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Von Hexen und schwarzem Reiter

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Rodenbach. Hexen, Pest und Plünderungen: Das Mittelalter fasziniert nach wie vor viele Menschen, wie ein Blick in die Bestsellerlisten zeigt. Kommt dann noch Lokalkolorit hinzu, lassen sich immer wieder genügend Leser ansprechen.

Von Reinhard Breyer

Ignatz Basile hat es bewiesen: Vor drei Jahren legt er seinen ersten historischen Roman „Die Hexe von Rodenbach“ vor. Nach einem zweiten Band soll Ostern der dritte folgen.Für den 66-Jährigen Wahl-Rodenbacher ist Schreiben und Fotografieren das schönste Hobby und eine ständige Herausforderung. Seit vielen Jahren kniet er sich in verschiedene Fachgebiete hinein. Zunächst widmete er sich mit viel Akribie einer sehr speziellen Spezies: den Schildkröten, von denen es nicht weniger als rund 300 Arten gibt. Er reiste durch die Lande, fotografierte sie und verfügt über ein Archiv mit rund 6000 Aufnahmen.Das Fachwissen sprach sich herum. Ob Privatsammler oder der Frankfurter Zoo: „Wenn sich irgendwo ein Schildkrötenpaar nicht vermehrte oder eines der Exemplare Schnupfen hatte, war mein Rat gefragt. Die Tierhalter haben mich fast täglich mit Anrufen bombardiert.“

Spaß am Schreiben Weil er nicht nur ein riesiges Fotoarchiv, sondern auch Spaß am Schreiben hat, fasst er sein Wissen in mehreren Büchern zusammen. Bald hatte fast jeder Schildkrötenfreund in Deutschland seine Bücher im Regal stehen. Sie gelten als Standardwerke. Insgesamt rund 5000 Exemplare seiner Bücher wurden verkauft. Weiter ging es mit Kinderbüchern. Auch hier spielten die Schildkröten die Hauptrolle. Und fast ohne Werbung verkauften sie sich gut.Den gebürtigen Somborner verschlug es 1972 durch die Heirat nach Rodenbach, und er spricht gerne von seinem „geliebten Rodenbach“. Hier kennt er jeden Winkel. Hunderte Fotos hat er in der Gemarkung geschossen. Nebenbei bringt sich der zweifache Vater und ehemalige Tischtennisspieler im Vorstand der örtlichen CDU ein.Irgendwann hatte Basile die Aufzeichnungen des früheren Pfarrers Schlott und die historischen Kirchenbücher des Ortes in den Händen und konnte kaum aufhören, die Texte zu lesen. „Da bin ich wachgeworden.“Intensiv befasste sich der frühere Gebietsverkaufsleiter eines Verpackungsherstellers mit dem mittelalterlichen Leben in der Region, mit dem Dreißigjährigen Krieg, Plünderungen, der Flucht der Bevölkerung nach Hanau, der Pest und dem genauso düsteren Kapitel Hexenverfolgung.Elf Rodenbacher Frauen wurden im 17. Jahrhundert nach Großkrotzenburg auf den Scheiterhaufen geschleppt. Oberrodenbach gehörte seit 1597 zur Pfarrei Großkrotzenburg. Dort gibt der Straßenname An der Hexen‧eiche einen Hinweise auf die einstige Richtstätte.

Fakten und Fantasie verknüpftIgnatz Basile verknüpft Fakten und Fantasie geschickt miteinander. So entstand sein Erstlingswerk „Die Hexe von Rodenbach“, das 2014 im Eigenverlag „Turtles Press International“ auf den Markt kam und sich etwa 1000-mal verkaufte.Die Leser sind angetan von der Handlung. „Vor allem die dort beschriebenen Örtlichkeiten faszinieren.“ Sie möchten wissen, in welchen Häusern die Hexen lebten. „Es gibt eben doch sehr viele Hexen-Freaks“, sagt Basile. „Schon das Wort auf dem Buchtitel hat seine Wirkung.“Der erste Roman spielt auch in Hof Trages, an der Teufelsmühle und in Hüttelngesäß. Der Band schildert das Leben der Schustertochter Agnes Bast. Sie ist die Heilerin von Rodenbach und kämpft gegen die große Pestepidemie. Sie rettet viele Menschen, muss aber selbst Verluste erleiden. Am Ende stirbt sie 1627 auf dem Scheiterhaufen.Band zwei ließ nicht lange auf sich warten. Er trägt den Titel „Margaretha – Tochter der Hexe von Rodenbach und der schwarze Reiter.“ Der Inhalt des historischen Krimis: Ein Mörder geht um. Ein schwarzer Reiter, der als Inkarnation des Teufels gesehen wird, tötet in den Jahren 1630 bis 1640 wahllos und bestialisch Menschen in Rodenbach. Doch er ist nicht zu fassen. Das Buch erzählt die Lebensgeschichte von Margaretha, der Tochter von Agnes. Die Tochter der Hexe hat blutige Rache geschworen. Doch wer verbirgt sich hinter der Maske des geheimnisvollen schwarzen Reiters?Nun arbeitet Basile an Band drei. Nach einer demnächst anstehenden Operation will er das Werk während der anschließenden Rehawochen vollenden. Passend zur Osterzeit soll der Abschluss der Trilogie im Verkaufsregal stehen. Er wird den Titel „Die Baronin von Rodenbach“ tragen. Mehr will der Autor im Moment noch nicht verraten. Der Pensionär freut sich schon jetzt auf die Autogrammstunde in der Buchhandlung Keese.Und auch ein drittes Kinderbuch will er zu Papier bringen. Das hat er seinen Enkeln versprochen. Mit dem Produktionsverfahren „Books on demand“ ist das alles kein Problem.

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