Kurt Ommert entdeckte den Grundstein mit historischen Inschriften vor gut zwei Jahren in einem Garten eines Hauses im Wohngebiet Lochseif. Nun half er tatkräftig mit, den Stein wieder an seinen ursprünglichen Platz zu bringen. Fotos: Privat

Rodenbach

Historischer Grenzstein an Ursprungsort zurückgebracht

Rodenbach. Wenn Klaus Ommert und Günter Schölla über Grenzsteine und ihre historische Bedeutung erzählen, dann wird dem Zuhörer schnell deutlich, welche Passion die zwei Pensionäre mit diesem Thema verbindet.

Von Lars-Erik Gerth

Nicht umsonst wurden die beiden Mitglieder des Rodenbacher Geschichtsvereins 2015 vom Amt für Bodenmanagement in Büdingen zu Obmännern für historische Grenzsteine ernannt. Der Dritte im Bunde war damals Joachim Prellwitz, der sich vor allem durch seine geführten Grenzsteinwanderungen einen Namen über Rodenbach hinaus gemacht hat. Nicht zuletzt auf ihn gehen die beiden Grenzstein-Wanderwege zurück. Leider ist Prellwitz im vergangenen November verstorben.

Bei Spaziergang entdeckt

So konnte er nicht mehr miterleben, wie Ommert und Schölla am 24. Mai dank tatkräftiger Unterstützung von Mitarbeitern des Rodenbacher Bauhofs einen Grenzstein aus einem Garten eines Anwesens im Wohngebiet Lochseif an seinen historischen Standort unweit der Barbarossaquelle brachten. „Ich habe den Grenzstein vor zwei Jahren zufällig bei einem Spaziergang entdeckt. Die Hausbesitzerin wusste nichts über die historischen Hintergründe. Mir war allerdings schon länger bekannt, dass sich im Lochseif Grenzsteine befinden sollen“, berichtet der 82-Jährige darüber, wie es zu der Entdeckung kam. Die Hausbesitzerin habe dann auch keine Einwände gehabt, als Ommert mit dem Ansinnen auf sie zukam, den Stein aus dem Garten zurück an seinen ursprünglichen Standort zu bringen.

Ommert und Schölla kennen sich in der Historie der Grenzsteine bestens aus und können davon berichten, dass die Steine um Ober- und Niederrodenbach gleich mehrere Grenzen markiert haben und einige von ihnen 400 und noch mehr Jahre alt sind. Der nun gefundene Stein könnte aus dem 17. Jahrhundert stammen. Er stand auf jeden Fall für die Grenze zwischen dem katholischen Petersstift, zu dem Oberrodenbach einst gehörte, und der Grafschaft Hanau. „Auf der Vorderseite sind zwei gekreuzte Schlüssel zu sehen, das war das Wappen des Petersstift. Und auf der anderen Seite sieht man die Hanauer Sparren, das Wappen der Grafschaft Hanau“, berichtet Günter Schölla.

Grenzstein wiegt über 250 Kilogramm

Am 24. Mai, als der Stein wieder an seinen ursprünglichen Platz kam, waren die Wappen kaum zu erkennen. Aber Kurt Ommert hat in der Zwischenzeit mit seinen Reinigungsaktivitäten ganze Arbeit geleistet, sodass Schlüssel und Sparren wieder gut zu erkennen sind. Dass der Transport des Grenzsteins keine einfache Sache gewesen ist, lässt sich übrigens schon an seinem Gewicht ermessen. „Der Stein wiegt über zweieinhalb Zentner und ist etwa 1,10 Meter hoch“, informiert Günter Schölla über die durchaus beeindruckenden Maße.

Der 68-Jährige war beruflich als Vermessungsingenieur tätig und hat sich zur Aufgabe gemacht, die Grenzsteine zu dokumentieren und elektronisch zu erfassen. Prellwitz, Ommert und Schölla haben über die Jahre hinweg insgesamt 146 Steine ausfindig gemacht. Viele von ihnen haben sie wieder an ihren historischen Ort zurückgebracht.

Geocaching soll jüngere Leute zum Verein bringen

Um einen gefundenen Stein genau an die Stelle zu bringen, wo er einst stand, hilft auch das so genannte Geo-caching. Helga Duda, die Vorsitzende des Geschichtsvereins, die voll des Lobes für die Arbeit ihrer Grenzsteinexperten ist, hofft, dass dies vielleicht ein Grund sein könnte, dass auch jüngere Leute den Weg zu ihrem Verein finden werden. Dieser hat derzeit 90 Mitglieder, die eher der älteren Generation angehören. Ihr Domizil ist das Heimatmuseum an der Kirchgasse, das immer am zweiten Sonntag im Monat von 14 bis 17 Uhr geöffnet hat und mit vielen historischen Gegenständen und Bildern interessante Einblicke unter anderem in das Leben der Rodenbacher vor 100 Jahren gibt.

Weitere Infos:Wer sich für das Thema „Grenzsteine“, das Heimatmuseum oder generell die Arbeit des Geschichtsvereins interessiert, kann sich telefonisch unter 0 61 84/99 00 07 melden. Für Herbst ist übrigens eine Neuauflage der geführten Grenzsteinwanderung geplant.

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