Eberhard Wiegelmann (links), Vorsitzender des Bauausschusses der evangelischen Kirche Rodenbach, und Pfarrer Heinrich Schwarz deuten an, wo die Mauer durchbrochen wird. Foto: Pompalla

Rodenbach

Evangelische Kirche erhält behindertengerechte Rampe

Rodenbach. Am vergangenen Mittwoch begannen die Umbauarbeiten an der evangelischen Kirche in Rodenbach. Für rund 100 000 Euro wird derzeit ein behindertengerechter Eingang angelegt, auf den viele Rodenbacher sehnsüchtig warten.

Von Hannah PompallaLautes Gehämmer dröhnt aus der evangelischen Kirche Rodenbach. Handwerker Richard Schmidt hat alle Hände voll mit dem Kürzen der Sitzbänke zu tun. Der Grund für die Aktion: Gehbehinderte Menschen sollen mit ihren Rollatoren oder Rollstühlen mehr Platz an den Seiten bekommen.

Denn bald können sie die Kirche über eine komfortablere Rampe, die zum Nordeingang führt, betreten (wir berichteten). „Seit ungefähr zehn Jahren ist das hier schon ein Thema“, sagt Pfarrer Heinrich Schwarz. Denn immerhin bestehe vom Haupteingang zum Gotteshaus ein Höhenunterschied von 1,10 Meter. Doch mit der Last insbesondere für Senioren soll nun bald Schluss sein.Der Maler löst den Schreiner abAnfang August kam die Baugenehmigung von der Evangelischen Landeskirche von Kurhessen-Waldeck, seit letztem Mittwoch wird in dem Gotteshaus eifrig gewerkelt.

Die rechte Bankseite ist bereits um 50 Zentimeter nach innen gekürzt worden, die linke Seite ist gerade in Arbeit. „Wenn die Schreinerarbeit fertig ist, kommt ein Maler, der das ganze farblich anpassen wird“, erläutert Eberhard Wiegelmann, Vorsitzender des Bauausschusses der evangelischen Kirche Rodenbach.50 Plätze gehen verloren„Jede Bank bietet somit einen Platz weniger“, so Wiegelmann. Die vom Eingang aus gesehen erste Bankreihe werde sogar komplett entfernt. „Insgesamt verlieren wir 50 Plätze“, ergänzt Pfarrer Schwarz. „Früher hatten wir 220 Plätze, jetzt sind es 170“, erklärt er.

Noch in dieser Woche sollen die Innenarbeiten abgeschlossen werden, berichtet Wiegelmann. Die Außenarbeiten beginnen dann im September.Rampe rentabler als LiftEs wurde sich im Übrigen bewusst für eine Rampe entschieden, weil über eine solche viel mehr Menschen schneller in den Raum kommen, als wenn sie einen Lift benutzen würden. Zum anderen sei die Rampe auch rentabler.

Denn ein Lift müsse nach zehn bis 15 Jahren gewartet werden – dies koste etwa genauso viel wie die Entstehung selbst, erläutert Pfarrer Schwarz. Für die Rampe wird die Kirchmauer links vom Eingang durchbrochen. In maximal sechs Prozent Steigung geht es dann in mehreren Wendepunkten zum nördlichen Eingang, erklärt Wiegelmann.Bagger und Archäologe rücken anDamit die anderen Kirchengänger dann nicht unter einem kalten Luftzug leiden, wenn die Gäste über den Nordeingang eintreten, wird dort noch ein Windfang installiert. Doch wie dieser konkret aussehen werde, sei noch unklar, so Wiegelmann.

Wenn der Bagger anrückt, wird außerdem ein Archäologe dabei sein. Denn es könnte sein, dass sich früher im Kirchgarten Gräber befanden. „Die Überreste müssten dann neu beerdigt werden“, hob Wiegelmann hervor.Umbauarbeiten im sechsstelligen Bereich – Letzte Sanierung 1996Die Umbauarbeiten kosten rund 100 000 Euro, sagte Pfarrer Schwarz. Die Hälfte der Summe werde aus einem Vermächtnis finanziert, 18 000 Euro stammten von einem Zuschuss des Inklusionsfonds der Evangelischen Landeskirche, der restliche Betrag setze sich aus Spenden zusammen.

„In fünf bis sechs Jahren können wir dann auch mal an einen neuen Innenanstrich denken“, sagt der Pfarrer. Denn zuletzt sei die Kirche im Jahr 1996 saniert worden. Doch erst einmal steht der behindertengerechte Eingang auf dem Programm, auf den bereits viele Rodenbacher sehnsüchtig warten, ist ihnen ihre Kirche doch ans Herz gewachsen.

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