In vielen deutschen Städten kann man diese Stolpersteine entdecken. Auch in Rodenbach wird nun über deren Verlegung diskutiert. Symbolfoto: Pixabay

Rodenbach

Diskussion in Rodenbach über Erinnerungskultur

Rodenbach. An den Stolpersteinen des Kölner Künstlers Gunter Demnig scheiden sich die Geister. In Rodenbach wurde das Thema bereits vor einigen Jahren diskutiert. Die Gremien entschieden sich damals für eine Gedenktafel. Nun hat die CDU-Fraktion das Thema erneut aufgegriffen.

Von Reinhard Breyer

Wie die Recherchen von Walter Geppert ergeben haben, lebten beim Aufkommen des Nationalsozialismus 44 jüdische Mitbürger in der Gemeinde, die meisten in Niederrodenbach. 27 von ihnen kamen in Konzentrationslagern um, heißt es in seiner vor wenigen Jahren erschienen Dokumentation „Sie waren unsere Nachbarn“.

Bereits im Jahr 2011 hatten sich die Gremien der Gemeinde mit der Frage beschäftigt, wie man der ehemaligen jüdischen Mitbürger gedenken könne. Damals entschied man sich nach eingehender Diskussion und einstimmig für eine bronzene Gedenktafel vor dem Museum.

Sie wurde 2012 enthüllt und trägt die Inschrift „Bürgerinnen und Bürger jüdischen Glaubens waren unsere Nachbarn. Während der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft 1933 bis 1945 wurden sie verfolgt und ermordet. Ihrer sowie aller anderen Opfer gedenken wir. Was war, darf sich nicht wiederholen.“

Stolpersteine als ErgänzungNach Ansicht von CDU-Fraktionschef Kai Kohlberger sei diese Form richtig. Die Verlegung von Stolpersteinen sei als Ergänzung zu verstehen, sagte er am Montagabend in der Sitzung des Haupt-, Finanz- und Sozialausschusses der Gemeindevertretung. „Indem klar wird, dass diese Menschen in unserem Ort gelebt haben, wird jedem Betrachter zukünftiger Generationen bewusster, dass er selber etwas dazu beitragen kann, um so ein Grauen zu verhindern“, so die Antragsbegründung.

Zusätzlich zu der Gedenktafel könnten etwa 14 bronzene Steine des Kölner Künstlers im öffentlichen Straßenraum verlegt werden, die auf die Wohnstätten der jüdischen Bürger hinweisen.

Hierfür könnten bei Kosten von etwa 120 Euro pro Stolperstein auch Patenschaften durch Vereine, Geschäfte oder Privatpersonen übernommen werden.

Man wollte keine einzelne Gruppe herausgreifenIn der SPD fand der Vorstoß wenig Zustimmung. Ausschussmitglied Stefan Brehm und Bürgermeister Klaus Schejna wiesen auf die zurückliegende ausführliche Diskussion hin. Damals hätten sich die Gremien die Entscheidung nicht leicht gemacht. Am Ende sei man einhellig zu der Auffassung gelangt, bei der Erinnerung keine einzelne Gruppe von Verfolgten und Opfern der Naziherrschaft herauszugreifen. In diesem Sinne hätten sich vor sieben Jahren beispielsweise Vertreter der Kirchengemeinden nach dem Motto „Lasst uns alle einbeziehen“ positioniert.

Schejna erinnerte daran, dass man seinerzeit auch erwogen habe, an den einstigen Wohnhäusern jüdischer Bürger Gedenktafeln anzubringen. Dies sei aber nicht weiter verfolgt worden, denn hierzu hätte man das Einverständnis der Hausbesitzer benötigt. Dies wurde aber nicht abgefragt.

Ehemalige Präsidentin des Zentralrat der Juden sprach sich gegen Stolpersteine ausAusschussvorsitzender Norbert Link (SPD) bemerkte, dass Stolpersteine höchst umstritten seien. So habe sich beispielsweise die ehemalige Präsidentin des Zentralrats der Juden, Charlotte Knobloch, dagegen ausgesprochen. Ihrer Meinung nach seien die Metallsteine eine unwürdige Form des Gedenkens. Opfer würden nochmals „mit Füßen getreten“.

Geppert, SPD-Mann und Vorsitzender der Gemeindevertretung, wandte sich in der Ausschusssitzung gegen einen „Konkurrenzkampf Gedenktafel/Stolpersteine“. Er schlug stattdessen als zusätzliche Form des Erinnerns eine regelmäßige Gedenkfeier oder Gedenkstunde zum Beispiel am Internationalen Holocaust-Gedenktag (27. Januar) oder Volkstrauertag vor. Hierbei könne an Opfer erinnert und auf aktuelle Konflikte eingegangen werden.

„Ihre Namen sind Geschichte“CDU-Parteichef Bernd Schminke sprach sich dafür aus, die Opfer im Gedächtnis zu bewahren. „Ihre Namen sind Geschichte, ihre Namen haben Geschichte.“ Die SPD lehnte den CDU-Antrag auf Verlegung von Stolpersteinen geschlossen ab.

Am Donnerstag, 22. Februar, steht der Antrag auf der Tagesordnung der öffentlichen Gemeindevertretung, welche um 20 Uhr in der Rodenbachhalle beginnt.

Ob dabei Gepperts Vorschlag einer regelmäßigen Gedenkstunde von Fraktionen aufgegriffen wird, ist nicht bekannt. Der Initiator erklärte unterdessen gegenüber unserer Zeitung, dass er versuchen wolle, eine regelmäßige Gedenkstunde auf den Weg zu bringen.

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