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Diakonische Pflege Rodenbach feiert 100-jähriges Bestehen

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Sie stehen hilfebedürftigen Menschen in Rodenbach, Erlensee und Langenselbold mit Rat und Tat zur Seite: Pfarrer Heinrich Schwarz (links) und die Mitarbeiter der Diakonischen Station. Im Hintergrund sind Fotos der Mitarbeiterinnen zu sehen. Foto: Breyer
Sie stehen hilfebedürftigen Menschen in Rodenbach, Erlensee und Langenselbold mit Rat und Tat zur Seite: Pfarrer Heinrich Schwarz (links) und die Mitarbeiter der Diakonischen Station. Im Hintergrund sind Fotos der Mitarbeiterinnen zu sehen. Foto: Breyer

Rodenbach. Das Spektrum ist breit gefächert: Pflegen, beraten, begleiten und entlasten – das sind die wichtigsten Säulen der Diakonischen Pflege. Das Tätigkeitsfeld hat sich zwar immer wieder gewandelt, das Motto ist aber gleichgeblieben: „Im Mittelpunkt steht der Mensch“. In diesem Jahr feiert sie ihr 100-jähriges Bestehen.

Von Reinhard BreyerDen Grundstein für die Sozialarbeit in dem traditionell evangelisch geprägten Niederrodenbach legte Pfarrer Albert Römer anno 1908.

Er regte die Gründung einer einer Krankenpflegestation und einer Kleinkinderschule als Vorläufer der heutigen Kindertagesstätte an.Schwierige Bedingungen zum Start1914 wurde der Kindergarten eröffnet. Die Kleinkinderschule befand sich im damaligen Schulgebäude Ecke Hanauer Landstraße/Hainstraße/Gartenstraße, wo heute das Sparkassengebäude steht. Sie war letztlich eine Antwort auf den Wandel von der bäuerlich geprägten zur industriell geprägten Gesellschaft, in der Frauen zunehmend der Fabrikarbeit nachgingen. Damit entstand der Betreuungsbedarf.

Es war unter schwierigsten Bedingungen, als die Pflegeeinrichtung mitten im Krieg – im Oktober 1917 – aus der Taufe gehoben wurde. Mathilde Zuckerschwerdt hieß die erste ausgebildete Gemeindeschwester, die Armen und Kranken ihre Dienste angedeihen ließ. Fast fünf Jahrzehnte waren Diakonissen des Nonnenweier Mutterhauses (nahe dem badischen Ort Lahr), zu dem enge Verbindungen bestanden, in der Gemeinde Rodenbach tätig.Die Zeichen der Zeit erkanntDer Gemeindevorstand erkannte die Zeichen der Zeit. Er bewilligte trotz vermutlich schmaler Steuereinnahmen bereits am 17. Oktober 1917 einen laufenden Zuschuss in Höhe von 100 Mark pro Jahr für die Krankenpflegestation. Drei Jahre später stockte die Gemeinde den Zuschuss auf ein Drittel der Kosten des Kindergartens und der Krankenstation auf. Bis heute beteiligt sich die Gemeinde an der Finanzierung der Diakoniestation, zeigt sich Pfarrer Heinrich Schwarz dankbar. Er ist Geschäftsführer der Einrichtung.

Einen Schritt weiter ging es im Frühjahr 1923, als der Diakonieverein gegründet wurde. Mitglieder konnten die Dienste der Gemeindeschwester in Anspruch nehmen, Nichtmitglieder mussten eine Gebühren zahlen. In den Krisenjahren um 1923 baten viele Familien um Erlass der Beiträge.Immer mehr ArbeitDennoch nahm die Arbeit stetig zu. 1938 waren fünf Diakonissen im Einsatz. Mitte der 60er Jahre kündigte das Mutterhaus in Lahr den Vertrag auf. Die beiden in Rodenbach tätigen Schwestern wurden nach Heidelberg versetzt. An ihre Stelle trat eine Krankenschwester. Sie war bis 1972 tätig. Mit der Eröffnung des Altenzentrums Rodenbach sah sie jedoch bald keine Zukunft mehr für sich und kündigte. Das war das vorläufige Ende der Schwesternstation.

