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TGS Niederrodenbach: E-Sport-Abteilung stößt auf große Resonanz

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Das Online-Echtzeit-Strategie-Spiel „League of Legends“ ist bei den derzeit ausschließlich jungen Männern der neu gegründeten E-Sport-Abteilung der TGS Niederrodenbach besonders beliebt. Foto: Pompalla
Das Online-Echtzeit-Strategie-Spiel „League of Legends“ ist bei den derzeit ausschließlich jungen Männern der neu gegründeten E-Sport-Abteilung der TGS Niederrodenbach besonders beliebt. Foto: Pompalla

Rodenbach. Es wird heftig geklickt im Vorstandszimmer der TGS Niederrodenbach an der Bulauhalle. Fünf junge Männer mit hellblauen Headsets sitzen vor fünf PCs, völlig in das Echtzeit-Stragiespiel „League of Legends“ vertieft, in einer bunten Welt mit für Außenstehende unendlich vielen kleinen Bildern, Figuren und Statusanzeigen.

Von Hannah Pompalla

Doch für die jungen „Gamer“ ist das kein Problem, sie behalten den Überblick. „Es macht viel mehr Spaß, wenn man in der Gruppe in einem Raum spielt, als alleine vor dem PC zu sitzen“, findet der 18-jährige Julian Stützel aus Langenselbold. Jeden Freitagabend kommt er mit seinem Freund Nils Christ nach Rodenbach, um dort in der neu gegründeten E-Sport-Abteilung der TSG Rodenbach seine Fertigkeiten in einem seiner Lieblingsspiele, „League of Legends“, das als beliebtestes PC-Spiel der Welt gilt, zu perfektionieren.

E-Sport ist die Abkürzung für elektronischen Sport und bezeichnet den professionellen Wettstreit in Computer- und Videospielen, meistens im Mehrspielermodus.

Regelrechter Ansturm E-Sport ist zwar in Deutschland noch nicht als Sportart anerkannt. Dennoch handelt es sich um eine stetig wachsende Disziplin. So erfreuen sich etwa die Wettkämpfe, die auch in deutschen Metropolen vom weltweit größten Turnier-Organisator veranstaltet werden, der Electronic Sports League (ESL) mit Sitz in Köln, einer großen Beliebtheit. Vor allem im Internet ist die Resonanz der Live-Streams mit einem Millionenpublikum enorm.

Kein Wunder also, dass der Rodenbacher Verein offene Türen einrennt. „Wir hätten mit diesem Zulauf gar nicht gerechnet“, erklärt der 31-jährige Frederik King vom Organisatorenteam. Er spricht von einem regelrechten „Ansturm“.

Bundesweiter TrendDamit folgt die TSG einem bundesweiten Trend: Große Fußballclubs wie Schalke 04, VfL Wolfsburg, der VfB Stuttgart und auch die Eintracht Frankfurt haben eigene E-Sport-Abteilungen gegründet, nicht zuletzt mit dem Ziel, neue Mitglieder zu gewinnen. „Wir sind der einzige Verein im Main-Kinzig-Kreis mit einer E-Sport-Abteilung“, hebt King hervor. Zurzeit kommen 18 Jugendliche – allesamt Jungs – zu den wöchtenlichen Treffen, die seit Anfang Oktober veranstaltet werden.

Die Spieleenthusiasten stammen nicht nur aus Rodenbach, Erlensee und Langenselbold, sondern auch aus Hanau und Umgebung. Und es werden immer mehr. „Viele haben noch kein Auto und müssen von ihren Eltern gefahren werden. Überhaupt sind die Eltern erstaunlich offen gegenüber der Freizeitbeschäftigung ihrer Kinder“, freut sich King.

HerausforderungenNach anfänglichen Schwierigkeiten, wie das Herausfliegen der Sicherung und notwendige Update-Installierungen, die inzwischen extern gesteuert werden können, läuft das Treffen inzwischen ohne technische Störungen. Angeschafft wurden die PC's und weiteres Equipment mit einem Budget von 4000 Euro, dass der Vereinsvorstand zur Verfügung stellte (wir berichteten).

Doch die extrem große Resonanz hat auch ihre Tücken. Denn der Verein ist an seine personellen und technischen Grenzen angelangt. „Wir bräuchten eigentlich noch mehr Betreuer und PC's“, so King. Schließlich habe man ursprünglich damit gerechnet, nur fünf neue Mitglieder zu gewinnen; doch die Zahl wurde bereits überschritten. Auf der anderen Seite sei es aber auch eine Herausforderung, den Neuzugang auch zu halten.

„League of Legends“ besonders beliebtUrsprünglich standen fünf E-Sport-Titel zur Wahl. Doch da es für „Heroes of the Storm“ und „World of Tanks“ zu wenig Interessenten gab, wird nun dienstagsabends von 18 bis 20 Uhr „Counterstrike: Global Offensive“ gezockt, freitagsabends „League of Legends“ von 18 bis 21 Uhr. Wegen des großen Andrangs zum letztgenannten Spiel gibt es hier sogar zwei Gruppen, jede trainiert eineinhalbstunden lang. In den Gruppen wechselt rund alle 20 Minuten das Team.

Die Organisatoren betonen, dass die die Kooperation im Team eine sehr große Rolle spiele. Man sitze nicht für sich alleine vor dem Rechner, sondern müsse sich, wie etwa auf dem Fußballfeld auch, miteinander verständigen. „Die Kommunikation ist ein Hauptaspekt des Spiels“, erläutert „League of Legends“-Trainer und Student Stefan Schneider. „Die Taktik und die Strategie müssen gut abgesprochen werden.“ Und wenn jemand ein Match verliert, wird er gemahnt, sich nicht zu ärgern. „So wurde es uns auch im Handball beigebracht“, erinnert sich Schneider. „Aber das soziale Miteinander klappt hier eigentlich relativ gut“, sagt der 29-Jährige.

Erstes Turnier im SommerDie Betreuer achten im Übrigen streng auf die Altersfreigabe: Wer zu jung ist, darf nicht mitspielen.

Im Sommer ist ein erstes Turnier geplant. Dabei sollen die Zuschauer im Vereinsheim via Live-Stream das Geschehen verfolgen können. Auch werde überlegt, Sponsoren zu gewinnen, sodass zukünftig auch Preise ausgeschrieben werden können. Allerdings befinde man sich noch in der Findungsphase und man wolle noch abwarten, wie sich das Ganze entwickelt, sagt King.

Die jungen Spieler sind jedenfalls von der Initiative des Sportvereins begeistert. „Jeder Verein denkt sich, man müsste mal so eine Abteilung gründen, aber bisher hat sich das niemand getraut. Die TGS hatte aber diesen Mut, mal etwas Neues auszuprobieren, das finde ich echt gut“, lobt Nils Christ und fügt hinzu: „Ich habe mich hier sofort wohl gefühlt.“

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