mit allem einverstanden, aber das war der Startschuss.“

Eineinhalb Jahre Vorbereitung

Seit Januar 2021 fingen sie aktiv an, ihren Plan in die Tat umzusetzen. Kauften Ausrüstung, suchten Sponsoren, erstellten einen Finanzplan. „Wir haben unseren Lebensstil komplett umgestellt, um die Reise finanzieren zu können.“ Alles sei eigenfinanziert, sagt Friedrich nachdrücklich. „Wir haben so gespart, dass wir zwei Jahre lang reisen können. „Das Reisen mit Fahrrad sei billig, merkt er an. „Wir schlafen im Zelt oder machen Couch-Surfing. Das meiste Geld geht für Lebensmittel drauf.“

Friedrichs Mutter, die noch immer in Rodenbach lebt, habe sehr positiv auf die geplante Tour durch die Welt reagiert, auch wenn sie traurig sei, dass sie ihren Sohn so lange nicht sehen wird. Buchmüllers Papa jedoch habe sich zunächst große Sorgen um seine Tochter gemacht und seine Begeisterung habe sich in Grenzen gehalten. „Aber sie folgen uns über die sozialen Medien und bekommen viel mit. Die erste Panik konnten wir ihnen nehmen“, sagt Friedrich lachend. „Es gibt viele Vorurteile gegenüber anderen Ländern. Es ist schön, dass wir zeigen können, dass die Länder auch andere Seiten haben.“

Alle Länder und Stationen dokumentiert das Paar auf ihrer Webseite und in den sozialen Medien.
Alle Länder und Stationen dokumentiert das Paar auf ihrer Webseite und in den sozialen Medien. © Privat

Über die Länder, die sie durchqueren werden, haben sie sich vorher kaum informiert. „Wir hatten bis zum Tag, als es losging, noch keine Route geplant. Wir wussten nur: erst mal Richtung Osten, also nach Polen.“ Hinzu kam dann ein Schlenker über Tschechien, wo eine Familie ihnen spontan Unterkunft gewährte und mit ihnen ein Heidelbeerfest feierte. Eine von wohl vielen schönen Reiseerinnerungen. „Wir fahren einfach kreuz und quer und wollen uns treiben lassen“, so das Ziel. In einem polnischen Nationalpark sind sie unter Wolfsgeheul eingeschlafen. „Es ist uns kalt den Rücken runtergelaufen. Das Geheul war laut und lange. Aber auch ein tolles Gefühl.“

In eineinhalb Jahren mit dem Fahrrad nach Thailand

Beide schätzen, dass sie in eineinhalb Jahren Thailand erreichen werden. „Wir nehmen nicht den schnellsten Weg. Machen Pausen. Im Winter möchten wir aber eher am Äquator sein als im kasachischen Gebirge.“ Ein Sehnsuchtsland von ihnen sei der Iran, aber auch Kirgistan und Tadschikistan würden sie reizen. „Natürlich sind wir nicht so naiv und fahren durch Kriegsgebiete, sondern wählen einigermaßen sichere Länder für die Route aus“, betont Friedrich.

Gespannt seien sie, welche Herausforderungen noch auf sie warten. „Wir sind untrainiert und nicht so die Radfahrer eigentlich. Wir haben lediglich mal eine Fahrradtour von Berlin nach Potsdam und zurück gemacht. 4000 Meter Berge sind wir noch nie hochgefahren.“ Und auch als Paar sei eine solche Reise eine große Herausforderung. „Aber man kann auch mal mit Abstand Fahrrad fahren“, sagt Friedrich lachend.

Die meiste Angst hat er eher vor dem Straßenverkehr als vor den Menschen. „Wir haben ein gewisses Urvertrauen von unseren vorherigen Reisen und haben gelernt: Menschen sind gut und helfen dir.“

Pedal for Paws

Auf der Webseite www.pedalforpaws.org informieren die Abenteurer über sich, die Reise und die Tierschutzorganisation, an die die Spenden über GoFundMe direkt überwiesen werden können. Über den Instagram-Kanal „project.pedalforpaws“ gibt es zusätzlich einen regelmäßigen Einblick in ihre Reise. Aktuell befinden sie sich in Serbien. Von Patricia Reich

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