Nicht nur die vier Kinder, die auf diesem Bild gemeinsam mit Erzieherinnen, Bürgermeister und Amtsleiter zu sehen sind, sondern ebenso ihre sechs neuen Spielkameraden freuen sich auf die vor ihnen liegende Zeit in der Wald-Kita. Foto: Lars-Erik Gerth

Rodenbach

In der neuen Wald-Kita basteln die Kinder mit Tannenzweigen

Rodenbach. Idyllisch ist es gelegen, das rund 1000 Quadratmeter große Gelände auf den Wirthmeswiesen im Oberrodenbacher Wald. In unmittelbarer Nachbarschaft haben der Stamm Barbarossa der Rodenbacher Pfadfinder und die Naturfreunde ihre Domizile.

Von Lars-Erik Gerth

Man kann also durchaus davon sprechen, dass dies ein geeigneter Standort für den ersten Rodenbacher Wald- und Naturkindergarten ist, der gestern Morgen seinen Betrieb mit zunächst zehn Kindern aufgenommen hat.

„Wir sind sehr froh, dass wir dieses Areal mit dem bereits bestehenden Gebäude von einem privaten Besitzer für zunächst zehn Jahre pachten konnten. Das ist der ideale Platz für unsere neue Wald-Kita“, zeigt sich Andreas Betz, der Leiter des Rodenbacher Amtes für Familien, Senioren und Soziales, sehr zufrieden mit der Standortwahl. Gemeinsam mit Bürgermeister Klaus Schejna (SPD) ließ es sich Betz nicht nehmen, am Eröffnungstag vorbeizuschauen. Diesem gingen Planungen voraus, die ein Dreivierteljahr in Anspruch genommen haben. Dabei ging es der Gemeindeverwaltung zunächst darum, das Interesse der Bürger an einem solchen Betreuungsangebot in der Natur abzufragen. „Die Resonanz war sehr positiv und hat uns darin bestätigt, dieses Projekt umzusetzen. Wir hatten weit über 20 Rückmeldungen von interessierten Eltern“, berichtet der zuständige Amtsleiter. Konzipiert ist der Kindergarten in der freien Natur für 20 Mädchen und Jungen im Alter von drei bis sechs Jahren. Laut Betz liegen auch bereits 20 Anmeldungen vor. Zunächst werden zehn Kinder betreut. Weitere zehn Mädchen und Jungen werden in den nächsten Monaten dazukommen.

Gemeinsam den Wald entdecken

Zunächst müssen die Kinder und das Betreuerinnenteam aber erst einmal richtig in der Wald-Kita ankommen. Leiterin Martina Protzmann und ihre Kolleginnen Aileen Sattler und Anja Rostkovius wurden von der Gemeinde eigens für das neue Betreuungsangebot eingestellt. Alle drei können auf langjährige Erfahrung in der Waldpädagogik zurückblicken. „Ich arbeite bereits seit elf Jahren in Wald-Kitas. Jetzt freue ich mich darauf, mit den Kindern und meinen Kolleginnen unser neues Gelände und den Oberrodenbacher Wald zu entdecken“, geht Martina Protzmann mit großer Begeisterung an die neue Aufgabe. Dies gilt ebenso für ihre Mitstreiterinnen.

„Unterstützt werden sie ab 1. September noch durch einen jungen Mann im Freiwilligen Ökologischen Jahr“, berichtet Schejna, dem das Projekt sehr am Herzen liegt. „50 Prozent der Rodenbacher Fläche besteht aus Wald. Da war es doch an der Zeit, einen Wald- und Naturkindergarten anzubieten. Passend auch zu unserem Slogan 'Natürlich Rodenbach'. Entsprechend freue ich mich über die Resonanz der Eltern und darüber, dass wir über Mundpropaganda dieses Grundstück gefunden haben und pachten konnten“, zeigt sich Schejna zufrieden mit dem Start der sechsten Rodenbacher Kita, von denen sich fünf in der Trägerschaft der Gemeinde befinden.

Wald stärkt das Immunsystem

Die Kinder, die gestern die Eingewöhnung im Beisein ihrer Eltern starteten, sind gleich mit Begeisterung bei der Sache, erkunden das Gelände, suchen natürliche Materialien wie Tannenzapfen, aus denen dann auch die ersten selbst gebastelten Werke entstehen. Diese Aktion zum Auftakt kann stellvertretend für die Philosophie der neuen Einrichtung stehen. Den Kindern soll in der Rodenbacher Wald-Kita nämlich „viel Zeit für ein selbst organisiertes Spiel ohne konventionelles Spielzeug in und mit der Natur“ gegeben werden. Und natürlich steht außerdem die Bewegung im Vordergrund der Aktivitäten, bei der es im Wald vor allem auch auf Orientierungs- und Reaktionsfähigkeiten ankommt, wenn es buchstäblich über Stock und Stein geht.

Gestärkt werden sollen in der neuen Einrichtung aber ebenso der Zusammenhalt und die sozialen Kompetenzen des Nachwuchses. Laut des vorläufigen Konzepts der Einrichtung sollen sich die Kinder in Wald und Natur gegenseitig helfen und miteinander lernen, Ängste und Gefahren zu bewältigen. Gespannt ist Kita-Leiterin Protzmann schon jetzt darauf, wie die Kinder die Situation meistern werden, wenn kein herrliches Sommerwetter mehr vorherrscht, sondern es drei Wochen geregnet hat oder der Winter vor der Tür steht. Der neue Wald- und Naturkindergarten ist nämlich eine Ganzjahreseinrichtung. Lediglich bei Unwetterlagen steht der Gemeinschaftsraum in der Südhanghalle als Schutzraum zur Verfügung. Ansonsten findet die Betreuung zu jeder Jahreszeit auf dem Wald-Kita-Gelände statt. So sei laut Konzept auch gewährleistet, dass der Aufenthalt in der Natur das Immunsystem der Kinder stärkt.

Infos zur neuen Wald-KitaDie Betreuungszeiten in der neuen Einrichtung im Oberrodenbacher Wald im Bereich „Auf die Wirthmeswiesen“, unweit des Naturfreundehauses an der Bergstraße, sind montags bis freitags jeweils von 8 bis 15 Uhr. Kinder, deren Eltern ein Betreuungsangebot buchen, das über 12 Uhr hinausgeht, erhalten ein Mittagessen, das montags bis donnerstags von der Kindernest-Küche angeliefert wird. Freitags bereiten die Kinder das Essen gemeinsam mit ihren Erzieherinnen im Rahmen eines Ernährungsprojekts selbst zu.Weitere Informationen, auch über zukünftige freie Plätze in der Wald-Kita, sind erhältlich bei Andreas Betz, dem Leiter des Amtes für Familie, Senioren und Soziales, unter Telefon 0 61 84/5 99 10 oder per E-Mail an andreas. betz@rodenbach.de. leg

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