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Die Rodenbacherin Louisa Fleiner wird für ein Jahr in einem Versöhnungszentrum in Nordirland arbeiten

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Von: Patricia Reich

Die Abiturientin der Karl-Rehbein-Schule, Louisa Fleiner, will sich nach ihrem Abschluss aufs Rad schwingen. Ziel: Nordirland. Dort wird sie ein Jahr lang Friedensarbeit im Rahmen eines Freiwilligen Sozialen Jahres leisten.
Die Abiturientin der Karl-Rehbein-Schule, Louisa Fleiner, will sich nach ihrem Abschluss aufs Rad schwingen. Ziel: Nordirland. Dort wird sie ein Jahr lang Friedensarbeit im Rahmen eines Freiwilligen Sozialen Jahres leisten. © Patricia Reich

Dass Frieden nicht selbstverständlich ist und stets auf wackeligen Beinen steht, sollte nun jedem mit Blick auf die Ukraine klar sein. Doch es gibt noch viele weitere Länder, in denen Friedensarbeit geleistet werden muss.

Rodenbach – Eines davon ist Nordirland. Mit dem Brexit ist die Spaltung zwischen den Unionisten und den Republikanern wieder aufgebrochen. Deshalb sind sogenannte Versöhnungszentren entstanden, um den Frieden zu wahren. Als wichtigstes und bekanntestes Versöhnungszentrum gilt Corrymeela. Genau dorthin wird Louisa Fleiner nach ihrem Abitur gehen, um im Rahmen eines Freiwilligen Sozialen Jahres (FSJ) vor Ort Friedensarbeit zu leisten.

„Mir war schnell klar, dass ich nach meinem Abi etwas anderes machen möchte“, erzählt die Karl-Rehbein-Schülerin, die in diesem Jahr ihren Abschluss in der Hand halten wird. Von Au-pair über Work and Travel habe sie sich alles angeschaut. „Ich habe mir überlegt, wo ich mich erstens am meisten entwickeln und zweitens anderen etwas Gutes tun kann“, fasst die 20-Jährige ihre Gedankengänge zusammen. „So bin ich bei dem Freiwilligen Sozialen Jahr gelandet und schaute mir die Organisationen an, die für mich infrage kamen.“

Einsatzort ist Corrymeela in Ballycastle

Doch, so musste sie feststellen, kostet ein Auslands-FSJ oftmals mehrere Zehntausend Euro. Nur vier gemeinnützige Organisationen in Deutschland werden vom Staat mitfinanziert, berichtet Fleiner. „Bei zwei habe ich mich dann beworben. Vom Verein Eirene bekam ich recht schnell eine Rückmeldung.“ Da es ein englischsprachiges Land sein sollte, um die Fremdsprachenkenntnisse zu verbessern, wählte sie Corrymeela in Ballycastle als Einsatzort aus. Nach dem Bewerbungsgespräch bei dem Friedensdienst, der seinen Sitz in Neuwied hat, bekam sie den Platz. Danach fing Fleiner an, sich genauer mit der Geschichte Nordirlands auseinanderzusetzen. „In Belfast gibt es noch eine Mauer, die nicht abgebaut wird, weil die Bevölkerung es nicht möchte. Die wird auch in der Nacht abgeschlossen, denn die Leute fürchten sich vor den anderen. Als ich das las, wurde mir klar, dass der Frieden dort noch richtig wackelig ist.“

Krieg in der Ukraine bekräftigte Entscheidung, Friedensarbeit zu leisten

Die Entscheidung, Friedenarbeit zu leisten, stand vor dem Ukrainekrieg fest. „Doch der Krieg in Europa hat mich umso mehr bestätigt, das zu machen“, sagt Fleiner. „Man denkt, es wäre Frieden, wenn kein Krieg herrscht, aber es ist wichtig, dass die sozialen Umstände auch stimmen, um Frieden zu wahren.“

Ihre Aufgaben für die Organisation Eirene, deren Name das griechische Wort für Frieden ist, besteht aus mehreren Aufgabenfeldern. In Corrymeela geht es zum einen darum, Katholiken und Protestanten zu vereinen. „Es wird oft mit Schulkindern gearbeitet, denn viele Schulen sind noch getrennt und haben kaum Berührungspunkte. In Corrymeela werden sie zusammengeführt.“ Auch wird sich dort um Randgruppen gekümmert. „Straßenkinder und Obdachlose erhalten Essen, aber auch Hilfe bei der Rückkehr in ein normales Leben.“

Zum vierten Feld gehört die geschichtliche Aufklärung. „Da geht es allgemein darum, wie es zu Kriegen kommt, aber auch speziell um den Bürgerkrieg in Nordirland. Ich bin gespannt, inwiefern die Ukraine dabei eine Rolle spielen wird.“

