Trockenheit und der Befall durch Engerlinge machen den heimischen Buchen schwer zu schaffen. Archivfoto: dpa

Rodenbach

Maikäfer und Trockenheit setzen Rodenwälder Buchen heftig zu

Rodenbach. Wer an heimische Mischwälder denkt, hat automatisch die Buche auf dem „Schirm“. Der typische Laubbaum ist in unseren Breitengraden weitverbreitet. Doch in Südhessen ist er teilweise akut gefährdet. Anhaltende Trockenheit in den Sommermonaten und Maikäfer-Engerlinge setzen ihm gehörig zu.

Von Reinhard Breyer

Die Befürchtung des zuständigen Hessischen Forstamtes Hanau-Wolfgang, das von der Gemeinde mit der Bewirtschaftung beauftragt ist: Durch den bereits seit 2006 anhaltenden Befall von Maikäfer-Engerlingen könnte die Buche in Teilen des Gemeindewaldes langfristig massiv zurückgedrängt werden.

Im Gegenzug gibt es einen Hoffnungsschimmer für den Kommunalwald: Kiefern vermehren sich bislang problemlos; nennenswerte Bestände anderer Baumarten gibt es in dem stattliche 188 Hektar großen Kommunalwald nicht.

Gut, dass es die Kiefer gibtEin Forstbeamter brachte die brisante Situation für die Buchenbestände rund um Rodenbach kürzlich in einer Ausschusssitzung der Gemeindevertretung auf den Punkt: „Sie können froh sein, dass sich der Wald auf Kiefer verlagert.“ Der Ausschuss befasste sich mit dem Forstwirtschaftsplan 2018, der vergangene Woche einstimmig von der Gemeindevertretung beschlossen wurde.

Im Wirtschaftsplan heißt es eindeutig: Auf die Entnahme geschädigter Buchen solle verzichtet werden, ihre weitere Entwicklung soll beobachtet werden.

Engerlinge sind das KernproblemDas Kernproblem: Die Engerlinge des Maikäfers nisten vor allem in den Wurzelbereichen und schädigen die Bäume massiv. Sie sterben meist einen langsamen Tod. Die absterbenden Buchen sollen jedoch stehen bleiben. Die Förster hoffen, dass sie weiterhin Samen produzieren und diese sich verbreiten.

Hierbei handelt es sich um die sogenannte Naturverjüngung. „Der ökologische Wert als stehendes Totholz ist höher zu bewerten als die möglichen Einnahmen durch den Holzverkauf.“

Für die Kiefer sieht es hingegen deutlich besser aus. Hier funktioniere die Naturverjüngung gut. Kiefern vertragen längere Trockenperioden besser. Und sie zeigen bislang keine allzu großen Fraßschäden an den Wurzeln.Ein probates Mittel gegen die Schädlinge wäre die sogenannte Bodenverwundung. Der stellvertretende Forstamtsleiter des Forstamtes Wolfgang, Stefan Brinkmann, erklärt die Methode: „Dabei wird mit einem Bagger mit möglichst langem Arm der Oberboden abgekratzt. Dies führt zu einer Naturverjüngung. Kahle und vergraste Flächen werden geschlossen und beim nächsten Maikäferflug wird die Eiablage des Maikäfers in den Boden weitgehend verhindert.“

Maikäfer bisher nicht an Ausbreitung gehindertWerde die Bodenverwundung nicht durchgeführt, habe der Maikäfer wesentlich mehr Flächen zur Eiablage zur Verfügung und werde dadurch in seiner Ausbreitung begünstigt. Bislang verzichtete die Gemeinde auf diese Gegenmaßnahme.

Das Auftreten der Engerlinge ist keine sporadische, sondern eine sehr langwierige Angelegenheit. Denn der Lebenszyklus beträgt vier Jahre vom im Boden abgelegten Ei bis zum Käferflug, an dessen Ende der Käfer dann stirbt. Und dieser Zyklus kann sich bis zu zehnmal wiederholen.

Trockenheit auch problematischAber auch häufige trockenere Sommer machen den Wäldern zunehmend zu schaffen, so die Forstbeamten. Der Niederschlag fehle. Im Juni 2016 sei das Wasserdefizit besonders gravierend gewesen.

Zunehmend heiße Sommer, aber auch wochenlange Temperaturen von minus 20 Grad seien laut Klimaprognosen künftig nicht auszuschließen. Deshalb setzen die Förster auf Baumarten, die diese Spannungen dauerhaft aushalten. Hier seien also die Saatgutanbieter gefordert, entsprechende Samen zu entwickeln.

Brinkmann, verwies in Rodenbach auf Versuche mit verschiedenen Baumarten. So gebe es zum Beispiel Erfahrungen mit der Flaumeiche am Kaiserstuhl. Für länger anhaltende Frostperioden sei diese Art allerdings nicht gewappnet.

Kempf ist pro SaatgutAuch der FDP-Gemeindevertreter Michael Kempf sprach sich im Ortsparlament ausdrücklich für Experimente mit Saatgut aus, das Robuster ist als Buchen.

Die Diskussion um den Forstwirtschaftsplan für das kommende Jahr liefert allerdings nicht nur Einblicke in die Themen Klimaerwärmung und tiefgreifender Wandel des Waldbestands, sondern auch eine Reihe nüchterner Zahlen: Am Ende schließt der Wirtschaftsplan mit einem Defizit von rund 3200 Euro ab. Die Einnahmeseite ist vor allem geprägt durch Erlöse aus dem Holzverkauf in Höhe von etwa 17 000 Euro und 1000 Euro Pachterlöse.

Dem stehen Aufwendungen (Material, Bewirtschaftung, Beiträge und Grundsteuern) in Höhe von gut 21 000 Euro gegenüber.

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