Rodenbach

Detlef Knoll legt seinen zweiten Rodenbach-Krimi vor

Rodenbach. Krimis mit lokalem Bezug haben sowohl im Fernsehen als auch in Buchform seit Jahren Hochkonjunktur. Das gilt auch für Mordfälle, die im Rhein-Main-Gebiet angesiedelt sind.

Von Lars-Erik Gerth

Die bekanntesten Kriminalromane, die in Frankfurt und Umgebung spielen, stammen aus den Federn von Nele Neuhaus und Jan Seghers. Es ist nun einmal so, dass sich viele Leser oder TV-Zuschauer besonders für eine Geschichte interessieren, wenn sie die Orte des Geschehens aus eigener Ansicht kennen, sie möglicherweise sogar direkt vor ihrer Haustür liegen. Darauf baute auch Detlef Knoll, als er 2017 mit „Wald-Sterben“ seinen ersten Rodenbach-Krimi in Eigenregie herausbrachte.

Und der Erfolg gab dem 65-Jährigen Recht. Innerhalb weniger Monate wurden 200 Exemplare verkauft, mittlerweile liegt die Zahl bei rund 500. Und seit diesem Frühjahr können sich die Rodenbacher über eine Fortsetzung freuen. In „Schlangen-Nest“ hat es Kommissar Dietmar Kondrus, der selbst in Rodenbach wohnt, gleich mit einer Serie von Morden zu tun. Unter anderem wird eine Seniorin von einer hochgiftigen Schlange gebissen, die jemand in ihren Briefkasten gesetzt hatte. Da es die alte Dame nicht mehr schafft, einen Telefonanruf abzusetzen, stirbt sie qualvoll an den Folgen des Bisses.

Knoll hat Erfahrung im Bereich der Satire

Detlef Knoll ist in Rodenbach eine bekannte Persönlichkeit, denn der aus Frankfurt stammende gelernte Buchhändler lebt nicht nur bereits seit 1968 in der beschaulichen Gemeinde, sondern ist seit 1998 auch Inhaber der Buchhandlung „Keese“ an der Kirchstraße. Darüber hinaus gehört er der Autorengruppe „Wortspieler“ an, die zuletzt im April mit den Aufführungen der Schwarzen Komödie „Funkloch Hotel“ in Erscheinung trat.

Dass Knoll ein besonderes Faible für das Kabarett hat, beweist er jedes Jahr bei der „Satirischen Weihnacht“, die von den Rodenbacher „Weihnachtssatirikern“ auf die Beine gestellt wird, bei denen er zu den Gründungsmitgliedern gehört. „In diesem Jahr feiern wir bereits unser zehnjähriges Bestehen“, freut sich der 65-Jährige schon auf die drei Aufführungen am ersten Adventswochenende. Zudem trat Knoll bereits mit zwei satirischen Soloprogrammen auf. Und im Gespräch mit dem HA verrät er, dass er für 2020 ein drittes plant.

Kein großes Vorabkonzept

Wenn man dann auch noch weiß, dass Detlef Knoll in Zusammenarbeit mit der benachbarten Gemeindebücherei Autorenlesungen veranstaltet, stellt sich schon die Frage, wie er die Zeit findet, nun bereits den zweiten 280 Seiten starken Rodenbach-Krimi zu verfassen. „Ich schreibe abends, aber vor allem am Wochenende. Da nehme ich mir einfach die Zeit, drei Stunden am Stück zu schreiben“, berichtet der sympathische Autor.

Weder für „Wald-Sterben“, in dem es um eine Mordserie geht, die mit der Tötung einer jungen Joggerin unweit des Rodenbacher Altenzentrums ihren Anfang nimmt, noch für „Schlangen-Nest“ hat sich Knoll übrigens mit einem größeren Vorabkonzept aufgehalten.

Knappes Zeitbudget spielt bei Knoll eine Rolle

„Mir kommen die Ideen selbst für neue Figuren, die ich in die Geschichten einführe, während des Schreibens. So mache ich vorher auch keine Liste mit den Personen, die im Krimi dann auftauchen. Fest stehen eigentlich nur Kommissar Dietmar Kondrus, seine Kollegin Marion Wichert und ihr direktes berufliches und familiäres Umfeld. Alles andere ergibt sich im Laufe des Schreibens“, gibt Knoll einen interessanten Blick in den Entstehungsprozess seiner Rodenbach-Krimis.

Dieses Vorgehen, räumt der Buchhändler und Autor ein, habe sicher mit seinem knappen Zeitbudget für die eigenen Buchprojekte zu tun. „Vielleicht ändert sich das ja, wenn ich in Rente bin und mich mehr aufs Schreiben konzentrieren kann“, fügt er mit einem Augenzwinkern an. Denn derzeit gibt es für ihn keinen Grund, die „Keese“ in andere Hände zu geben. So lange die Gesundheit mitspielt und die Kräfte reichen, will er die Buchhandlung weiterführen. Dessen ungeachtet hat er bereits den dritten Rodenbach-Krimi im Blick.

Lesung im Schützenhof am Donnerstag

Morgen Abend wird er aber zunächst im Schützenhof in Oberrodenbach aus „Schlangen-Nest“ lesen. Darin verarbeitet Knoll auch die Folgen der Flüchtlingskrise und die in Deutschland zunehmende Feindseligkeit gegenüber Migranten. So geschieht der erste Mord unmittelbar neben einer Asylbewerberunterkunft, und das Opfer ist ein 95-Jähriger, der noch am Abend vor seinem gewaltsamen Tod mit einer Waffe auf seine ungeliebten Nachbarn losgeht. Außerdem spielt eine Partei namens „Initiative Deutschland immer zuerst“ (IDIZ) eine wichtige Rolle. Welche reale Partei dabei Pate gestanden hat, dürfte klar sein, auch wenn sie Knoll im HA-Gespräch nicht beim Namen nennt.

Lesung im SchützenhofDetlef Knoll liest am Donnerstag, 24. Oktober, um 19.30 Uhr im Schützenhof Oberrodenbach, Hanauer Straße 8. Der Eintritt beträgt acht Euro.Der zweite Rodenbach-Krimi „Schlangen-Nest“ ist im Selbstverlag erschienen, hat 280 Seiten und kostet 12,50 Euro. Die ISBN lautet 9 78-3-00-06 19 58-8.

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