Rodenbacher Lokalpatrioten: Artur (links) und Eberhard Wiegelmann. Foto: Breyer

Rodenbach

Die Rodenbacher Brüder Wiegelmann im "Morgenmagazin"

Rodenbach. Sie sind zwei Vorzeige-Brüder der Kommunalpolitik: Der eine ist Jahrgang 1935 und seit fünf Jahrzehnten überzeugter Sozialdemokrat, der andere Jahrgang 1941 und erst seit wenigen Jahren CDU-Mitglied. Beide tragen als ehrenamtliche Beigeordnete Verantwortung im Gemeindevorstand.

Von Reinhard Breyer

So unterschiedlich die Ansichten von Artur (SPD) und Eberhard (CDU) Wiegelmann in der Sache auch sind: „Politisch wird gerne gestritten, aber privat nie“, lautet ihr Lebensmotto.Die Konstellation der Brüder, die im April vorigen Jahres in der HA-Serie „Politische Familien“ unter der Überschrift „Rodenbacher Lokalpatrioten“ porträtiert wurden, ist schon eine Rarität in der kommunalpolitischen Landschaft – nun schafften es die beiden sogar ins ARD-„Morgenmagazin“.Ein Fernsehteam drehte vor wenigen Tagen einen kurzen Vorspann unter dem Titel „GroKo Bros.“ während einer Ausschusssitzung im Rodenbacher Rathaus. Dann fuhren die beiden nach Köln ins WDR-Studio und äußerten sich für das „Morgenmagazin“.Die Botschaft des Fernsehbeitrags: Auf lokaler Ebene funktioniert das Zusammenspiel von SPD und CDU bestens, auch wenn die Rodenbacher Genossen die absolute Mehrheit haben und eine GroKo im Rathaus deshalb kein Thema ist. „Hier funktioniert die GroKo brüderlich“, heißt es in dem Beitrag.Gegenseitiger Respekt, Verlässlichkeit, Harmonie trotz politischer Differenzen, Ehrlichkeit und Verantwortung für Deutschland – so könnte es auch im Großen, also in Berlin laufen, sagte der Moderator. Wenn also gewisse Grundtugenden beherzigt werden, funktioniert das Tagesgeschäft reibungslos.

158 Jahre LebenserfahrungNatürlich wollte Moderator Sven Lorig von den Brüdern mehr über ihre Eindrücke und Erwartungen an die Bundespolitik wissen. Schließlich verkörpern die beiden insgesamt 158 Jahre Lebenserfahrung.Anfangs war der SPD-Wiegelmann gegen eine große Koalition. Doch nun stimmte er im Mitgliederentscheid für die GroKo. Nach dem kläglichen Scheitern von Jamaika und dem Machtwort des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier sei ihm klar geworden, dass Neuwahlen auch aus Kostengründen keine Lösung seien.Große Hoffnungen setzt Artur Wiegelmann jetzt in Olaf Scholz, den kommissarischen SPD-Chef. Der könnte nach den langen internen Querelen und der Talfahrt in der Wählergunst auf zuletzt 16 Prozent wieder Ruhe in die Partei bringen. Die SPD habe schließlich viele Leute, die fähig seien, sich im Regierungsapparat einzubringen. Auch bei den Jusos seien viel Gedankengut und Intelligenz vorhanden, die Partei personell und inhaltlich zu erneuern.Auch sein „schwarzer Bruder“ hat noch Hoffnung mit Blick auf die Bundesebene. Grundsätzlich sagt er: „Vorpreschen und andere in die Pfanne hauen“ gefalle ihm nicht, sagte der 76-jährige Eberhard Wiegelmann.Nicht ganz einverstanden ist er auch mit den personellen Weichenstellungen der Kanzlerin, der Verlust des Finanz- und des Innenministeriums für die CDU befremdete ihn anfangs.Auch das Hin und Her nach dem Urnengang erschließt sich ihm nicht. Erst sei man auf gutem Weg in Richtung Jamaika-Bündnis unterwegs gewesen, doch dann habe FDP-Chef Christian Lindner die Courage verloren. Er habe offenbar Angst vor der Verantwortung und vor großen Aufgaben bekommen und das Modell damit sei geplatzt. Jetzt brauche man eine stabile Mehrheit. In diesem Punkt sind sich die beiden einig.

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