Pfarrer Schwarz in der Chronik der Einrichtung: „In den folgenden Jahren wurde den Rodenbachern immer deutlicher bewusst, welche Lücke das Ausscheiden der Gemeindeschwester gerissen hatte. Die Schwester fehlte an allen Ecken und Enden. Zwar hatten sich in Rodenbach weitere Ärzte niedergelassen, aber die Pflege der Schwerkranken und alten Mitbürger lag in den Händen der Angehörigen, die damit oftmals überfordert waren. So blieb Alleinstehenden und schwer pflegebedürftigen Menschen nur der Weg in ein Alten- und Pflegeheim.“Erneuter Wandel durch Einführung der Pflegeversicherung1977 wurde das Vakuum mit der Aktivierung der Schwesternstation und neuem Personal gefüllt. In dieser Zeit nahm der Wunsch vieler Senioren spürbar zu, den Lebensabend in den eigenen vier Wänden zu verbringen. Die Einführung der Pflegeversicherung Mitte der 80er Jahre brachte noch einmal einen Wandel.

Damit konnte die Diakoniestation ihr Aufgabenspektrum ausbauen. Neben der Pflege alter, kranker behinderter Menschen gehören heute Hilfen im Haushalt ebenso zu den Leistungen wie etwa einkaufen und die Begleitung zum Arzt. Heute beschäftigt die Station insgesamt 40 Mitarbeiterinnen, überwiegend in Teilzeit, als Gemeindeschwester, Hauswirtschafterinnen, Betreuungskräfte und Praktikantinnen im Bundesfreiwilligendienst.Aktionsradius vergrößertLängst wurde der Aktionsradius vergrößert. Neben der Gemeinde Rodenbach sind die Kräfte in Erlensee und Langenselbold aktiv, wo es keine kommunalen Pflegedienste gibt. Ein rund 250 Mitglieder zählender Förderkreis unterstützt die Diakoniestation. Betreut werden heute rund 200 Personen. Zunehmend betreuen die Mitarbeiterinnen demente Personen durch Ansprache und entlasten deren Angehörige stundenweise.

Das Motto „Stillstand ist Rückschritt“ gilt auch in der Pflege: Durch Fortbildungskurse wird das Personal über Neuerungen auf den neuesten Stand gebracht. Dazu gehören regelmäßige Erste-Hilfe-Kurse und Fahrsicherheitstraining, denn das Auto ist für den Einsatz der Pflegekräfte unersetzlich.Verantwortliche fordern adäquate BezahlungZunehmende Bedeutung hat die Ausbildung in Sachen Pflegeberatung. Das heißt: Zu betreuende Menschen und ihre Angehörigen werden vor Ort beraten, welche Hilfedienste ihnen gesetzlich zustehen und wie sich das Leben in den eigenen vier Wänden optimieren lässt.

Wie in vielen anderen Berufen ist Berufsbildern kämpft auch die Diakonische Pflege mit Fachkräftemangel. Auch deshalb fordern die Verantwortlichen eine adäquate Bezahlung für das Personal, um den Beruf attraktiv zu machen.Tag der offenen Tür im AprilVon den Mitarbeiterinnen wird nicht nur Kompetenz, sondern auch viel Einfühlungsvermögen erwartet, gehören sie doch in vielen Fällen mit zu Familien, in denen die Pflege stattfindet. Daraus entwickeln sich oftmals Bindungen über den Tag hinaus.

Die Diakonische Pflege lädt für Samstag, 22. April, von 12 bis 18 Uhr zu einem Tag der Offenen Tür mit Hilfsmittelausstellung ein. Im Evangelischen Gemeindezentrum (Buchbergstraße 6) gibt die Einrichtung Einblick in ihre Tätigkeitsfelder. Außerdem stehen Sanitätshäuser, Apotheken und Wundzentren für Fragen zur Verfügung. Für Speisen und Getränke ist gesorgt.

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