Sport-Ass Fleiner will entsprechende Aktivitäten anbieten

Fleiner selbst wird Seminare mit leiten. „Ich hatte bereits Kontakt zu anderen Freiwilligen, die gerade dort sind. Sie meinten, dass ich die Themen selbst wählen darf.“ Aber auch das Begrüßen der Gäste, Rezeptionsarbeit und bürokratische Dinge wird sie übernehmen. „Ich begleite als Ansprechpartnerin die Gruppen und werde Aktivitäten mit ihnen unternehmen.“ Welche das genau sein werden, das steht für das sportliche Allroundtalent bereits fest. „Ich klettere beim DAV Hanau, schwimme und bin Läuferin beim SSC Rodenbach“, zählt Fleiner auf. „Ich habe an Sportangebote für die Gruppen gedacht.“

Anreise ist per Fahrrad geplant

Sportlich wird auch ihre Anreise nach Corrymeela. „Die Organisation hat den Kontakt zu denjenigen vermittelt, die mit mir dort hingehen. Zwei kommen aus Deutschland und eine davon aus Hamburg, die ich bereits kennengelernt habe. Und wir haben beschlossen, mit dem Fahrrad nach Irland zu fahren“, berichtet Fleiner mit einem Lachen. Ein Flug, so erklärt sie, sei von der Organisation aufgrund der fehlenden Nachhaltigkeit nicht erwünscht. „Eine Zugfahrt wäre naheliegend gewesen, aber da ich am 1. Juli meine letzte Abiprüfung habe und am 5. September erst dort anfange, bleibt genug Zeit.“

Ende Mai will sie sich mit ihrer Mitstreiterin aus Hamburg treffen, um die genaue Route zu planen. „Wir werden von Hamburg in die Niederlande fahren und von dort nach England übersetzen. Dabei nutzen wir die EU-Fernfahrradwege. Nur die Strecke in England steht noch nicht fest. Übernachten werden wir wahrscheinlich in kirchlichen Institutionen und notfalls im Zelt.“ Eirene unterstützt das Vorhaben und will Adressen für mögliche Unterkünfte vermitteln.

Finanzierung durch Spenden

„Wir müssen mit dem Geld gut haushalten“, leitet Fleiner das Thema Finanzen ein. 4500 Euro muss sie für das Jahr beisteuern. Dabei wird von der Organisation gefordert, dass sie hierfür Spenden sammelt. „Ich habe überlegt, wie ich das Geld zusammen bekomme. Corona macht es einem dabei nicht gerade leicht.“ Etwas Geld erhielt sie durch ein Frühstück, das sie für ihre Familie zubereitete. Auch in ihren Vereinen hat sie nachgefragt, das sei ihr aber nicht so angenehm gewesen. „Das ist schwierig. Ich finde, meine Trainer haben bereits so viel für mich getan, da möchte ich nicht auch noch, dass sie mich hier unterstützen.“ Daher hat sie einen Flyer zusammengestellt, auf dem sie sich, ihr Vorhaben und die Organisation vorstellt. Wer sich für ihre Erfahrungen, die sie in dem Jahr sammelt, interessiert, kann ihrem Blog auf Instagram folgen oder die Berichte per E-Mail erhalten. „Ich werde versuchen, alle zwei Monate einen längeren Bericht zu verfassen. Das ist für mich ganz gut, das alles in meinem Kopf zu ordnen.“

Mit Blick auf ihr anstehendes Abenteuer spüre Fleiner noch etwas Unsicherheit. „Aber der Schritt ist der richtige und ich kann mich entwickeln.“ Was danach kommt, weiß sie noch nicht genau. „Vielleicht werde ich Psychologie oder Wirtschaft studieren“, sagt Fleiner, die Mathematik und Politikwissenschaft als Leistungskurse gewählt hat. Doch jetzt heißt es erst mal Koffer packen. (Von Patricia Reich)

Spendenmöglichkeit und Erfahrungsbericht

Wer Louisa Fleiner bei dem ungedeckten Betrag von 4500 Euro unterstützen möchte, den sie für das Freiwillige Soziale Jahr in Corrymeela aufbringen muss, kann dies über die Website von Eirene machen. Die Ausstellung einer Spendenquittung ist möglich. Wer Louisa Fleiners Erfahrungsberichte erhalten möchte oder nähere Fragen hat, kann ihr eine E-Mail an louisa.fleiner@gmail.com schreiben. Auf ihrem Instagram-Account (instagram.com/ louisafleiner) wird sie regelmäßig einen Blog führen und Fotos veröffentlichen. (par)

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