Walter Geppert (links) und Andrea Lins dankten Christian Schaefer für dessen Vortrag. Foto: Ingbert Zacharias

Rodenbach

Forstamtsleiter berichtet über den Zustand des Rodenbacher Waldes

Rodenbach. „Maikäfer, flieg!“ – so beginnt ein bekanntes Kinderlied und Forstamtsleiter Christian Schaefer würde es am liebsten sehen, wenn sich die Maikäfer nach dem Herauskommen aus der Erde bis in ferne Gefilde verzögen.

Von Ingbert Zacharias

So aber machte der Chef des Forstamts Hanau-Wolfgang am Mittwochabend den etwa 30 Zuhörern in der Rodenbacher Bücherei deutlich, dass die Krabbeltiere mit ihrer hochgefräßigen Brut eine ernstzunehmende Bedrohung für den Rodenbacher Gemeindewald darstellen.

Schaefer war einer Einladung des Freundeskreises Medientreff und Gemeindebücherei Rodenbach gefolgt und referierte nach der Begrüßung durch Walter Geppert zunächst über den allgemeinen Zustand des Waldes in Zeiten des Klimawandels mit teils extremer Trockenheit.

Erholung und Naturschutz als Priorität

Anschließend ging der Forstdirektor auf die Beschaffenheit des Rodenbacher Gemeindewaldes ein, der aus einer größeren Waldfläche südlich von Niederrodenbach, den weiter östlich gelegenen „Wingerten“ und einem kleinen, Kaiserfeld genannten Areal nahe der A 45 besteht und von der Gesamtfläche her mit 188 Hektar nicht allzu groß ist, wie Schaefer anführte. Der tatsächliche Waldbestand beträgt 174 Hektar, von denen 144 auch bewirtschaftet werden.

„Bewirtschaftung“ bedeute aber für Rodenbach – von der Priorisierung her gesehen – Erholung und Naturschutz vor Holzerzeugung und finanziellen Ergebnissen, was dem Wald gut bekommen würde, so Schaefer. Das Maß aller Dinge wäre natürlich die Nachhaltigkeit in der Arbeit, was aber schon seit vielen Jahren etwa durch naturgemäßem Waldbau, natürliche Verjüngung sowie Förderung von Mischbeständen praktiziert werde.

60 Prozent Kiefern

Die zuletzt erhobenen Zahlen aus 2013 besagen, dass der Gemeindewald zu 88 Prozent als Erholungsfläche ausgewiesen ist. Den Rest bilden spezielle Naturschutzzonen. Auch der Grundwasserschutz spielt eine wichtige Rolle. Immerhin durchlaufen Waldfließgewässer in einer Länge von mehr als einem Kilometer das Areal. Zudem werden einem Teil der heimischen Tiere durch die vielen ausgewiesene Habitat-Bäume gute Lebensbedingungen geboten.

Zum aktuellen Baumbestand selbst äußerte Schaefer, dass hier die Kiefer mit beinahe 60 Prozent dominiert, gefolgt von der Buche mit 30 und der Eiche mit zehn Prozent. Der Bestand an Fichten sei sehr gering, was – wie auch bei der Birke – mit einem Absterben aufgrund der extremen Wetterbedingungen einhergeht. Dem gegenüber sei der Kiefern- und Eichenbestand gut aufgestellt, während es bei den Buchen anderes aussieht, was aber von den Standorten her beeinflusst wird.

Vor allem der Maikäfer am Werk

„Der trockene Sandboden auf der großen Fläche kann wenig Feuchtigkeit halten, was gerade im vergangenen Jahr dem Bestand massiv zu schaffen gemacht hat“, erklärte der Fachmann. „In den höher gelegenen Wingerten mit der relativen Nähe zum Spessart sieht die Sache anderes. Dort hat sich der Wald aufgrund der vorhandenen Feuchtigkeit recht gut gehalten.“ Doch insgesamt steht der Wald unter Dauerstress.

Dies würde vor allem an den klimatischen Veränderungen der vergangenen Jahre liegen. Und parallel zur akuten Trockenheit setzen vor allem Schädlinge den Bäumen gewaltig zu. Im Rodenbacher Gemeindewald ist – neben Borkenkäfer und Buchdrucker – vor allem der Maikäfer am Werk, dessen Engerlinge über drei Jahre hinweg im Boden leben und fast alles an Wurzelwerk wegfressen, was ihnen vor die Zähne kommt.

Aggressiver Pilz breitet sich aus

Das Auftreten der Schädlinge bildet eines der aktuellen Hauptprobleme in der Waldbewirtschaftung. Die Möglichkeiten einer Bekämpfung sind gering. Die im sandigen Boden vorhandene Käfer-Brut macht das Anpflanzen junger Bäume zu einem risikobehafteten Unternehmen. „Wir beobachten allerdings eine wellenförmige Entwicklung“, meinte Schaefer und wies darauf hin, dass die derzeit massiv auftretenden Maikäfer in den 1970er-Jahren beinahe verschwunden waren.

Es bleibe nur zu hoffen, dass die Überpopulation irgendwann wieder zusammenbricht und die Insekten aus dem hiesigen Bereich verschwinden. Doch bis sich dann der Wald wieder von den erlittenen Schäden erholt habe, wäre wohl „ein Försterleben vergangen“, so der Amtsleiter. Bei den Nadelbäumen, hier speziell den Kiefern, habe man neben den Angreifern im Wurzelwerk auch in der Höhe einen bösen Feind ausgemacht. Diplodia pinea heißt der aggressive Pilz, der sich ausgebreitet hat und vor allem die Jahrestriebe befällt und abtötet.

Entspannung nach jeder Stressphase

Am Ende seines Vortrags erläuterte Schaefer – mit Blick auf die bestehenden Probleme – einige Möglichkeiten des Entgegenwirkens. Generell solle man bei der Beforstung auf heimische Baumsorten setzen, die sowohl lange Trockenheit als auch Frost vertragen. Ein recht einfaches Beispiel hierfür seien Kiefern aus Brandenburg. Dort sei der Boden sehr trocken und die Bäume hätten sich im Laufe ihrer geschichtlichen Entwicklung an diesen Mangelzustand gewöhnt. Aber auch Hainbuche, Elsbeere oder Kirsche seien Alternativen zu den vorhandenen, aber angegriffenen Sorten.

Insgesamt sei die Situation schon angespannt. In seiner abschließenden Zukunftsprognose, die auch für den Gemeindewald gelte, beruhigte der Forstdirektor jedoch die Zuhörer am Ende seines zweistündigen Vortrags: „Die Erfahrung über Jahre hinweg zeigt, dass auf Stressphasen auch immer Entspannung folgt. Es wird sicherlich keinen großflächigen Zusammenbruch geben, aber die bislang gewohnten Strukturen werden sich verändern.“

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