Stolz präsentiert Mankel die Urkunde für den gerade erst verliehenen ersten Platz durch die Apfelweinfreunde Rhein-Main für seinen „Drei-Sterne-Tropfen“. Foto: Habermann

Rodenbach

Peter Mankel ist der Meister des süffigen Stöffches

Rodenbach. Er trägt den Titel eines Äppelwoi-Königs, in seinem Partykeller hängen Urkunden wie Tapeten an den Wänden, stapeln sich nebenan bauchige Gärflaschen, kleine Fässer und Kelter-Utensilien: Peter Mankel, Jahrgang 1946 und gebürtiger Dörnigheimer, ist nicht nur Kultfigur der hessischen Apfelweinszene.

Von Rainer Habermann

Als wir Mankel in seinem Haus in der Nähe des Bahnhofs Rodenbach besuchen, wird bereits am Eingang klar, warum das „nicht nur“ hier steht. Weintrauben hängen in wahren Massen unter dem Carport, der Rodenbacher keltert und produziert auch Traubenweine der äußerst süffigen und wohlschmeckenden Art.

Trockenster Sommer der jüngeren Geschichte

Der Sommer 2018 gilt als einer der trockensten in der jüngeren Geschichte und als einer der heißesten über einen sehr langen Zeitraum. Was in der deutschen Landwirtschaft zu Ernteausfällen in Höhe vieler Millionen Tonnen Getreide und Futterpflanzen geführt hat, entpuppt sich aber für Winzer als Segen. Die Weinlese, die in einigen Regionen bereits Anfang August begonnen hatte – so früh wie nie zuvor –, beschert den Rebenanbauern Rekord-Oechsle-Grade in ihrem Traubenmost, was bedeutet: Der fertige Wein mit Jahrgang 2018 könnte wohl ein „Jahrhundertwein“ werden. Jedenfalls, wenn man ihn mit Jahrgängen des 20.

Jahrhunderts misst: Das 21. ist ja noch jung und kann vielleicht noch ganz andere Spitzen gebären, sieht man den Klimawandel. Aber er dürfte jedenfalls bisherige Rekordmarken der Jahre 2007 oder 2011, etwa, übertreffen, auch im internationalen Maßstab.Überzeugen kann man sich übrigens von der Weinqualität schon heute: „Federweißer“, anfänglich vergorener Traubenmost, ist bereits seit Wochen im Handel. Der „Süße“, das Pendant beim Apfel, wird erst seit einigen Tagen ausgeschenkt. Das hängt damit zusammen, dass trotz Rekordsommer bestimmte Apfelsorten noch immer an den Bäumen reifen und manche, wie etwa der „Bohnapfel“, in der Regel erst im Oktober geerntet werden. Trotzdem haben Sorten wie der „Gravensteiner“ laut Verband Hessischer Apfelwein- und Fruchtsaft-Keltereien bereits jetzt die nötige Süße von mindestens 45 Grad Oechsle-Zuckergewicht.

Humorvoller "Unruheständler"

Das alles haben wir im Hinterkopf, als wir Mankel treffen. Aber das hätten wir gar nicht haben müssen. Der 71-jährige "Unruheständler" (er hat im Dezember Geburtstag) und frühere Handwerksmeister als Dreher (Zerspanungstechniker), der 47 Jahre lang am Stück bei der Firma Samson in Frankfurt gearbeitet hat und der Samson „in seinem Herzen trägt“, wie er sagt, ist ein „Erklärbär“. Einer, der alles Wissen über sein Hobby, die Kelterei, in sich aufgesogen hat und es heraussprudelt. „Ich bin ja kein Rentner, ich habe einen 14-Stunden-Tag“, meint Mankel verschmitzt. Der Humor ist ihm ins Gesicht geschrieben, dem Apfelweinkönig des Jahres 2012. Den Titel hatten ihm damals die Apfelfreunde Rhein-Main in der Mühlheimer Kultstätte „Alte Wagnerei“ verliehen. Sein Stöffche konnte die meisten „Trinke mer selbst!“ der Jury auf sich vereinigen. Das ist ein Benotungssystem, welches mit „Essisch“ (Essig) beginnt, über „Na ja“ und „Kann mer verkaafe“ weitergeht, bis zur Bestnote. Auf seinem schwarzen T-Shirt prangt der Schriftzug in Gold, über einem angedeuteten „Gerippte“ und unter einem Goldkettchen, das Mankel mit Kreuz trägt.

Im Keller hängt eine weitere Urkunde von 2018 von den gleichen Apfelfreunden, die ihm als Selbstkelterer den ersten Preis für seinen „Drei-Sterne-Tropfen“ bescheinigt haben. Man könnte auch sagen: Urkunden pflastern seinen Weg. Und auf eine ist Mankel besonders stolz. Die mit echtem Wachssiegel anno 2017 und signiert vom Krönungskomitee „The Masters of Äppelwoi“ im „Deutschen Haus“ zu Hasselroth. Klar, dass die entsprechende Krone (aus Blech) an der Wand über der Urkunde hängt.

Eine langjährige Begeisterung für Apfelwein

„Meine Begeisterung von Anfang an galt ja dem Äppelwoi“, sagt der Kelterer, dessen Keller auch so mancher Kelterei in manchem Winzerverein zur Ehre gereichen würde. Es ist alles da, was das Herz eines jeden Hobby-Winzers und Hobby-Kelterers höher schlagen lässt. „Ich vermute mal ganz stark – belegen kann ich es nicht, weil meine Vorfahren nicht mehr leben –, dass ich 1947 nicht mit Weihwasser, sondern mit Äppelwoi getauft wurde“, erzählt Mankel nonchalant.

„Was heißt das? Muss auf Ihrem Grab folgerichtig dann einst ein Apfelbaum blühen?“, fragen wir. „Na ja“, grinst der autodidakte Keltermeister: „Oder 'n Bembel. Aber davon wollen wir nicht reden. Wir haben hoffentlich noch viele schöne Stunden, Wochen und vielleicht Jahre vor uns.“Dem ist nichts hinzuzufügen. Doch, eines noch: Mankel hat drei (erwachsene) Kinder, und eine Tochter wiederum drei Enkel. Unter ihnen Thea. Und Thea wurde genau an jenem Tag geboren, als der Opa Apfelweinkönig wurde. „Das ist ein gutes Omen“, befindet Mankel.

Sinn für Musik

Zudem hätten alle Kinder und Enkel viel Sinn für Musik. Den Belcanto, wie er sagt und singt. Und Italienisch kann er auch ein wenig. Zumindest hat er ein flottes „O sole mio“ parat. Ein Geburtstagsständchen der Enkel habe es ihm besonders angetan: „Der Don Pedro aus de Hainbornstraß', der mäscht gern Äppelwoi. De rote Trierer un de Boskopp, die komme mit enoi“.

Man merkt, hier ist viel Herz am Werk, beim Singen wie beim Keltern. Mittlerweile gehören auch Trauben zu Mankels Keltergut, nicht nur Äpfel. Und was er so an überaus süffigen Fruchtweinen herstellt, auch mit Schlehen, Johannisbeeren und anderen Obstsorten, streng nach den Regeln der Sauberkeit und zumindest in Anlehnung ans Bier-Reinheitsgebot, das lässt sich sehen und trinken. Zwar nur in kleinen Mengen, aber erlesen, wovon wir uns selbst ausgiebig überzeugen konnten.

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