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Rodenbacher Autor Walter Geppert ist den „stummen Gesellen“ in der Umgebung auf der Spur

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Walter Geppert vermittelt seinen Lesern mit dem aktuellen Buch weitere Einblicke in die Rodenbach umgebende, historisch bedeutende Landschaft. Er will laut eigener Aussage damit auch beweisen, dass er „einer von hier ist“, auch wenn er vor annähernd 50 Jahren aus dem südhessischen Darmstadt nach Rodenbach zog.
Walter Geppert vermittelt seinen Lesern mit dem aktuellen Buch weitere Einblicke in die Rodenbach umgebende, historisch bedeutende Landschaft. Er will laut eigener Aussage damit auch beweisen, dass er „einer von hier ist“, auch wenn er vor annähernd 50 Jahren aus dem südhessischen Darmstadt nach Rodenbach zog. © Ulrike Pongratz

Historische Grenzsteine: Seit Jahrhunderten stehen die runenhaften Kleindenkmäler vielfach unbemerkt in den Wäldern rund um Rodenbach. Was hat sich während der Jahrhunderte, in denen sie dem Zahn der Zeit trotzten, alles ereignet? Walter Geppert, der Vorsitzende der Gemeindevertretung und aktives Mitglied des Rodenbacher Geschichtsvereins, hat die Grenzsteine in den Mittelpunkt seines neuen reich bebilderten Buches gestellt.

Rodenbach – „Ober- und Niederrodenbacher Grenzsteine . . . haben als stumme Gesellen viel zu erzählen“ lautet der Titel des 84-seitigen Bildbandes. Nach den Veröffentlichungen „Oberrodenbach“ im Jahr 2016 und „Niederrodenbach“ im vergangenen Jahr richtet Geppert nun sein Augenmerk auf die historischen Ereignisse in der nahen Umgebung. Gewidmet ist das aktuelle Buch dem Grenzsteinobmann Joachim „Jockel“ Prellwitz.

Der Geschichtsverein hat auf einem Flyer die Grenzsteinwanderwege markiert und liefert nähere Informationen für historisch Interessierte. Die Wanderwege inspirierten Geppert zu seinem Buch.
Der Geschichtsverein hat auf einem Flyer die Grenzsteinwanderwege markiert. Die Wanderwege inspirierten Geppert zu seinem Buch. © Ulrike Pongratz (Repro)

Neue Grenzsteinwanderwege als Inspirationsquelle

Die Idee zu diesem Buch entwickelte sich allmählich, als der Geschichtsverein zwei Grenzsteinwanderwege eröffnete. Die Südroute beispielsweise ist durch den „Hanauer Sparren“ gekennzeichnet. Ein zwölf Kilometer langer Rundweg führt auf historischen Spuren rund um Niederrodenbach. 14 der 46 noch erhaltenen Grenzsteine sind hier zu entdecken. Fast 300 Jahre sind die steinigen Gesellen alt. Sie markierten mit kunstvollen Symbolen und Wappen die Grenzen zwischen der Grafschaft Hanau, dem Peterstift zu Mainz, der Grafschaft Hanau/ Somborn oder kennzeichnen die Gemarkungen.

Auf dem Flyer zur Rodenbacher Heimatgeschichte erhalten 
 historisch Interessierte weitere Informationen.
Auf dem Flyer zur Rodenbacher Heimatgeschichte erhalten historisch Interessierte weitere Informationen. © Ulrike Pongratz

Ob sie nun an exponierter Stelle liegen oder etwas abseits versteckt im Unterholz, alle Grenzsteine sind von Grenzsteinobmännern des Katasteramts Büdingen eingemessen, dokumentiert und werden regelmäßig kontrolliert. Walter Geppert gibt eine kurze Einführung in die Geschichte und Bedeutung der Grenzsteine. Für Geppert boten die Steine aber vor allem den Anstoß, auf „bemerkenswert schöne Landschaftsteile“ hinzuweisen und historische Ereignisse wieder in Erinnerung zu rufen.

Erinnerung an historische Ereignisse

Zu Beginn erinnert Geppert daran, „dass Oberrodenbach, katholisch, seit jeher in vielerlei Hinsicht dem Mainzer Petersstift und Niederrodenbach, zugehörig und orientiert zum evangelischen Hanauer Grafenhaus, ‘Grenzorte’ waren, die sich im Verlauf ihrer Geschichte zahlreiche unkriegerische Scharmützel lieferten,…“. Über das eigene Territorium hinaus blickt man bei Grenzstein „1 PHF DM“, ein sogenannter Dreimärker, zum Hofgut Trages und zum nahen Kahlgrund. Geppert gibt über beide Orte einen kurzen historischen Überblick. Einen sehr guten Blick in das Kinzigtal bietet Grenzstein 101 CF WE, sodass man sich hier gut vorstellen kann, wie „80 000 demoralisierte Soldaten“ nach der verlorenen Völkerschlacht bei Leipzig Richtung Rhein und Frankreich unterwegs waren. Napoleon übernachtete im Kloster in Schlüchtern und im Schloss Langenselbold. Von dort brach er zur Schlacht bei Hanau auf, die ebenso Erwähnung findet wie die Schlossanlage Langenselbold, die Burg Ronneburg oder Burg und Stadt Alzenau. Zu den Lieblingsorten von Geppert gehört der Buchbergturm. 1909 setzte sich auf dem Hohen Buchberg der Hanauer „Buchbergverein“ mit einem Aussichtsturm ein Denkmal. Die Unterhaltung erwies sich im Laufe der Zeit als schwierig, zwischenzeitlich drohte dem Wahrzeichen sogar der Abriss. Heute ist der Buchberg mit Gaststätte und Spielplatz vor allem im Sommer ein „attraktiver Besuchermagnet, im Sommer das schönste Ausflugsziel.“

Interesse für Rodenbacher Grenzregion wecken

Walter Geppert hat zu den besonderen Orten, historischen Handelsstraßen oder Ereignissen wie der Bombennacht in Hanau Literatur ausgewertet. Das Buch ist einfach und unterhaltsam geschrieben. Es ist beispielsweise für „Neubürger“ gedacht, die sich für Rodenbach, seine Landschaft und Geschichte interessieren. Mit den Quellenangaben zu jedem Kapitel können Leser schnell tiefer in ein Thema einsteigen. Doch eigentlich, so Geppert, soll sein Bildband Lust machen, die Rodenbacher Grenzregion zu erkunden, zu erleben und gerne „Lücken der geschichtsträchtigen Gegend um Rodenbach“ literarisch zu schließen. Er selbst hat bereits ein Thema für seine nächste Publikation gefunden: „Naturschöne Landschaften in und um Rodenbach“. (Von Ulrike Pongratz)

Das Cover von Walter Gepperts neuem Buch.
Das Cover von Walter Gepperts neuem Buch. © Ulrike Pongratz

Buchtipp

Walter Geppert, „Ober- und Niederrodenbacher Grenzsteine“, veröffentlicht von dem Rodenbacher Geschichtsverein 2021, 86 Seiten, 9 Euro. Das Buch kann in Rodenbach beim Geschichtsverein im Heimatmuseum zu den geltenden Öffnungszeiten oder in der Buchhandlung Keese erworben werden. Aus coronabedingten Gründen entfällt in Übereinstimmung mit dem Rodenbacher Geschichtsverein eine öffentliche Buchvorstellung.

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