Kann von einem bewegten Leben erzählen: Peter Fischer (Mitte, mit Mikrofon), der am 14. März seinen 64. Geburtstag feiern wird, war zu Gast beim Talk im Schützenhof in Oberrodenbach und stand Moderator Matthias Hackerschmied (rechts) auf launige Art Rede und Antwort. Foto: Lars-Erik Gerth

Rodenbach

Eintracht-Präsident Peter Fischer im Rodenbacher Schützenhof

Rodenbach. Die Vorstandsmitglieder des Trägervereins Schützenhof um den ersten Vorsitzenden Richard Uhl konnten sich bereits Tage vor der neuesten Ausgabe von „Redenswert . . . – Der Talk im Schützenhof“ über einen ausgebuchten Saal freuen.

Von Lars-Erik Gerth

Die Nachfrage hatte die Kapazität weit überstiegen, aber im Schützenhof finden nun mal nicht mehr als rund 70 Personen Platz. Von jenen, die eine Karte ergattern konnten, gehörte die große Mehrzahl offensichtlich zum stetig wachsenden Kreis der Eintracht-Fans, viele davon zum Rodenbacher Fanclub „Adlersquad“.

Das stellte nun wahrlich keine Überraschung dar, denn schließlich gab sich zwischen den beiden fulminanten Heimsiegen gegen RB Leipzig (3:1 im DFB-Pokal) und den FC Augsburg (5:0 in der Bundesliga) Peter Fischer in Oberrodenbach die Ehre. Der Eintracht-Präsident traf in weiblicher Begleitung sowie mit seinem langjährigen Freund und Geschäftspartner Mike Kuhlmann gut gelaunt im Schützenhof ein. Dass der Ort von Frankfurt aus gesehen doch sehr abgelegen liegt und für Fischer bisher ein weißer Fleck auf der Landkarte gewesen ist, verhehlte der seit 1999 amtierende Eintracht-Präsident nicht. „Aber immerhin habt ihr hier eine Ampel und Strom“, merkte der bald 64-Jährige zur Begrüßung in seiner direkten Art an.

„Denkt daran: Bleibt bunt, wir sind mehr.“

Die Rodenbacher mit Bürgermeister Klaus Schejna und seinem Vorgänger und aktuellen Bundestagsabgeordneten Sascha Raabe (beide bekennende Eintracht-Fans) an der Spitze nahmen dies Fischer aber keineswegs krumm, sondern brachten ihm ob seiner seit Jahren gelebten Fannähe und Authentizität hörbar viel Sympathie entgegen. „Ich bin niemand, der sich verstellt, und sage das, was ich denke“, ist eine Aussage, die man zweifellos mit Fischer verbindet.

Dass er sich offen gegen Rechtsextremismus und Ausländerfeindlichkeit stellt, die AfD mit klaren Worten bekämpft, spielt an diesem Abend trotz der noch frischen Ereignisse in Thüringen keine große Rolle. Fischers Aussage am Ende der 90-minütigen Talkrunde, die Schützenhof-Vorstandsmitglied Matthias Hackerschmied souverän und kenntnisreich moderierte, war jedoch zweifellos auch darauf gemünzt: „Denkt daran: Bleibt bunt, wir sind mehr.“

Unfalltod des Vaters als schwerer Schicksalsschlag

Im Mittelpunkt der Talkrunde stand zunächst Peter Fischers Kindheit und Werdegang, bis er 1999 eher überraschend das vakante Präsidentenamt – nach dem bereits einige Zeit zurückliegenden Rücktritt seines Vorgängers Rolf Heller – übernahm. Dass sich Fischer nie hat unterkriegen lassen, hängt sicherlich mit den alles andere als einfachen Umständen zusammen, unter denen er zunächst in Lich und dann in diversen Kinderheimen im Schwäbischen – „irgendwo zwischen Sindelfingen und Böblingen“ – aufwachsen musste. Die Mutter verließ Mann und Sohn sehr früh, gründete mit einem anderen Mann eine neue Familie.

Ein schlimmer Schicksalsschlag ist zudem der Unfalltod des Vaters. Erst später erfährt Fischer von einem Freund des Vaters, dass dieser ein glühender Eintracht-Fan gewesen war, der auch die einzige Meisterschaft 1959 live in Berlin miterleben konnte. Die große Verbundenheit zum früh verstorbenen Vater führte dazu, dass Peter Fischer in der schwäbischen Diaspora zum Eintracht-Anhänger wird, obwohl er zu diesem Zeitpunkt noch nie ein Spiel der Adlerträger gesehen hat.

Fischer erlebte den Tsunami 2004 vor Ort

Er bricht mit 14 Jahren die Schule ab und macht sich auf den Weg nach Frankfurt, um in jener Stadt zu leben, die seinem Vater so wichtig gewesen ist. Dort arbeitet er sich hoch, macht eine Discothek und dann einen Tennisladen auf, später gründet er eine Werbeagentur, die ihn so bekannt macht, dass ihn die Eintracht-Verantwortlichen bitten, bei der Suche nach einem neuen Präsidenten mitzuwirken. „Ich hätte aber nicht im Traum gedacht, dass ich am Ende dann selbst den Posten übernehmen würde“, macht Fischer auch 21 Jahre später aus seiner Verblüffung keinen Hehl, als ihn die verbliebenen Vorstandsmitglieder baten, die Heller-Nachfolge anzutreten. Sie köderten ihn damit, dass er als Präsident freien Eintritt zu allen Eintracht-Spielen und den besten Parkplatz am Stadion bekommt. „Da konnte ich ja nicht Nein sagen“, bekennt er im Schützenhof freimütig.

Ein ernstes Thema, bei dem sein langjähriger Freund Mike Kuhlmann eine wichtige Rolle spielt, durfte an diesem Abend aber auch nicht fehlen: die Tsunami-Katastrophe Ende 2004. Fischer war selbst mit seiner damaligen Frau und dem zu diesem Zeitpunkt siebenjährigen Sohn im thailändischen Phuket, als der Tsunami losbrach. Sie konnten sich retten, aber Fischer sah die vielen Toten, vor allem die Kinder, die der Naturkatastrophe zum Opfer fielen. Er rief Kuhlmann an, der sofort nach Thailand flog, um mit dem Eintracht-Präsidenten vor allem den Wiederaufbau von Schulen zu organisieren. Ihre Stiftung „Help Children of Phuket“ hat allein in Frankfurt über 150 000 Euro an Spenden gesammelt.

Rasante Entwicklung der Mitgliedszahlen

Das Ziel, das Fischer derzeit mit großer Vehemenz verfolgt, wirkt dagegen weniger dramatisch: „Wir wollen bald das 100 000. Eintracht-Mitglied begrüßen.“ Die rasante Entwicklung des größten hessischen Sportvereins wird deutlich, wenn man zurückblickt ins Jahr 1999. Als Peter Fischer Präsident wurde, war er lediglich für 4600 Mitglieder zuständig.

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