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Rodenbach: Bedürftige können sich bei der Aktion „Lebensmittelkorb“ der Kirchengemeinde versorgen

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Im „Lebensmittelkorb“ gibt es neben haltbaren Waren und Grundnahrungsmitteln auch frische Ware wie Obst und Gemüse.
Im „Lebensmittelkorb“ gibt es neben haltbaren Waren und Grundnahrungsmitteln auch frische Ware wie Obst und Gemüse. © Ulrike Pongratz

Halb zwölf Uhr mittags an einem Freitag im Februar. Vor dem „Kirchentreff“ der evangelischen Kirche in Rodenbach hat sich eine Schlange von etwa zehn Menschen gebildet. Sie stehen alleine oder zu zweit, nicht dicht gedrängt, sondern auf Abstand. Einige unterhalten sich, andere laufen ein wenig hin und her, um sich warm zu halten.

Rodenbach – Seit elf Uhr vormittags hat der „Lebensmittelkorb“ seine Türe geöffnet. Ehrenamtliche Mitarbeiterinnen – Lars Härtel ist tatsächlich der einzige Mann im Team – geben hier Lebensmittel und andere Waren des täglichen Bedarfs an Menschen in Rodenbach ab, die über ein geringes Einkommen verfügen.

„Stellen Sie sich ruhig hier mit unter“, ruft ein junges Pärchen und rückt unter dem schützenden Dach ein wenig nach hinten. Eben fängt es an zu tröpfeln und der Wind bläst eisig um die Ecke in den Innenhof. Sie seien zum ersten Mal hier, sagen die jungen Leute. Sie erzählen, sie hätten ihren Job verloren und es dauere eben, bis alle Formulare ausgefüllt und wieder Geld auf dem Konto sei. Aber essen müsse man ja trotzdem. „Wir finden den Lebensmittelkorb richtig klasse. Wir sammeln Dosen, wenn wir mit unserem Hund unterwegs sind. Das Pfand haben wir immer gespendet – und das werden wir auch weiterhin machen.“

Zahl der Kunden in der Pandemie verdoppelt

Ein paar wärmende Sonnenstrahlen schaffen es durch die Wolkendecke, die beiden setzen sich auf eine nahe Bank, rauchen eine Zigarette. Hier drängelt sich niemand vor, Jung und Alt warten geduldig, bis sie an der Reihe sind. Es sind Menschen, die ihre Arbeit verloren haben, wie ein ehemaliger Wachmann, oder Menschen, die ihre Kinder und viele Enkel zum Teil mitversorgen.

„Waren es vor der Pandemie eher zwischen fünf und zehn Menschen, die für Lebensmittel anstanden, so sind es jetzt eher zwischen zehn und zwanzig“, sagt Pfarrerin Lisa Henningsen am Telefon. Gegen Ende des Monats steige die Zahl meist an. Es gäbe einige Stammkunden, aber nicht alle Menschen kämen jeden Freitag, sondern nur, wenn das Geld wirklich knapp werde.

Um elf Uhr vormittags öffnen die Ehrenamtlichen Mitarbeiter die Türen des „Lebensmittelkorb“ am Kirchentreff im Heimatmuseum, Kirchstraße 9, in Niederrodenbach.
Um elf Uhr vormittags öffnen die Ehrenamtlichen Mitarbeiter die Türen des „Lebensmittelkorb“ am Kirchentreff im Heimatmuseum, Kirchstraße 9, in Niederrodenbach. © Ulrike Pongratz

In der Kirchgasse betreten die Menschen den kleinen Raum nur einzeln. „Je nachdem, was es gibt, darf man sich zwischen acht und zehn Grundnahrungsmittel – also Reis, Nudeln, Öl und so was aussuchen“, sagt eine ältere Frau. „Und dann gibt es mal diese, mal jene Spende zusätzlich.“ Die Metzgerei Dedio vakuumiere oft Reststücke.

„Die Armut im Alter ist weiblich“

Die Seniorin wartet seit kurz nach 10 Uhr morgens und ist dick eingepackt: zwei Paar Socken, Mütze, Schal, Handschuhe. Trotzdem sei sie dann durchgefroren, meint sie. Seit einem Jahr sei sie nun Rentnerin, und seither komme sie jeden Freitag zum Lebensmittelkorb. „Die Armut im Alter ist weiblich“, sagt sie.

Obwohl sie mit 17 Jahren angefangen habe zu arbeiten, erhalte sie nur eine geringe Rente: Sie habe zwischendrin studiert, Kinder erzogen, Teilzeit gearbeitet – wie das eben so ist. „Es gibt junge Mütter, die stehen hier schon um acht Uhr morgens, weil sie ihre Kinder pünktlich vom Kindergarten abholen müssen. Das schaffe ich nicht mehr. Aber im Sommer wird es wieder leichter“, sagt sie noch, ehe sich dann für sie die Türe öffnet. Einige Minuten später wird sie lächelnd und mit gut bepacktem Trolley allen ein schönes Wochenende wünschen.

„Die Spendenbereitschaft ist zum Glück unvermindert hoch“, berichten Pfarrerin Henningsen und Pia Härtel, die zusammen mit ihrem Mann bei der Aktion Lebensmittelkorb ein Team bildet. Pia Härtel erklärt am Telefon, was alles zu ihren Aufgaben als Ehrenamtliche gehört: Die Spendenboxen bei Nahkauf Reinert und Rewe Rodenbach regelmäßig leeren und in den Räumen der Gemeinde in den Schränken verstauen.

Team der Ehrenamtler braucht Verstärkung

Von den Pfandbons werden die Grundnahrungsmittel gekauft, die eventuell fehlen, wie Reis, Nudeln, Öl. Am Mittwochabend zwischen 18 und 19 Uhr können Spenden direkt im Kirchentreff in der Kirchgasse abgegeben werden. Freitagvormittag sammeln die Ehrenamtlichen die letzten Spenden ein und legen die Waren übersichtlich auf die Tische. Pia Härtel sagt, es bereite ihr weiterhin Freude, wenn sie die Menschen so unterstützen könne.

Im Augenblick sind es vor allem Frauen in Rente, die sich beim Lebensmittelkorb engagieren. Immer mehr Kisten schleppen, immer längere ehrenamtliche Arbeit, das können nicht alle Damen leisten. Wie sie die steigende Nachfrage künftig bewältigen wollen, das beschäftigt vor allem Pfarrerin Henningsen. „Ja, Verstärkung im Team könnten wir gut gebrauchen. Aber wir werden auch darüber sprechen, ob und wie wir das System abändern müssen, damit es nicht zu einer Überlastung führt.“

Pfarrerin Henningsen hat keineswegs zu hoch geschätzt: 29 Personen standen an einem Freitag Vormittag Anfang Februar für Lebensmittel an, viele darunter, die eine Familie versorgen.

Infos im Internet

Weitere Informationen zur Aktion „Lebensmittelkorb“ erteilt die Evangelische Kirchengemeinde Rodenbach auf ihrer Internetseite unter der Adresse ekro.de/lebensmittelkorb-3

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